Baukultur und Bewusstheit
by Regine Geibel
2004-2026 22

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Regines Ausstellungstipps

Gleich zwei Mal gibt es diesen Sommer mein Herzensthema KUNST UND RAUM in atemberaubender Weise zu erleben: Die Ausstellung auf Schloss Herrenchiemsee läuft bereits, die andere beginnt am 2. Juli in München. Mit Beuys, Deichkind, Förg, Kiefer, Lassnig, Penck, Picasso, Polke, Richter, Trockel, Flavin und vielen fantastischen anderen...

Die schlafenden Werke aus Pinakothek der Moderne zu Gast im Rohbau des Schloss Herrenchiemsee

Nach dem großen Erfolg im Vorjahr geht die Ausstellung „Könnt ihr noch? – Kunst und Demokratie“ in eine neue, spannende Runde. Ich war letztes Jahr dort und es war atmeberaubend!! Allein die Räume sind einen Ausflug wert, da dieser Teil des Schlosses nach Ludwigs Tod nicht ausgeschmückt wurden. Man sieht die total rohen Ziegelwände, jedoch mit Schloss-Proportionen. Unfassbar schön! Darin dann Arbeiten, die viel zu schade für den Keller sind... Das Thema ist brandaktuell und der Aufhänger mit Deichkinds "Könnt ihr noch?" sehr cool... Also: Don't miss! Noch bis 18. Oktober.

Die Schau greift die drängendsten Fragen unserer Gegenwart auf und stellt die Grundwerte der demokratischen Gesellschaft ins Zentrum. Dabei spannen hochkarätige Exponate von der Klassischen Moderne bis zur Gegenwart einen faszinierenden Bogen. Die gezeigten Arbeiten treten in einen direkten, kraftvollen Dialog mit der monumentalen Kulisse des Schlosses, das seit 2025 stolz den Titel UNESCO-Welterbe trägt.

Künstler:innen (Auswahl):

Max Beckmann, Joseph Beuys, Lisa Brice, Deichkind, Günther Förg, Sheila Hicks, K. H. Hödicke, Jörg Immendorff, Asger Jorn, Anselm Kiefer, Ernst Ludwig Kirchner, Maria Lassnig, Henri Laurens, Inge Mahn, Henry Moore, A. R. Penck, Pablo Picasso, Sigmar Polke, Judit Reigl, Gerhard Richter, Rosemarie Trockel, Paloma Varga Weisz, Andy Warhol u. a.

Kuratiert von Verena Hein, Anja Heitzer und Oliver Kase

Highlight der Ausstellung auf Herrenchiemsee: Meisterwerke im unvollendeten Rohbau

Das architektonische Setting sucht seinesgleichen: In den faszinierenden, unfertigen Rohbauräumen des Schlosses erwartet die Besucher ein wirklich einzigartiger Rundgang. Insgesamt werden über 50 Hauptwerke aus der Sammlung Moderne Kunst derPinakothek der Moderne präsentiert.

Aufgeteilt in zehn thematische Kapitel widmet sich die Präsentation zentralen Motiven wie:

  • Den tragenden Werten unserer Verfassung
  • Den Räumen für kreative Selbstentfaltung
  • Den Chancen und Wegen gesellschaftlicher Teilhabe

Der Ort für diese Reflexion könnte kaum symbolträchtiger sein: Die Ausstellung bezieht sich direkt auf den historischen Verfassungskonvent von 1948, der auf Herrenchiemsee das Fundament für das deutsche Grundgesetz legte.

Deichkind als Impulsgeber – Ein Appell an die demokratische Resilienz

Der provokante Ausstellungstitel „Könnt ihr noch?“ ist ein direktes Zitat der bekannten Tech-Rap-Formation Deichkind. Die Frage fungiert als kreativer Weckruf: Sie fordert uns in Zeiten spürbarer gesellschaftlicher Spannungen dazu auf, aktiv für die Werte unserer Demokratie einzustehen, sie zu hinterfragen und zu stärken.

