Baukultur und Bewusstheit
by Regine Geibel
2004-2026 22

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Galerie Nilufar comes to town

Mailand trifft Maxburg... Nilufar bringt „Collectible Design“ nach München

Ein Hauch von Mailänder Avantgarde ist nach München gezogen! Die Instanz für Collectible Design – Galerie Nilufar – kooperiert ab sofort mit der erfolgreichen Münchner Interior Designerin Stephanie Thatenhorst. Noch bis zum 31. August in Steffis wunderbarem Showroom in Sep Rufs Maxburg zu sehen!

Am 21. Mai konnten wir uns die herrliche Symbiose aus Nilufar und Thatenhorst – kuratiert von Nilufar-Gründerin Nina Yashar – anschauen.

Mein Interview mit Nina und Steffi am Ende des Artikels

München gilt in Sachen Interior eher als klassisch und zurückhaltend. Umso aufregender ist die Nachricht, dass die legendäre Galerie Nilufar, zu der ich während jedes Salone in die Via della Spiga pilgerte, nun erstmals in Deutschland präsent ist. 

Die Kooperation ist kein Zufall, sondern die organische Weiterentwicklung eines bestehenden Dialogs: Bereits in der Vergangenheit fanden vereinzelte Stücke der Nilufar Edition den Weg in Thatenhorsts Räume. Nun verschmelzen die Identitäten der beiden Ausnahme-Designerinnen zu einem immersiven Gesamtkunstwerk.

Wohnen lieber wild 

Stephanie Thatenhorst ist bekannt dafür, Räume nicht einfach einzurichten, sondern sie als „gelebte Umgebungen“ voller Charakter und Twists zu inszenieren. Statt eines klassisch-minimalistischen Showrooms erwartet die Besucher in der Pacellistraße eine dichte begehbare Inspiration.

In genau dieses stimmungsvolle Ambiente bettet Nina Yashar ihre besondere Auswahl der Nilufar Edition ein. Hier treffen anspruchsvolles Handwerk, experimentelle Materialien und eine furchtlose kreative Sprache aufeinander. 

Die Highlights der Ausstellung

Die gezeigten Objekte der Nilufar Edition spannen den Bogen von skulpturaler Form mit Funktionalität bis hin zu spannenden Leuchten mit 70er Jahre Anklang. 

  • David/Nicolas: Das libanesische Designduo ist mit den klaren Linien des Chair Dualita, dem Low Table Orient und dem passenden modularen Orient Sofa System vertreten.
  • Filippo Carandini: Sein Esstisch Noctua besticht durch fein nuancierte Grüntöne, die in einem extrem akribischen, handbemalten Verfahren aufgetragen wurden.
  • Martino Gamper: Mit dem Teppich Trilangolo zeigt der Designer seine fortlaufende Faszination für geometrische Abstraktion, Winkel und Achsen.
  • Federico Peri: Der Sessel Butler verbindet eine starke skulpturale Präsenz im Raum mit absoluter Funktionalität.

Leuchten mit Charakter

  • Die Wandleuchte Lantern Stack small von Anna Karlin verschmilzt industrielles Design mit indigen inspirierten, totemistischen Formen.
  • Die Stehleuchte Luminaria von Andrea Mancuso fängt die leuchtende, magische Atmosphäre traditioneller süditalienischer Straßenfeste ein und verbirgt ihre Lichtquelle in einer skulpturalen Hülle.
  • Die Deckenleuchte Asta von Vibeke Fonnesberg Schmidt erzeugt durch geschichtetes, transparentes Plexiglas ein dynamisches Zusammenspiel aus Farbe und Geometrie.

  

Interview

Regine:
Mailand gilt seit langem als eine der Design-Hauptstädte der Welt, und Nilufar ist tief mit der einzigartigen kreativen Identität der Stadt verwurzelt. Was bedeutet es für Sie Ihre Galerie Nilufar nun nach München zu bringen? Ist dies eine Stadt, die Sie schon lange kennen, oder entdecken Sie sie durch diese Zusammenarbeit mit Stephani auf eine neue Art und Weise? Und warum fühlt sich München heute wie der richtige nächste Schritt für Nilufar an?

Nina Yashar:
Nilufar nach München zu bringen, bedeutet mir sehr viel, da Deutschland seit jeher eine sehr anspruchsvolle Beziehung zu Architektur, Design und Handwerk pflegt. Was mich besonders gereizt hat, war die Möglichkeit, Nilufar in einem intimeren, wohnlicheren Kontext zu präsentieren – ganz anders als die theatralischeren Inszenierungen, die wir normalerweise in Mailand kreieren.

