Baukultur und Bewusstheit
by Regine Geibel
2004-2026 22

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Booster für Bauen im Bestand

Die Lage des Wohnungsmarktes ist angespannt, der Leerstand von älteren oder
nicht mehr marktgerechten Büroimmobilien gleichzeitig hoch. In München geht als zentrale Anlaufstelle die Umbauagentur „Büro zu Wohnen" an den Start – ein wichtiges Signal.

60.000 Wohnungen – so schätzt das Münchner ifo-Institut in seiner Studie „Homeoffice und die Zukunft der Büros" das theoretische, baurechtliche Transformations-Potenzial in den Top-7-Städten (Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt, Stuttgart, Düsseldorf) ein. Um diese Entwicklung zu beschleunigen, baut die Stadt München als zentrale Anlaufstelle die Umbauagentur „Büro zu Wohnen" auf; im Juli 2026  wurde ihre Gründung vom Stadtrat beschlossen. "Die Umwandlung leerer Büros in Wohnungen ist ein wichtiger Beitrag, um den Wohnungsmarkt zu entlasten und vorhandene Ressourcen nachhaltig zu nutzen. Die Umbauagentur wird der Motor dieser Entwicklung sein", so Oberbürgermeister Dominik Krause. Laut Stadtbaurätin Professorin Dr. Elisabeth Merk müssen gerade beim Umbau bestehender Gebäude "viele unterschiedliche fachliche, rechtliche und wirtschaftliche Fragen ineinandergreifen. Unser Ziel ist es, gemeinsam tragfähige Wege zu entwickeln und geeignete Projekte in die Umsetzung zu bringen."

Zentrale Anlaufstelle, Koordinatorin und Impulsgeberin

Als zentrale Anlaufstelle, Koordinatorin und Impulsgeberin soll die neue Umbauagentur geeignete Potenziale systematisch identifizieren und gemeinsam mit Eigentümer*innen und weiteren Akteur*innen Wege für eine Umwandlung in Wohnraum entwickeln. Die Umbauagentur bündelt diese Themen, schafft einen zentralen Zugang und begleitet geeignete Vorhaben über bestehende Zuständigkeitsgrenzen hinweg. „Umbauen ist Teamarbeit", betont Thomas Hobohm, Leiter der Umbauagentur. "Aus geeigneten Potenzialen sollen konkrete Projekte und zusätzlicher Wohnraum entstehen."

Umwandlung vorhandener Flächen

Angesichts des angespannten Wohnungsmarktes, des hohen Leerstands von Büroimmobilien (zehn Prozent im ersten Quartal 2026) und der Notwendigkeit, Ressourcen nachhaltiger zu nutzen, setzt München also auf die systematische Aktivierung und Umwandlung vorhandener Flächen. Vorreiter in dieser Hinsicht sind Bremen, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Saarland und Thüringen. In diesen fünf Bundesländern liegt laut Greyfield Index 2026 der Anteil der Bauaktivitäten im Bestand bereits über dem Neubau. Dieser Index wird von der Greyfield Group auf der Basis offizieller Datenquellen erhoben und jährlich fortgeschrieben.

Die Zukunft des Bauens

Dazu Tim Sassen, Gründer und Inhaber der Greyfield Group: "Die Zukunft des Bauens entsteht aus dem Vorhandenen. Umbau, Umnutzung, Erweiterung, Aufstockung und Revitalisierung gewinnen kontinuierlich an Bedeutung und entwickeln sich zum zentralen Motor der Bauaktivität in Deutschland." Die Frage sei, wie schnell Politik, Förderung, Bauordnungen und Finanzierung darauf reagierten. Wer Wohnraum schaffen, CO₂ sparen und Flächenverbrauch reduzieren wolle, solle den Bestand konsequent zur ersten Option machen. "Dafür brauchen wir einfache Standards, passende Förderbedingungen und die Rückendeckung von Städten und Kommunen."

Bayern auf den hinteren Rängen

In München gibt es bereits Revitalisierungs-Projekte wie das Arabellahaus, das Weiße Quartier oder die Ten Towers, die CO₂ einsparen, den Flächenverbrauch reduzieren und Wohnraum schaffen.

Unicredit-Bank plant Neubau statt Nutzung eines Bestandsgebäudes

Für das Grundstück gegenüber der derzeit leerstehenden Ten Towers hat der Planungsausschuss der Landeshauptstadt allerdings gerade einen Billigungs- und vorbehaltlichen Satzungsbeschluss durchgewinkt. Das stellt den Bau einer neuen Unternehmenszentrale der Unicredit-Bank am Leuchtenbergring in Aussicht. Dass Bayern (noch) auf dem sechstletzten Platz des Greyfield Index liegt, hat also seinen Grund; im Vergleich zum Vorjahr hat hier das Bauen im Bestand sogar leicht abgenommen. Umso wichtiger ist die Arbeit der neuen Agentur "Büro zu Wohnen".