Bildhauerei im Dialog mit der Architektur: Paloma Varga Weisz im Treppenhaus

Ein visuelles Highlight erwartet die Gäste im imposanten Treppenhaus des Schlosses. Hier bespielt Paloma Varga Weisz, eine der international führenden Bildhauerinnen der Gegenwart, den Raum mit einer eigens für diesen Ort entwickelten Neupräsentation. Ihre poetischen, skulpturalen Arbeiten verknüpfen existenzielle menschliche Fragen mit einem zutiefst sensiblen Gespür für Materialität. Im Zusammenspiel mit der historischen Architektur entfalten die Skulpturen eine ganz eigene, magische Wirkung.

Hier zu meinem emotionalen Artikel von vorigem Jahr mit vielen Fotos und Tipps zu Zügen nach Prien.

Mehr Info zur Ausstellung.

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Ausstellung Between & Beyond: Kunst und Raum 

Die Sammlung Moderne Kunst in der Pinakothek der Moderne präsentiert ab 03. Juli die Ausstellung „Between & Beyond. Zwischenräume und Übergänge. Kunst und Raum seit 1960“. Die gezeigten Gemälde, Objekte und installativen Arbeiten aus dem eigenen Bestand untersuchen die Beziehung zwischen Kunstwerk, Raum und Betrachter:in sowie die ästhetische und gesellschaftliche Wahrnehmung von Räumen.

Rauminstallationen und Minimal Art ab den 1960er-Jahren

Seit den 1960er-Jahren integrieren Kunstschaffende der Minimal Art den umgebenden Raum als festen Bestandteil in ihre Konzepte. Diese ortsbezogenen Installationen beziehen das Publikum über die physische Präsenz ein. Zu den Exponaten gehört Dan Flavins Lichtinstallation „untitled (to you Heiner, with admiration and affection)“ von 1973, die den Raum durch farbiges Neonlicht visuell erweitert. Nach zwölf Jahren wird zudem Fred Sandbacks begehbare Raumstudie „Mikado (sculptural study for the Pinakothek der Moderne)“ aus dem Jahr 2003 erstmals wieder gezeigt. Ergänzt wird dieser Bereich durch die großformatige Bodenarbeit „Knots“ (1969) von Mary Miss, eine jüngere Neuerwerbung der Sammlung. Die Arbeiten definieren den Raum entweder als Zwischenraum („between“) oder als imaginären Raum („beyond“).

Die Erweiterung der traditionellen Bildfläche in der Malerei

Nach 1945 wurde auch die klassische zweidimensionale Bildfläche grundlegend hinterfragt. Die Ausstellung dokumentiert diesen Prozess anhand verschiedener künstlerischer Ansätze:

  • Lucio Fontana: Schnitt durch die Leinwand zur räumlichen Öffnung des Bildträgers.
  • Ida Applebroog: Kombination mehrerer Leinwände zur Darstellung privater und öffentlicher Realitäten.
  • Imi Knoebel: Nutzung von Schattenräumen zur Überwindung dimensionaler Grenzen.
  • Sean Scully: Auflösung der starren Begrenzung der Bildfläche in monumentalen Formaten.

Zeitgenössische Perspektiven und gesellschaftliche Dimensionen

Nachfolgende Generationen führen die Untersuchung des erweiterten Bildraums fort. Monika Baer bricht abstrakte Malerei durch visuelle Zeichen auf. Klára Hosnedlová verbindet in ihrer raumgreifenden Arbeit zwei- und dreidimensionale Elemente durch spezifische Materialstrukturen; das Werk wird durch die Unterstützung von PIN. Freunde der Pinakothek der Moderne e.V. erstmals öffentlich ausgestellt. Die Arbeiten von Victor Leguy und Roman Ondak erweitern den physischen Raum zudem um gesellschaftliche Aspekte sowie gemeinschaftliche Übergangserfahrungen.

Die von Dr. Verena Hein, Prof. Dr. Bernhart Schwenk und Eva Schuster kuratierte Schau umfasst Werke von Kunstschaffenden wie Nevin Aladağ, Carl Andre, Joseph Beuys, Martin Boyce, Alberto Burri, Wade Guyton, Donald Judd und Augustas Serapinas.

Ab 03. Juli 2026 bis zum 29. August 2027: „Between & Beyond. Zwischenräume und Übergänge. Kunst und Raum seit 1960".
Die Eröffnung findet am 02. Juli 2026 um 19.00 Uhr in den Sälen 21 bis 26 statt.

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