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Schiefer-Schau unter Tage

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Im Geopark Schieferland kann man das aktuelle Gestein des Jahres mit allen Sinnen entdecken: bei einer Wanderung auf den weiten Schieferhalden, in der Schieferdampfgrotte Bad Steben, im Schiefertafelmuseum Ludwigsstadt – oder im letzten aktiven Schieferbergwerk Bayerns.

„Hier könnte man die Kirche von Geroldsgrün reinstellen, und ein paar Kapellen dazu," sagt Manfred Teichmann. Der Inhaber des Schieferwerks Lotharheil & Teichmann im Frankenwald steht in einer riesigen Höhle – oder besser Aushöhlung. Durch einen Stollen hat er die mit Helmen und Stirnlampen ausgerüsteten Besucher mehrere hundert Meter in den Berg geführt, wo heute immer noch Schiefer abgebaut wird.

Im fränkisch-thüringischen Schiefergebirge hat der Abbau von Dachschiefer eine jahrhundertealte Tradition. Zwischen Bad Steben (Bayern) und Probstzella (Thüringen) ist das Material omnipräsent: auf den Dächern der meisten Häuser, aber auch an Fassaden – in Altdeutscher Deckung, als Fischschuppe oder im Lotharheiler Deckmodell. Erst als Faserzement auf den Markt kam, ging der Abbau zurück.

Manfred Teichmann führt das Familienunternehmen in 4. Generation. Neben Deckmaterial für Dächer und Wände hat sich die Firma neue Geschäftsfelder erschlossen: Küchenarbeitsplatten, Waschtische, Kaminsimse, Intarsienelemente für Tische und Möbel – als Maßanfertigung und auf Kundenwunsch mit spaltrauer, gebürsteter oder geschliffener Oberfläche und individueller Kantenbearbeitung.

SCHIEFER AUS LOTHARHEIL

frei von qualitätsmindernden Sulfiden, bituminösen Beimengungen oder Karbonat und damit weitgehend wetterbeständig.

Rohdichte 2,80g / cm3 | Biegefestigkeit 54,2 N / mm2 | Abriebfestigkeit 30,6 Capon
Druckfestigkeit 172,6 N / mm2 | Wasseraufnahme 0,3 Vol.-%
Wärmeleitfähigkeit λ = 1,71 W / mK | Rutschhemmende Eigenschaften spaltrau R11

Beständigkeit: frostbeständig, farbbeständig, säure- und laugenbeständig, hitzebeständig bis 300° C
Oberflächenschutz: nicht erforderlich, Imprägnierung und Versiegelung möglich
Reinigung: Feucht- und Nassreinigung mit klarem Wasser und scheuermittelfreien Reinigern

Ein bedeutender Auftrag für das Schieferwerk Lotharheil war das Interior Design der Therme Bad Steben. In der Schieferdampfgrotte beeindruckt Schiefer aus dem Bergwerk als Boden und Wandbekleidung sowie in Form von mehreren Tonnen schweren Findlingen. Ein Höhepunkt für Thermenbesucher sind die heißen Schieferstein-Massagen, für die besonders feingeschliffene Schieferkörper hergestellt werden mussten.

Der Untertageabbau bei Lotharheil geht auf das Jahr 1857 zurück. Lothar Freiherr von Faber gründete das Bergwerk als Gewinnungsstätte für seine Schiefertafelproduktion in Geroldsgrün.

Schiefertafeln selbst herstellen

Ein weiteres Zentrum der Deutschen Tafelproduktion war Ludwigsstadt. Dort lässt sich im Deutschen Schiefertafelmuseum die damalige Fertigung in Heimarbeit und Manufaktur selbst nachvollziehen – beim Herstellen der eigenen Schiefertafel von Hand und mit den alten Werkzeugen.

Im Eingangsbereich des Museums hängt eine große Schwarz-Weiß-Fotografie, aufgenommen in einer Spalthütte um 1925 – im Hintergrund die Spalter mit Schlauder und Meißel, vorne die Männer mit der Schieferschere. „Der Job war hart und nicht gut bezahlt, aber es gab nichts anderes", sagt Museumsführerin Nicole Wittig. Vor dem Bild stimmt sie ihr Publikum gerne in die Thematik, in Geologie und Bergbau und die Verwendung von Schiefer als Baumaterial ein.

„Es sind nur zehn Prozent des abgebauten Schiefers für Ziegel und Fassaden verwertbar", erklärt sie. Die restlichen 90 Prozent haben sich im Laufe der Zeit zu den Schieferhalden aufgetürmt, auf denen inzwischen Wald wächst und auf die viele Wanderwege führen.

Eine gute Aussicht bietet zum Beispiel die Thüringer Warte. Hier kann man von Bayern aus weit nach Thüringen, bis Weimar und Jena schauen. Unten am Parkplatz öffnet sich dagegen das Panorama hin zur malerisch auf einem Felsen im grünen Tal gelegenen Burg Lauenstein.

Adressen & Service:

Schieferwerk Lotharheil & Teichmann, Lotharheil 2, 95179 Geroldsgrün. www.schieferbergwerk.de

Schiefermuseum Ludwigsstadt, Lauensteiner Straße 44 96337 Ludwigsstadt. www.schiefermuseum.de

Therme Bad Steben, Badstraße 31, 95138 Bad Steben. www.therme-bad-steben.de

Auf der touristischen Geoparkroute der Thüringisch-Fränkischen-Schieferstraße werden Besucher zu verschiedenen Schiefer bezogenen Sehenswürdigkeiten geführt.

Weitere Infos zur Region:

www.naturpark-frankenwald.de

www.geopark-schieferland.de

www.frankenwald-tourismus.de

 

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