Baukultur und Bewusstheit
by Regine Geibel
2004-2026 22

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PaketPost: Protest gegen Hochhäuser

Der Bebauungsplan für das PaketPost Quartier wurde im Amtsblatt veröffentlicht und ist damit in Kraft getreten. Doch eine Bürgerinitiative will das Projekt stoppen und eine Klage gegen es unterstützen. Vorerst wird die historische Halle als "Pineapple Park" für Flohmärkte, Sport, Ausstellungen und Events zwischengenutzt.

Mit dem PaketPost Quartier an der Friedenheimer Brücke soll laut Büschl Unternehmensgruppe auf circa 260.000 Quadratmetern ein "neues Stück München" entstehen: "Erstklassig angebunden, perfekt erschlossen, zukunftsweisend und nachhaltig geplant, für alle offen." Kurzum: "Ein urban future project für die gesamte Stadtgesellschaft Münchens", dessen Fertigstellung "voraussichtlich 2032/33" sein soll.

Initiative gegen einen Dammbruch

Es gibt aber auch entschiedene Gegner der Bebauung des Grundstücks, für das Herzog & de Meuron die Entwicklung eines Masterplans übernommen hat. Eine Bürgerinitiative fordert "den Stopp des Baus der 155 Meter hohen Hochhausgiganten". Ihre Begründung: "Der Stadtrat berücksichtigt dabei weder das gewachsene Stadtbild noch das Kulturerbe Schloss Nymphenburg. Mit klotzigen und teuren Hochhäusern kann weder die Wohnungsnot bekämpft, stadtklimatisch sensibel geplant, nachhaltig ökologisch gebaut noch familienfreundliches Wohnen ermöglicht werden." Um einen "Dammbruch" zu verhindern, wollte der Verein einen Bürgerentscheid erzwingen, scheiterte aber mit diesem Versuch. Jetzt will er eine Klage gegen den Bebauungsplan vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof unterstützen.

Zwischennutzung als Pineapple Park

Während die Büschl Unternehmensgruppe an der Finanzierung arbeitet und die kritische Bürgerinitiative versucht, ihr Veto einzulegen, hat ein dritter Akteur die Zwischennutzung der Paketposthalle auf die Beine gestellt: Vorerst bis 2027 nutzt die Sugar Mountain UG rund um  Michi Kern, der sich mit dem Lovelace, Utopia oder Fat Cat als Spezialist für ideenreiche Interims-Lösungen bewährt hat, die Paketposthalle unter dem Namen Pineapple Park. Populäre Ausstellungen finden dort statt, Basketball- und Fußballfelder sind genauso wie Padle-, Pickleball-, und Beachvolleyball-Courts geöffnet; auf einer Teilfläche findet regelmäßig der „Midnightbazar" für Vintage-Möbel, Second Hand-Kleidung & More statt.

Halle als Herzstück des Quartiers

Langfristig soll die denkmalgeschützte Halle, die 124 Meter lang ist und unter 127 Betonbögen eine Spannweite von 148 Meter hat, laut Pressemitteilung der Stadt "das Herzstück des Quartiers" und "als überdachter Stadtplatz einen wichtigen Freiraum für die Anwohner*innen bilden. Zusätzlich kann die Halle einmal als Ort für Bewegung, Kultur und Soziales genutzt werden." Im Untergeschoss sind kulturelle und kreativwirtschaftliche Nutzungen geplant.

Masterplan für gemischt genutztes Quartier

Der Masterplan von Herzog & de Meuron sieht außerdem vor:

  • zwei 155 Meter hohe Türme, die die Halle flankieren. Sie enthalten eine Nutzungsmischung aus Büros, Hotels und Wohnen. Die obersten Geschosse sollen öffentlich zugänglich sein.
  • ein weiteres Hochhaus mit 65 Metern und Blockbebauungen mit Raum für Wohnungen, Einzelhandel, Büros, Hotelnutzung sowie soziale Einrichtungen.
  • öffentliche und private Grün- und Freiflächen am Boden sowie auf den Dächern, die der Erholung der Bewohnerschaft und der Beschäftigten dienen.

Für Stadtbaurätin Professorin Dr. Elisabeth Merk stellt die Planung rund um die historische Paketposthalle laut Pressemitteilung "einen Mehrwert für die gesamte Region dar", weil dort ein "innovatives, gemischt genutztes Quartier mit hochwertigen, öffentlichen und privaten Grün- und Freiflächen" entsteht. 

 Alle Renderings: Herzog & de Meuron