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DAM Preis für AUER WEBER

Im Abstand von 35 Jahren waren beim Landratsamt in Starnberg die gleichen Architekten am Werk: AUER WEBER. Seine Erweiterung ehrt den Bestand, schreibt ihn fort und bekommt dafür den Preis des Deutschen Architekturmuseums.

Fritz Auer und Carlo Weber nahmen 1982 am Wettbewerb für das Landratsamt Starnberg teil.  Wesentliche Inspirationen für die städtebauliche Organisation stammten von einer Japanreise Fritz Auers in 1960. Die Katsura-Villa – der kaiserlichen Nebenpalast – aus dem 17. Jahrhundert in Kyoto mit ihrer horizontalen Verteilung der Baumassen und Staffelung der Baukörper, die damit ihr sehr großes Volumen geschickt verbargen, die Zweigeschossigkeit mit umlaufenden Veranden im Obergeschoss, die Dachüberhänge und die sanft geneigten Dächer schienen ihm auch geeignete Mittel für das Grundstück in Starnberg zu sein. Der Entwurf gewann und wurde realisiert: Ergebnis waren zweigeschossige Pavillons mit umlaufenden Fluchtbalkonen und einem Wasserbecken sowie fingerartigen Höfen für eine enge Verzahnung mit der Nachbarschaft.

Die teils flügel-, teils kammartige Struktur der aktuellen Erweiterung führt diese Idee fort. Ein öffentlicher Fußweg leitet durch den baumbestandenen Innenhof mit einem weiteren Wasserbecken hinunter zum Seeufer. Fast nebenbei gelangt man dabei in das großzügige Eingangsatrium, das über zierliche Treppen und Galerien zu den Büros führt. Sie sind nach außen orientiert, aber auch zu den Gängen hin stellen Glasbänder in den Trennwänden große Transparenz her. Die insgesamt drei Atrien haben Oberlichtbänder.

Gestalterisch gleichen sich der Bestand und die Erweiterungen weitgehend. Der Übergang zwischen Alt und Neu ist fließend, die Fassaden und Einbauten sind neu, liegen aber teilweise noch unter dem alten Dach. Außerdem wurden manche gestalterischen Entscheidungen von früher revidiert. Stattdessen herrscht eine schnörkellosere und klarere Architektursprache. Die Gebäudetechnik entspricht dem aktuellen Standard, die den Neubau zu einem CO2-neutralen KfW-Effizienzhaus 55 macht.

"AUER WEBER haben sich der Auseinandersetzung mit dem eigenen Schaffen gestellt, genau hingeschaut und weitergedacht," lobt Jury-Mitglied Uta Winterhager. Lena Unger, die ebenfalls Teil des Gremiums war, resümiert: "Das Projekt beweist, dass flexible Veränderungen und nötige Anpassungen nicht charakterlose, ausdruckslose Strukturen erfordern, sondern dass es nur logisch ist, die Qualitäten des Bestandes weiterzuführen. Eine bewundernswerte Bescheidenheit."

Insgesamt hat der Zusammenklang des Bestands und des Ergänzungsbaus die Jury begeistert. Der DAM Preis 2023 geht daher für die Erweiterung Landratsamt Starnberg an AUER WEBER. 

Die Ausstellung zum DAM Preis 2023 mit den 26 besten Bauten aus/in Deutschland ist bis 1.5.2023 im DAM Ostend in Frankfurt zu sehen. 

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