Zeitgenössische Architektur, Design und Kunst in Bayern

 
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Einstimmiges Juryurteil

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31. Januar 2018

Bis Mai 2021 soll der Neubau des Münchner Volkstheaters für eine Investitionssumme von 130,7 Millionen Euro auf dem Viehhofgelände entstehen. Die Jury wählte den Entwurf des Stuttgarter Architekturbüro LRO Lederer Ragnarsdóttier Oei.

Eine große und eine kleine Bühne mit über 600 Plätzen, im Foyer eine Bar, daneben ein Lokal mit Biergarten: Für Zuschauer passt das Angebot im Münchner Volkstheater, in dem Christian Stückl seit Herbst 2002 als Intendant für einen abwechslungsreich-experimentierfreudigen Spielplan, ein deutlich verjüngtes Publikum und eine Auslastung von über 85 % sorgt. Hinter den Kulissen müssen sich er und sein Team allerdings seit 16 Jahren mit einer „schwierigen Situation" arrangieren: Sowohl Lager- als auch Proberäume fehlen in dem schmucklosen Gebäude an der Briennerstraße, das in den 1950er Jahren als Mehrzweckhalle im Haus des Sports errichtet und 1983 zu einem Theater umfunktioniert wurde. Überdies ist der Brandschutz mangelhaft.

Statt erneut große Summen in eine notwendige Generalsanierung zu investieren, wurde daher Mitte Dezember 2017 der Neubau des Volkstheaters mit einer Gegenstimme vom Münchner Stadtrat beschlossen: Bis Mai 2021 soll er für eine Investitionssumme von 130,7 Millionen Euro auf fast 18.000 Quadratmetern auf dem Viehhofgelände entstehen.

Harmonisches Nebeneinander mit dem Bestand

Nach einem Wettbewerb fiel die Wahl auf das Stuttgarter Architekturbüro LRO Lederer Ragnarsdóttier Oei und die Firma Georg Reisch aus dem schwäbischen Bad Saulgau als Generalübernehmer. Dieser verpflichtet sich vertraglich, den Neubau zum festgelegten Zeitpunkt und vereinbarten Fixpreis schlüsselfertig zu übergeben. Flankiert von denkmalgeschützten Altbauten fügt sich der Entwurf maßgeschneidert in diesen Teil des Schlachthofviertels ein. „Strategie war, eine harmonische Gesamtheit mit dem Bestand zu erreichen" so Prof. Ulrich Holzscheiter, Vorsitzender der Wettbewerbsjury. „Gleichzeitig wurde ein zeitgenössisches Formenvokabular verwendet."

Erkennungszeichen für Ankommende ist ein markanter Torbogen über dem Haupteingang an der Tumblingerstraße. Zurückgesetzt dahinter erhebt sich das Hauptgebäude mit gestaffelten Traufhöhen bis hin zu seinem 27 Meter hohen Bühnenturm. Nach außen sorgen Sichtziegel als Fassadenmaterial für Bezüge zur Umgebung. Innen dominieren Funktionalität und eine bewusst gewählte „Rauigkeit" – vom lichten Foyer, das sich mit bodentiefen Fenstern zum Hof öffnet und laut Stückl als „Begegnungsort" auch für Events genutzt werden soll, über die angeschlossene Gastronomie bis zu den (Probe-)Bühnen, Lagern, Werkstätten, Künstlergarderoben sowie -wohnungen, Büros und einer integrierten Kita für 150 Mitarbeiter.

Bauliche Organisation von 1.000 Seiten funktionaler Leistungsbeschreibung

„Die Raffinesse liegt hier nicht in anspruchsvollen Materialien, sondern in der räumlichen Durchbildung", so Prof. Holzscheiter. „Baulich-organisatorisch ist es gelungen, komplizierte Funktionen zusammenzuführen und effiziente Lösungen für die innere Zirkulation sowie unterschiedlichste Raumanforderungen zu finden." 1.000 Seiten umfangreich war die funktionale Leistungsbeschreibung des neuen Volkstheaters für die Ausschreibung des Wettbewerbs.

„Einige hundert Mann- und -Frauenstunden" verwendete die Jury laut ihrem Leiter Prof. Holzscheiter auf ihre Entscheidung, einstimmig unter fünf Bewerbergemeinschaften auszuwählen.

Dabei wurde der Gesamtpreis für Planung und Bau mit 50 % gewichtet, die städtebauliche und architektonische Qualität mit 27 % und die funktionale und technische Qualität mit 23 %.

Die Entwürfe des Siegers und seiner Mitbieter sind bis 15.2 im Foyer des Volkstheater zu sehen. Danach werden sie vom 19.2. bis 2.3. im Foyer des Technischen Rathauses, Friedenstrasse 40, ausgestellt.

Ein Beitrag von

Antoinette Schmelter-Kaiser

Antoinette Schmelter-Kaiser studierte Romanistik und Germanistik in Freiburg, Paris sowie München. Nach ihrem Magister-Abschluss und einem Besuch der Burda-Journalistenschule arbeitete sie zehn Jahre festangestellt als Redakteurin bei ELLE und Allegra. Seit 1996 ist sie als freiberufliche Journalistin für verschiedenste Magazine tätig. Schwerpunkt ihrer Arbeit sind Kulturthemen.

Foto © Birgit Roschach

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