In und um München entstehen vier Projekte, die Neubau, Bestandspflege und soziale Qualität verbinden. Im Mittelpunkt stehen nachhaltige Materialien, Räume für Begegnung und eine Architektur, die städtebaulich, ökologisch und gesellschaftlich auf die Standorte eingeht.
ENZIAN: WohnenPlus-Konzept in Holzbauweise
Das ENZIAN in Milbertshofen entsteht als Projekt der BHB Unternehmensgruppe bis 2027 vollständig in Holzbauweise, mehr als 60 Prozent der 62 Wohnungen sind bereits verkauft. Nahe dem BMW Forschungs- und Innovationszentrum sowie im Umfeld des Energiequartiers ASCEND richten sich die mit nachhaltigen skandinavischen Designmöbeln ausgestatteten Ein- und Zweizimmer-Apartments auch an Beschäftigte der umgebenden Unternehmen. Das WohnenPlus-Konzept (Arclantis Architekten GmbH und TRR Landschaftsarchitekten) setzt auf kurze Wege sowie ein Leben ohne eigenes Auto und sieht dafür eine Mobilitätsstation mit Rädern, Sharing-Angeboten und Radlwerkstatt vor. Gestalterisch verbindet die blau lasierte Holzfassade skandinavische Einflüsse mit einem Bezug zum seltenen Enzian der benachbarten Panzerwiese und zum Münchner Olympia-Farbsystem von 1972. Die Außenanlagen sind Teil des Nachhaltigkeitskonzepts. Regenwasser wird über Rinnen in Geländemulden, begrünte Retentionsflächen und einen kleinen Birkenwald geleitet. Essbare Gärten und die Feuer- und Kochstelle BÅL sollen Begegnungen fördern.
SPEZI: historische Bausubstanz neu nutzen
In der Maxvorstadt entwickelt die BHB mit SPEZI zwei Gründerzeitgebäude und ein Hinterhofhaus weiter (Eingabeplan: allmannwappner GmbH). Durch Sanierung und Aufstockung entsteht zusätzlicher Wohnraum, der bisher versiegelte Innenhof wird zu einer autofreien Grünfläche umgestaltet. Ein Fahrradhub ersetzt Stellplätze für Autos. Das Projekt greift Münchens Kaffeehaus- und Salonkultur auf. Bereits die Zwischennutzung LOCI mit Veranstaltungen, Lesungen und Ausstellungen schuf einen Ort des Austauschs, der im neuen Nutzungskonzept fortgeführt werden soll.
FLORÉAL: Gartenstadtgeschichte fortschreiben
Für FLORÉAL in Harlaching liegt der Bauvorbescheid vor. Geplant sind 19 Wohnungen, verteilt auf sanierten Bestand und zwei ergänzende Holzhybridbauten (Architekten: Arclantis Studio). Das Ensemble greift die historische Kaffeemühlen-Architektur der Münchner Gartenstädte auf und verbindet sie mit heutigen Ansprüchen an Nachhaltigkeit, Kreislaufwirtschaft und Gemeinschaft. Die drei Gebäude tragen Namen von Wegbereiterinnen der Frauenbewegung, Architektur und Medizin: Anita Augspurg, Hanna Löv und Kusumoto Ine. Damit nimmt das Projekt auch Bezug auf die Lebensreform und den Japonismus, die die Entstehungszeit der Gartenstadt prägten.
MOORITZ: ausgezeichnetes Pilotprojekt
Das MOORITZ in Gauting wurde beim NFG Zukunftsgipfel 2026 mit dem VESTA-Zukunftspreis in der Kategorie „Wohnqualität und Zukunft" ausgezeichnet (Architekten Arclantis GmbH und Landschaftsplaner Samy Landschaftsarchitekten). Als Pilotprojekt für den Gebäudetyp E zeigt es, wie der Verzicht auf Tiefgarage und Keller Kosten senken kann. Geplant ist Wohnraum für Pflegekräfte, Auszubildende und Studierende. Gemeinsam mit der TUM untersucht die BHB den Einsatz von Baustoffen aus Moorpflanzen. Baubeginn ist für Herbst 2026 vorgesehen.
Form follows Emotion
Mit diesen Projekten orientiert sich die BHB auch am New European Bauhaus, das Ästhetik, Nachhaltigkeit und Teilhabe zusammenführt. Geschäftsführerin und Architektin Melanie Hammer betont eine gendersensible Planung, die sichere Wege, wohngesunde Materialien und Räume für Begegnung stärker berücksichtigt. Unter dem Leitgedanken „Form follows Emotion" versteht die BHB Aufenthaltsqualität und Schönheit als wesentliche Kriterien guter Architektur. ENZIAN, SPEZI, FLORÉAL und MOORITZ stehen für unterschiedliche Antworten auf die jeweilige Umgebung.