Zeitgenössische Architektur in Bayern

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TUM Campus: Holz im großen Maßstab

Im Münchner Olympiapark wurden die letzten Bausteine des TUM Campus bezogen. Die neuen Verwaltungstrakte in zwei Gebäudeabschnitten komplettieren ein Ensemble mit Holz als Hauptmaterial. Für das Projekt kooperierten die Architekten Dietrich Untertrifaller mit den Landschaftsarchitekten Balliana Schubert.

Einerseits die weltberühmten Olympia-Architektur von Behnisch & Partner mit Frei Otto, andererseits der denkmalgeschützte Landschaftspark von Günther Grzimek: Mit diesem Kontext sollte der neue TUM Campus im Münchner Olympiapark nicht konkurrieren, sondern sich behutsam in ihn einfügen. Dieses Unterfangen ist den Architekten Dietrich Untertrifaller in Kooperation mit den Landschaftsarchitekten Balliana Schubert mit einem der größten Holzbauprojekte Europas geglückt.

Zwei ergänzende Gebäudeteile

Bis 2022 konnten bereits 14 Sporthallen, 12 Hörsäle, 15 Diagnostikräume, 5 Werkstätten, eine Cafeteria und Bibliothek für die TUM School of Medicine and Health der Technischen Universität München sowie für den Zentralen Hochschulsport (ZHS) realisiert werden. Ergänzung sind jetzt zwei diagonal sich gegenüberliegende Gebäudeabschnitte auf den Flächen der ehemaligen Sporthallen, die Platz für 300 Büros, Besprechungsräume, den Dekanatssaal, eine Lehrküche für die Ernährungswissenschaften, Untersuchungsräume für Patient:innen zweier medizinischer Institute sowie weitere Bereiche für die Studierenden bieten.

Wirtschaftliche und ökologische Lösung

Ergebnis ist ein 185 Metern langer und 153 Meter breiter, durchgehend zweigeschossiger und teilunterkellerter Quader mit 42.200 Quadratmeter Bruttogrundfläche, den rund 20 Hektar Sport- und Freiflächen umgeben. Insgesamt wurden dafür 5.200 m³ Holz verbaut, pro Kubikmeter wird eine Tonne CO2 gebunden. Die Konstruktion wurde weitgehend im Werk vorgefertigt und in verkürzter Bauzeit vor Ort montiert, so dass gleichzeitig eine wirtschaftliche und ökologische Lösung realisiert werden konnte.

Spektakuläres Vordach aus Holz

Besonderheit ist ein spektakuläres Vordach aus Holz als subtile Verneigung vor der Pionierleistung rund um die Zeltdachkonstruktion des benachbarten Ensembles. An der Westseite des Gebäudes im ersten Bauabschnitt misst seine Auskragung 18,70 Meter und setzt sich aus 40 Hohlkastenelementen mit jeweils 28 x 3,75 x 1,60 Metern mit ebener Holzuntersicht  zusammen. Weit vorspringend und außen stützenfrei überspannt dieses Vordach die Terrasse vor der Cafeteria und Bibliothek auf der 1. Ebene, im Erdgeschoss reicht es bis weit über die Untersuchungsräume und sogar Teile der Leichtathletikbahn hinaus, so dass eine Art witterungsgeschützter „Boxengasse" für sensible Bewegungsmessungen entsteht. 

Viel Glas, Licht und Farbe

Weitere Gestaltungsmerkmale sind sind eine zentrale Erschließungsachse namens "Rue intérieure", die auch als Kommunikationsraum fungiert, großzügige Verglasungen, viel Tageslicht und eine moderne Ausstattung mit farblichen Bezügen zum olympischen Kontext. „Wir sind stolz, mit dem nun baulich vollendeten TUM Campus im Olympiapark in so einem außergewöhnlichen Gebäude und dieser bedeutenden Umgebung lehren, lernen, forschen, Sport treiben und arbeiten zu dürfen", lobt Dr. Till Lorenzen, Geschäftsführer der TUM School of Medicine and Health. "Die Studierenden und Nutzer:innen habenden neuen Campus seit über drei Jahren mit großer Begeisterung angenommen."

Fotos: Aldo Amoretti

Pläne: Dietrich Untertrifaller