Baukultur und Bewusstheit
by Regine Geibel
2004-2026 22

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Abfall als Eyecatcher

Die Fassade des MONACO kombiniert Pretty Plastic-Schindeln und alte Klinkersteine (Rendering: © MVRDV) Die Fassade des MONACO kombiniert Pretty Plastic-Schindeln und alte Klinkersteine (Rendering: © MVRDV)

Alte Fensterrahmen, Dachrinnen und Fallrohre: All das kann für Fassadenelemente recycelt werden. Ergebnis sind farbige Schindeln und Fliesen, die als prägende Gestaltungselemente Gebäude vom Schwimmzentrum in Eindhoven bis zum Büroneubau im Münchner Werksviertel zieren.

Die Dutch Design Week findet jedes Jahr im Herbst in Eindhoven statt und gilt als Forum für  Ideenreichtum und Experimentierfreude junger, innovativer GestalterInnen. Vor sieben Jahren landeten hier die Designer Reinder Bakker, Hester van Dijk von Overtreders W und der Architekt Peter van Assche vom bureau SLA einen Überraschungscoup. Ihre Schindeln aus recyceltem Kunststoffabfall, die sie für einen Pavillon entwickelt hatten, erzeugten so viel internationale Aufmerksamkeit, dass daraus die Gründung eines Start-ups resultierte: Pretty Plastic. Mittlerweile finden sich die Fassadenelemente des holländischen Unternehmens an 120 Gebäuden in 13 Ländern – darunter das Nationale Schwimmzentrum De Tongelreep in Eindhoven, das Whitburn Coastal Conservation Centre im Großbritannien, der Hauptsitz von Ville Renouvelée in Tourcoing oder der Büroneubau MONACO im Münchner Werksviertel.

Kein klassisches Recyclingprodukt

"Die Fassaden aus 100 Prozent recyceltem PVC beweisen, dass Abfall nicht versteckt werden muss, sondern zum prägenden Gestaltungselement und Eyecatcher werden kann", so Hajo Reinders, Geschäftsführer bei Pretty Plastic. "Jede Fliese steht für die Idee, vorhandene Materialien so lange wie möglich im Kreislauf zu halten und ihnen mindestens ein zweites, langes Leben zu geben." Und Reinder Bakker freut sich: "Aus dem Experiment ist ein internationales Beispiel geworden, wie Kreislaufwirtschaft in der Bauindustrie sichtbar, ästhetisch und skalierbar werden kann." Von Anfang an sei entscheidend gewesen, dass Pretty Plastic nicht wie ein klassisches Recyclingprodukt aussehe, sondern als eigenständiges architektonisches Material funktioniere.

Tiefe, Charakter und eigene Geschichte

Diese Qualität stellen 12.000 Pretty-Plastic-Schindeln an der Fassade des MONACO im Münchner Werksviertel – das erste Referenzobjekt in Deutschland – unter Beweis: Sie werden in sieben Farbtönen von Hellgrau über verschiedene Grüntöne bis zu Bronze, Mauve und Lila in einer kuratierten Rautenstruktur angebracht; jede ist durch den Herstellungsprozess individuell marmoriert und insofern ein Unikat. Komplettiert wird die Gebäudeverkleidung durch 60.000, teils schon über 100 Jahre alte Vollbrandziegel aus industriellem Abbruch. Resultat ist eine "Fassade, die Tiefe, Charakter und eine eigene Geschichte hat und sich deutlich absetzt vom üblichen Standard. Die Gebäudehülle wirkt über Farbe, Struktur und Plastizität", so Andreas Wißmeier, Geschäftsführer des MONACO-Projektentwicklers Rock Capital Group.

Bezugsfertig Anfang Oktober 2027

Die ausgeklügelte Fassade umgibt sechs Geschosse mit rund 4.000 Quadratmeter Bürofläche. Hinzu kommen rund 580 Quadratmeter Terrassen- und Rooftop-Flächen sowie ein Pocket Garden im Erdgeschoss. Der Rohbau soll bis Herbst 2026 stehen, Ende des zweiten Quartals 2027 folgt die Fertigstellung des Innenausbaus. Die komplette Bezugsfertigkeit des Objekts, das vom renommierten Architekturbüro MVRDV entworfen wurde, ist für Anfang Oktober 2027 vorgesehen.