Zeitgenössische Architektur, Design und Kunst in Bayern

 
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06. Dezember 2017

Immer wieder ein sinnvolles Geschenk: Interessante Bücher. Unsere heutige Empfehlung inklusive Exemplaren, die Sie guten Gewissens auch Nicht-Architekten unter den Weihnachtsbaum legen können.

Seit sieben Jahren verfassen die Berliner Filmemacher Dominik und Benjamin Reding allmonatlich einen kurzweiligen literarischen Einstieg in das jeweilige Heftthema der Architekturfachzeitschrift AIT. Zuvor hatten sie sich als profunde Kenner und Sammler der Zeitschrift „Innen-Dekoration" – dem Vorgänger von AIT – geoutet, nachdem sie in einem Berliner Antiquariat auf eine Ausgabe von 1924 gestoßen waren und, fasziniert von den dort abgebildeten Innenraumszenarien, diese fortan in ihrer Filmarchitektur umsetzen. Wer Drehbücher schreiben kann, dem gelingen offensichtlich auch Kolumnen, und so beglücken die Zwillingsbrüder die Leser der AIT mit ihrem geschärften Blick auf unsere gebaute Umwelt und ihrer unnachahmlich spitzen Rhetorik. Anlässlich des 125. Jahrgangjubiläums der AIT gab der Verlag nun 19 ihrer besten Essays als Lesebuch Coming Home heraus.

  • Eurotopians – Fragmente einer anderen Zukunft
    Johanna Diehl / Niklas Maak – Hirmer Verlag

In den kommenden Jahrzehnten werden laut einer Studie der UNESCO rund eine Milliarde Menschen in die Ballungsräume ziehen. Die Frage ist, wie sie dort wohnen sollen. Die bekannten Typologien Hochhaus, Einfamilienhausteppiche am Stadtrand oder auch Slums funktionieren angesichts dieser Zahl aus ökologischen, sozialen und ökonomischen Gründen nicht mehr. Dazu kommt: Die Trennung von Wohnen und Arbeiten ist schon jetzt im Begriff sich aufzulösen und längst gibt es andere Lebensformen als Single oder Kleinfamilie, für die immer noch fast ausschließlich gebaut wird. Auf der Suche nach Modellen für eine Architektur, deren Räume auf diese fundamentalen Herausforderungen reagieren können, richtet Niklas Maak den Blick zurück auf die 1960er Jahre. Er porträtiert in Eurotopians sieben nonkonformistische Architekten dieser Zeit und ihre Ideen – in der typisch Maak'schen bildhaften Manier. So beschreibt er die Wohnung von Yona Friedman „wie man sich das vergrößerte Gehirn eines Architekten vorstellt". Viele der Porträtierten leben immer noch in ihren Bauten: Renée Gailhoustet im Erdgeschoss ihrer begrünten Terrassenstruktur von 140 Sozialwohnungen, die sie für den Pariser Vorort Ivry-sur-Seine entworfen hat, Cini Boeri fährt immer noch auf die Insel La Maddalena nördlich von Sardinien in die Casa Bunker, die wie ein Dorf organisiert ist. Das aufblasbare Haus von Hans Walter Müller demonstriert die Möglichkeiten mobiler Architektur. Und auch die Werke von Antti Lovag, Dante Bini oder Claude Parent zeigen Perspektiven für das Bauen von morgen auf. Johanna Diehl hat fotografiert – viel verrottenden Beton und bemooste Ruinen. In ihren Bildstrecken wird sichtbar, was Niklas Maak mit "Archäologie der Zukunft" umschreibt: Das utopische Potenzial dieser Architektur liegt brach.

  • Das Hochhaus – 102 Etagen Leben
    Katharina Greve – Avant Verlag

Über eine Bauzeit von 102 Wochen entstand Das Hochhaus – als collageartiger Webcomic, wo jede Woche eine Etage dazukam. Nun hat Katharina Greve das ganze Bauwerk in einem Buch abgeschlossen, vom Keller bis zum Dach. Auf jeder Seite stapeln sich 2 Stockwerke pralles Leben. Da pöbelt im 1. OG ein Ehepaar über Flüchtlinge – und die Tochter sehnt sich nach politischem Asyl bei den Nachbarn. Im 33. OG entspinnt sich folgender Dialog: Er: „Du hast unsere Tochter bei dieser Castingshow angemeldet?!? Aber sie kann doch gar nichts!!!" Sie: „Dann müssen nicht WIR ihr das sagen..." Katharina Greve kommentiert Zwischenmenschliches, Soziales und Politisches mit trockenem Witz – auch über mehrere Etagen hinweg. So erzählt ein Kunde der Domina im 16. OG, er sage seiner Frau immer, er besuche seine Eltern im 7. Stock. Die verrät derweil ihrem Liebhaber in der ehelichen Wohnung im 32. OG sie koche extra schlecht, damit das auch so bleibe. Wie schon in ihrem ersten Comic Ein Mann geht an die Decke, verbindet Katharina Greve in Das Hochhaus die visuellen Möglichkeiten der Kunstform Comic mit den architektonischen Gegebenheiten des Handlungsortes und nutzt dafür ihre Ausbildung als Architektin auf unterhaltsame Weise.

 

Ein Beitrag von

Gabriela Beck

Als ausgebildete Architektin (ETH Zürich & TU München) schreibe ich seit 2000 über Architektur, Städtebau und Design. Als Journalistin interessiere ich mich insbesondere für Hotelbau, die Infrastruktur von Megacities und wie gebaute Umwelt die Gesellschaft beeinflusst.

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