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Castell statt Chalet

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Ein Geheimtipp – ganz besonders für Feinschmecker: Pyrenäen statt Alpen, Castell statt Chalet: nur 90 Minuten Fahrzeit von Barcelona entfernt ist man beinahe aus der Welt und fühlt sich doch bei Montse und Àlvaro ganz Zuhause und köstlich bekocht.

Hinter den sieben Bergen, bei – nein, nicht bei den sieben Zwergen, sondern bei Montse und Àlvaro findet man das, was es heute nur noch selten gibt: ehrliche Gastfreundschaft in einem authentischen Ambiente – und die vermutlich beste Küche der Pyrenäen.

El Castell de la Pobla de Lillet – das Schloss im Dorf Lillet – ist ein seltsames Bauwerk, errichtet auf den Ruinen einer Festung vom Ende des 18. Jahrhunderts: mehr Wohnturm als Schloss, mehr Bed and Breakfast als Boutique-Hotel, mehr Individual Mix als Interior-Design. Kapazität: 20 Personen. Das Einrichtungskonzept lässt sich wie folgt zusammenfassen: weißes Mobiliar auf Massivholzboden vor Bruchsteinmauerwerk. Und mehr braucht es auch gar nicht. Denn was bei der Renovierung vollständig erhalten blieb, ist das Flair des alten Gemäuers. Vielleicht liegt es aber auch an der Art der Gastgeber, dass ich mich selten irgendwo so wohl gefühlt habe wie hier.

„Hast du die Hirsche heute Nacht röhren gehört?", fragt Àlvaro morgens während er in der großen Wohnküche mit der langen Gemeinschaftstafel am Herd steht und Tortillas macht – so wie sie sein sollen: außen fest und innen das Eigelb noch flüssig. Dazu gibt es die katalanische Wurstspezialität Butifarra und getoastetes Weißbrot mit Olivenöl und Tomaten. Àlvaro zeigt mir, wie man die Tomaten fachmännisch auf dem Brot zerreibt. Den Knoblauch lasse ich weg. Und nein, ich habe keine Hirsche gehört, denn nach Whirlpool und Dampfsauna – Montse hatte extra vorgeheizt, damit ich mich nach meinem Wandertag auf dem windigen Coll de Pal aufwärmen kann – bin ich ins Bett und direkt ins Land der Träume gefallen.

Montses Eltern – die Mutter ist Architektin und im Dorf aufgewachsen, der Vater ist Ingenieur – haben das Castell vor ein paar Jahren renoviert und als Hotel geführt, bis ihre Tochter es vor vier Jahren zusammen mit ihrem Mann übernommen hat.

Àlvaro ist Koch und stammt aus Cadiz. Und er macht nicht nur die beste Tortilla weit und breit, sondern hätte für seine kreative Küche durchaus einen Stern verdient. Aber das interessiert ihn nicht. „Ich überlege mir kein Menü, sondern gehe auf den Markt und schaue, was frisch aussieht. Das können mal die Trompetenpilze aus der Region sein, mal hat jemand Hühner geschlachtet. Und dann koche ich nach Lust und Laune." An diesem Abend zum Beispiel: Zucchini mit Pesto, Ziegen-Ricotta, Anchovis und Zuckersirup. Danach Puntalette – eine Pasta-Art, die wie Reiskörner aussieht – mit Tintenfisch, Bohnen und Spirulina – einer Gattung der Cyanobakterien, vulgo Blaualgen. Und zum Nachtisch Sponge Cake mit Nusscreme, Schoko-Eis und Lakritze.

Wer in den Genuss von Àlvaros Kochkünsten kommen möchte, sollte sich etwa eine Woche vorher anmelden und sich auf ein Überraschungsmenü einstellen, wobei Angaben von Allergikern, Vegetariern und Veganern berücksichtigt werden.

Bevor ich mich auf den Weg mache, um einen Teil der Weitwanderroute Cavalls del Vent abzulaufen, winkt mir Montse mit dem altertümlichen Schlüssel zum Glockenturm, der zum Hotel gehört. Gemeinsam steigen wir die schmale Stiege hinauf und genießen die Aussicht auf die Berge. www.castellpobladelillet.com

Die Region Berguedá
Der Landkreis gehört zur Provinz Barcelona. Der nördliche Teil liegt in der Hochgebirgsregion der katalanischen Pyrenäen und bietet sich für Wander- und Skiurlaube an. Auf dem Gebiet befindet sich der 1983 gegründete Parc Natural del Cadí-Moixeró mit einem der charismatischsten Berge der Pyrenäen: Die Doppelgipfel des Pedraforca (2497 m).

Wandertipp: Cavalls del Vent
Fernwanderweg über acht Schutzhütten im Nationalpark Cadí-Moixeró mit tollen Ausblicken auf über die Wolken ragende Berggipfel und kreisende Geier. Die Sicht reicht oft bis Andorra und Frankreich. Und das Beste: Man ist oft ganz alleine unterwegs, nur in Begleitung von Gämsen. Die Runde ist landschaftlich reizvoll, technisch selten anspruchsvoll - je nach Etappengestaltung lässt sich das Konditionslevel hochschrauben. Tipp: Im Refugi Rebost gibt's richtig gute Hausmannskost mit Herzlichkeit serviert.

Skigebiet: La Molina/Masella
Warum nicht mal zum Skifahren in die Pyrenäen? Nur zwei Autofahrstunden von Barcelona nahe der französischen Grenze bei Puigcerdà befindet sich das Skigebiet La Molina/Masella. Skifahren und Snowboarden kann man auf Abfahrten aller Schwierigkeitsgrade (141 km Pisten/27 Lifte). Diese werden hauptsächlich von Sesselbahnen erschlossen. Das Wintersportgebiet liegt auf einer Höhe von 1.616 bis 2.531 m.

Trail-Running: Ultra Pirineu
Die drei möglichen Distanzen (Sky 36 km / Trail 56 km / Ultra 94 km) locken im Herbst nicht nur hunderte Amateurläufer an den Start, sondern auch die Stars der Szene. Die Strecke durch den Nationalpark Cadí-Moixeró bietet immer wieder atemberaubendes Panorama und viel Laufgenuss. Aber auch für die Zuschauer ist das Event attraktiv, da die Strecke nicht wie so oft sehr abgelegen ist, sondern sich immer wieder locker erreichen lässt. Start und Endpunkt: Bagà.

Bagá und La Pobla de Lillet:
Jeweils charmante mittelalterliche Dorfstruktur mit authentischem Charakter. Gut geeignet als Ausgangspunkt für Outdoor-Aktivitäten.

Mehr Infos: www.visitpirineus.com/en

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