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Großmarkt soll bleiben

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23. Mai 2017

Standortinitiative „Großmarkt in Sendling. Jetzt." verweist auf kulturelle Identität. Die Händler, der Sendlinger Bezirksausschuss (BA) und auch die Bürgerversammlung sind sich einig: Der Großmarkt soll in Sendling bleiben und am alten Platz einen Neubau bekommen. Doch die Stadt lässt sich mit der Entscheidung Zeit. Zwar wurde schon 2009 erklärt – und 2012 noch einmal bestätigt –, den Standort in Sendling zu erhalten. Bis 2016 hätten die Sanierungen abgeschlossen sein sollen. Passiert ist nichts. Aktuell werden Gespräche mit der Gemeinde Vaterstetten zwecks Verlegung in den Ortsteil Parsdorf geführt. Mitte April hat sich die Standortinitiative "Großmarkt in Sendling. Jetzt." formatiert, der sich seitdem bereits mehr als 20 Händler und am Großmarkt tätige Unternehmen angeschlossen haben.

„Wir wollen die Rolle des Großmarktes für Sendling und die ganze Stadt verdeutlichen. Vielen ist gar nicht bewusst, dass nahezu jeder in München vom zentral gelegenen und damit gut erreichbaren Großmarkt gewinnt. Denn durch die Vielfalt an Obst, Gemüse und Blumen können Einzelhändler wie auch Gastronomen ihren Kunden frische und vielfältige Angebote zusichern", sagt Oliver Rob von der Standortinitiative „Großmarkt in Sendling. Jetzt.". Außerdem trage der Großmarkt wesentlich zur Identität des Viertels bei – zusammen mit dem Vieh- und Schlachthof.

Der Großmarkt in Sendling ist seit über 100 Jahren Umschlagplatz zwischen Erzeugern aus südeuropäischen und anderen Ländern sowie Einzelhändlern, Hotels oder Gastronomen. 2.500 Arbeitsplätze sichert der Großmarkt mitten in der Stadt. 300 Firmen und Menschen aus über elf Nationen arbeiten hier. Jeden Tag bringen 400 Lkw und Transporter Waren aus 83 Ländern hierher. Die Großmarkthallen versorgen rund 1,5 Millionen Menschen über 30 Wochenmärkte, 200 Händler und vier Lebensmittelmärkte – darunter der traditionsreiche Viktualienmarkt oder der Elisabethmarkt. Mit einem Umsatzvolumen von 600.000 Tonnen Waren pro Jahr sind sie der drittgrößte Umschlagsplatz für Früchte und Gemüse nach Paris und Barcelona – mehr als der Hamburger Hafen leistet.

Der Großmarkt sei nicht nur ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor für das Viertel, auch ökologisch mache der Verbleib in Sendling Sinn, da die Münchner Gastronomen, die dort einkaufen, nur kurze Wege zurücklegen müssen, unterstreicht BA-Vorsitzender Markus Lutz.

Die Händler brauchen aber endlich Planungssicherheit. Seit acht Jahren steht die Zukunft des Großmarktes zur Debatte. Dass dringend etwas geschehen muss ist klar – die bauliche Substanz wird dem Bedarf nicht mehr gerecht.

Mitte 2015 hatte die Stadt die Generalplanungsleistungen für die 310.000 qm Fläche der Großmarkthalle München an Ackermann Architekten BDA vergeben. Der Entwurf sieht eine neue 550 Meter lange Markthalle vor. Dadurch könnten die frei werdende Flächen z.B. in Wohnnutzung umgewandelt werden. Die denkmalgeschützten Gebäude, insbesondere das Kontorhaus II, wurden in die Neukonzeption mit einbezogen.

Die unter Denkmalschutz stehende historische Früchtehalle mit dem markanten Walmdach aus dem Jahr 1912 könnte vielleicht sogarals Einkaufsmarkt ähnlich wie die Schrannenhalle genutzt werden...

Kommunalreferent Axel Markwardt deutet an, dass die ursprünglichen Pläne etwas abgespeckt worden seien. „Wir wollen einen vernünftigen Funktionsbau hinstellen." Bereits im Stadtratsbeschluss von 2015 sei ein Kostenrahmen von 142 bis 153 Millionen Euro (inklusive Risikozuschlag) benannt worden. Davon gehe man immer noch aus.

Neuralgischen Punkten wie die Lärmbelastung der Anwohner durch den Lieferverkehr können die geplanten Maßnahmen am Großmarkt mit Andockschleusen und spezieller Beschichtung der innenliegenden Laderampen sowie Teilüberdachungen entgegenwirken. Der Lkw-Verkehr wird nach aktuellen Planungen besser gelenkt werden. 

Nicht zuletzt gilt es zu bedenken, dass – falls die Großmarkthalle an den Stadtrand verlegt werden sollte – das Grundstück aufgrund langjähriger Mietverträge keineswegs von heute auf morgen für den Wohnuzngsbau nutzbar sein würde...

Ein Beitrag von

Gabriela Beck

Als ausgebildete Architektin (ETH Zürich & TU München) schreibe ich seit 2000 über Architektur, Städtebau und Design. Als Journalistin interessiere ich mich insbesondere für Hotelbau, die Infrastruktur von Megacities und wie gebaute Umwelt die Gesellschaft beeinflusst.

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