Ich kannte München zwar schon, aber durch diese Zusammenarbeit habe ich eine ganz andere Energie in der Stadt entdeckt: etwas sehr Elegantes, Präzises und kulturell Vielschichtiges, das gleichzeitig immer offener für Experimente und den zeitgenössischen Dialog wird. Die Zusammenarbeit mit Stephanie fühlte sich von Anfang an sehr natürlich und organisch an, da wir ein ähnliches Gespür für Interieur und Atmosphäre teilen. Es gibt ein gemeinsames Verständnis dafür, dass Design keine isolierten Objekte hervorbringt, sondern Teil eines größeren emotionalen Erlebnisses und einer Lebensweise ist. Für mich fühlte sich München genau deshalb als der richtige nächste Schritt nach Mailand an, weil es einen anderen Rhythmus und eine ganz neue Perspektive bietet.

Regine:
Wie Sie gerade selbst sagten, sind die Räume von Nilufar in Mailand – insbesondere das Depot – für ihre dramatische, fast theatralische Atmosphäre bekannt. Hier in München präsentieren Sie die Kollektion jedoch in der Maxburg von Sep Ruf, einem Wahrzeichen der zurückhaltenden deutschen Nachkriegsmoderne. Wie beeinflusst diese sehr präzise und minimalistische Architektur die Art und Weise, wie Sie Ihre oft opulenten und avantgardistischen Stücke präsentieren[cite: 46]? Haben Sie nach Harmonie zwischen diesen beiden Welten gesucht, oder ging es Ihnen um die Spannung und den Kontrast zwischen ihnen?

Nina Yashar:
Was mich an der Maxburg und der Architektur von Sep Ruf fasziniert hat, ist genau dieses Gefühl von Klarheit und Zurückhaltung. In Mailand arbeiten wir oft mit Schichtungen, Kontrasten und Theatralik; wir schaffen sehr immersive Umgebungen, in denen die Objekte fast schon im Raum performen. Hier in München wird der Dialog präziser und vielleicht auch intimer.

Die Reinheit der Architektur verändert die Wahrnehmung der Stücke: Materialien, Proportionen und Details treten ganz anders hervor, wenn sie von einer so disziplinierten Moderne umgeben sind. Ich wollte keine Konfrontation zwischen den beiden Formensprachen erzeugen, sondern vielmehr eine Spannung, die beide Welten noch sichtbarer werden lässt. Ich denke, genau diese Balance zwischen Strenge, Emotion und Minimalismus macht das Projekt so besonders interessant.

Regine:
Steffi, die Stücke von Nilufar stehen für extreme Originalität und furchtlosen Eklektizismus. Das Münchner Publikum gilt im Interior Design ja oft als eher klassisch, zurückhaltend und vielleicht weniger experimentierfreudig. Wie kam es zu dieser Kooperation und was erhoffst du dir davon? Glaubst du, die Münchner Szene ist bereit, sich von diesem Mut anstecken zu lassen?

Stephanie Thatenhorst:
Unsere Kundinnen und Kunden schätzen Nilufar und Nina Yashar schon lange sehr. Gleichzeitig stehen auch wir für einen sehr bewusst kuratierten Stil und für Räume mit Charakter, Individualität und Tiefe. Deshalb fühlte sich diese Zusammenarbeit für uns sehr natürlich an. Wir glauben, dass das Münchner Publikum oft viel offener und neugieriger ist, als es ihm nachgesagt wird. Gerade besondere Stücke mit Persönlichkeit und Haltung finden hier großen Anklang.

  

Ab sofort eine neue Anlaufstelle 

Für die Galerie Nilufar markiert diese Dependance einen strategisch wichtigen Schritt, um ihre Präsenz auf dem deutschen Markt nachhaltig zu stärken. Deutschland gilt als Schlüsselregion für anspruchsvolles Design – und die Resonanz des Münchner Kontextes harmoniert spürbar mit Yashars künstlerischer Vision.

Für alle Architektur- und Designliebhaber bietet die Ausstellung bis Ende August eine absolute Pflichtadresse im Herzen Münchens.

  • Location: Showroom Stephanie Thatenhorst, Pacellistraße 5, 80333 München 
  • Laufzeit: 22. Mai bis 31. August 2026 
  • Öffnungszeiten: Täglich von 11:00 bis 18:00 Uhr 

Alle Fotos von © David Kossi