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Künstler auf der grünen Wiese

Etliche - teils sehr renommierte - internationale Künstler haben auf Einladung am engagierten Projekt STOA169 teilgenommen und eine Säule zu den Themen Freiheit, friedliche Koexistenz und Grenzenlosigkeit konzipiert. Sie stehen frei und ohne Eintritt begehbar mitten auf dem Land und muten etwas wie eine farbige Fatamorgana an...

Mit seinem erstaunlichen Projekt STOA169 hat der Künstler Bernd Zimmer im Klosterort Polling einen offenen Ereignisraum geschaffen. Alle 121 Säulen sind Unikate internationaler Künstler.

Yves Scherers Säule zum Beispiel wird von einem kleinen Jungen aus Bronze bestaunt, um die kindliche Fähigkeit des Wunderns darzustellen. Der Kirgise Shaarbek Amankul reihte 800 Kuh-Kniegelenke auf- und nebeneinander, die in seiner Heimat die „Lieblingsspielsachen" von Kindern und Männern sind. Erwin Wurm stellte eine übergroße Gurke auf einen Sockel, die sich als „Sinnbild für die durch männliche Dominanz getriebene Kulturgeschichte" wichtig macht. Daniel Man hat als Huldigung an die Graffity-Szene die Namen „nachtaktiver Sprüher aus Eichenholz heraus geschnitzt. Andrei Loginov kombinierte hunderte schwarzer Seile unterschiedlicher Stärke und Muster, die mit ihrer Beweglichkeit „Wandlung physisch erfahrbar machen". Bereits fünf Beispiele zeigen, wie groß die Bandbreite an Stilen, Aussagen und Materialien ist, die bei der STOA169 vereint sind.

Säulen-Wiese im Klosterort

Ziel dieses Projekts ist es, „Vertreter unterschiedlichster kultureller Vorstellungen in Form bildender Kunst" dauerhaft an einem Ort zu versammeln. Im oberbayerischen Polling hat Initiator Bernd Zimmer einen besonderen Platz für seine „stellvertretende Weltausstellung" gefunden: Südlich des kleinen Klosterorts ist auf einer bislang rein landwirtschaftlich genutzten Wiese seit Herbst 2019 eine nach vier Seiten offene Halle als „Insel des freien Diskurses" entstanden. Auf einem quadratischen Betonfundament wurden dafür bislang 81 fertige Säulen aufgestellt, 40 weitere sollen bis Mai/Juni 2021 folgen. Ursprünglich waren 13 mal 13 Säulen geplant, daher der Name STOA169. Aus baulichen und organisatorischen Gründen wurde ihre Zahl auf 11 mal 11 reduziert.

Alle 121 sind von Künstlern aus Malerei, Fotografie, Bildhauerei, Konzept- und Handwerkskunst gestaltet, die von einer Fachjury ausgewählt und eingeladen wurden. Verbindendes Element ihrer Unikate ist bei aller Verschiedenheit ein schützendes Flachdach, das alle Säulen tragen; finanziert wurde die STOA169 durch Paten, Förderer, unterstützende Freunde und Förderbeiträge des Kulturfonds Bayern.

Hindutempel als Ideengeber

Die Idee zur STOA169 kam Bernd Zimmer auf einer Südindien-Reise 1989/90, weil ihn die Säulenhallen und -gänge vor Hindutempeln noch mehr faszinierten als die Heiligtümer dahinter. Nach dem Beispiel dieser Schutz-, Ruhe- und Meditations-Orte sowie Vorbildern aus der Antike wollte er seither mit einer Künstlersäulenhalle ein „Zeichen für Grenzenlosigkeit, friedliche Koexistenz und der Achtung der Freiheit des anderen" setzen. In Polling, wo der 1948 in Planegg geborene Maler seit 1984 lebt und arbeitet, gelang ihm das nach langer Suche auf einem Grundstück mitten in der Natur.

Auf sie stimmt ein Spaziergang entlang der Ammer ein. Denn nur zu Fuß gelangt man nach dem Parken in der Bahnhofstrasse oder an der Verbindungsstraße von Weilheim nach Peißenberg zur STOA169. Passend zu Zimmers Wunsch, einen offenen „Ereignisraum" zu schaffen, gibt es weder Zäune noch Mauern oder ein Kassenhäuschen. Statt Eintritt wird um Spenden gebeten. Sie kann man in eine Box werfen, die lesenswerte Broschüren zu allen Säulen und Künstlern enthält.

Die STOA169 ist ganztägig geöffnet. Aufgrund der Corona-Regelungen wird derzeit um vorherige Anmeldung unter stiftung@stoa169.com und Eintragen in eine Liste vor Ort gebeten, um die Kontaktdaten zu hinterlegen.

Achtung: Nur zu Fuß gelangt man zur STOA169.

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