Baukultur und Bewusstheit
by Regine Geibel
2004-2026 22

Anzeige

Bau-Turbo im Praxistest

Wohnungen sind in München Mangelware. Der beschlossene Bau-Turbo soll Neubau-Projekte vereinfachen und beschleunigen. Dass die Maßnahmen greifen, beweist das "FlaucherQuartier". Hier werden zwei Jahre schneller als geplant 210 Wohnungen für SWM-Mitarbeitende fertiggestellt.

Ambitioniertes Ziel der Stadt ist es 50.000 neue Wohnungen bis 2040 zu schaffen, denn stark steigende Preise und weitaus mehr Nachfrage als Angebot strapazieren den Mietwohnungsmarkt in München. Um das zu erreichen, wurde im Baugesetzbuch der neue Paragraf 246e eingeführt: Seit 30. Oktober 2025 können Kommunen von bauplanungsrechtlichen Vorschriften abweichen, wenn so neuer Wohnraum geschaffen wird. Schon im ersten Halbjahr 2026 stimmte die Landeshauptstadt München der Anwendung des Bau-Turbos für rund 2.100 Wohnungen zu, sodass Baugenehmigungen zeitnah erteilt werden können.

FlaucherQuartier als Profiteur des Bau-Turbos

Davon profitierte auch das geplante "FlaucherQuartier" zwischen Hans-Preißinger-Straße und Schäftlarnstraße nahe des Kulturzentrums Gasteig HP8, für das eine Machbarkeitsstudie vorliegt. Neben circa 210 Wohnungen überwiegend für SWM-Mitarbeitende ist auch eine Kindertageseinrichtung zur Versorgung des Gebietes vorgesehen. Dachgärten, hochwertige Grün- und Freiflächen im Innenhof, die weitgehend frei von Unterbauung bleiben, Photovoltaik und Anschluss an die SWM Fernwärme stehen für das klimaorientierte Quartierskonzept; die Blockrandbebauung erfolgt in serieller, modularer Bauweise.

Schritt in die richtige Richtung

Anlässlich eines Besuchs von Bundesbauministerin Verena Hubertz bei Oberbürgermeister Dominik Krause stellte das Referat für Stadtplanung und Bauordnung mit den Stadtwerken München (SWM) das Bauturbo-Projekt vor Ort vor – eines von 37, die derzeit in München für 2100 Wohnungen in der Pipeline sind. "Die Etablierung des Baut-Turbos ist ein Schritt in die richtige Richtung, dem noch mehr folgen müssen", so Dominik Krause. "Bauen muss in Deutschland einfacher, schneller und kostengünstiger werden." Und Verena Hubertz sagte: "Wer die Stadt am Laufen hält, muss sich die Stadt auch leisten können. Deshalb freue ich mich, dass im FlaucherQuartier 210 bezahlbare Wohnungen für Beschäftigte der Daseinsvorsorge entstehen sollen."

Drei Kategorien für Bau-Turbo

Für den Bau-Turbo, der als eine Art Experimentierklausel zunächst befristet bis zum 31. Dezember 2030 ist, gelten drei Kategorien: 

  • Bei überschaubaren Bauvorhaben orientiert sich das Referat für Stadtplanung und Bauordnung am Vorbescheidsverfahren (Bauvoranfrage) der Lokalbaukommission. Ein Stadtratsbeschluss ist nicht notwendig.
  • Bei Projekten mit städtebaulicher Wirkung fasst der Stadtrat einen Aufstellungsbeschluss und stimmt vorbehaltlich zu, dass nach der frühzeitigen Beteiligung der Öffentlichkeit und der Behörden auf den Bau-Turbo gewechselt werden kann.
  • Bei planungsbedürftigen Projekten startet erst das reguläre Bebauungsplanerfahren mit einem Aufstellungsbeschluss. Zeigt sich, dass kaum oder keine Konflikte bestehen, kann der Stadtrat den Wechsel zum Einsatz des Bau-Turbos beschließen.

Veranstaltung: Bauen, bauen, bauen

Ob und wie die Bauwende gelingen kann, das diskutieren Georg Hopfensperger, Haus- und Grundbesitzerverein, Ulrike Klar, Referat für Stadtplanung und Bauordnung der LH München, und Beatrix Zurek, Münchner Mieterverein, am 26.10. von 19.00 bis 21.00 Uhr im Bildungszentrum 28 in der Einsteinstr. 28. Unter dem Motto "Bauen, bauen, bauen" kreisen sie um folgende Fragen: Wo gibt es noch freie Flächen? Wie viel Wohnraum lässt sich durch die Umwandlung von Bürogebäuden schaffen? Wer baut in München Wohnungen und welche Vorschriften fördern oder behindern das? Welche Rolle spielt dabei die Klimaanpassung?