Zeitgenössische Architektur in Bayern

Le Corbusier: Nach menschlichem Maß

Aus dem Nichts heraus eine neue Hauptstadt aufbauen: Mit dieser Aufgabe vollendete Le Corbusier im indischen Chandigarh sein Lebenswerk. 70 Jahre später hinterfragt der Dokumentarfilm „Kraft der Utopie", ob Corbusiers visionäre Ideen noch heute im Alltag tragen. Bundesweit läuft der Film am 22.2.2024 in den Kinos an.

Am Fuß des Himalayas aus dem Nichts heraus eine neue Hauptstadt für den Punjab aufzubauen, die für die neue Demokratie, den Fortschritt und den Glauben an die Zukunft stehen sollte: Diesen Auftrag bekam kurz nach der Teilung Indiens und der Befreiung aus der Kolonialherrschaft Englands ausgerechnet ein westlicher Architekt: Albert Mayer. Als dessen Partner Matthew Nowicki tödlich verunglückt, zog sich Mayer von der Planung zurück. Auf besonderen Wunsch des indischen Ministerpräsidenten Jawaharlal Nehru wurde sein Nachfolger Le Corbusier.

Viel Raum und Freiheit

Der schweizerisch-französische Architekt war damals bereits Anfang 60. Chandigarh bot ihm die einmalige Gelegenheit, sein Lebenswerk zu vollenden und seine städtebaulichen Ideen mit viel Raum und Freiheit umzusetzen. Seine Vision beschrieb er selbst so: „Die Stadt Chandigarh ist nach menschlichem Maß geplant. Sie bringt uns in Kontakt mit dem unendlichen Kosmos und der Natur. Sie bietet uns Orte und Gebäude für alle menschlichen Aktivitäten, mit denen die Bürger ein erfülltes und harmonisches Leben führen können. Hier sind die Ausstrahlung der Natur und des Herzens zum Greifen nah."

UNESCO-Weltkulturerbe

Bis 1952 stellte Le Corbusier, der weiterhin in Paris wohnte und zwei Mal im Jahr für einen Monat nach Chandigarh kam, die Raumplanung fertig; ein besonderer Fokus lag dabei auf dem Kapitol-Komplex mit mehreren Regierungsgebäuden sowie vier Denkmälern. Als Monument der Moderne wurde er 2016 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt.

poesie und Zerfall

Ob und auf welche Weise Corbusiers „Kraft der Utopie" bis heute spürbar ist, hinterfragt ein gleichnamiger Dokumentarfilm von Karin Bucher und Thomas Karrer. Zwischen altem Traum und neuem Leben, leiser Poesie und Zerfall begleitet er Zeitzeugen, Bewohner:innen, Kulturschaffende und die Direktorin des Le Corbusier Centers. Ergebnis ist ein schillerndes Zusammenspiel von Utopie und Alltag, ein Einblick in das Leben mit Le Corbusier in der Millionenstadt Chandigarh

Alle Fotos: © Copyright: Karrer Multivision

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