Baukultur und Bewusstheit
by Regine Geibel
2004-2026 22

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Update um geplantes Aus des Architekturmuseums

Update zur Museumsoffensive: Warum die Zusage des Ministeriums den Studierenden nicht reicht

Nachdem wir an dieser Stelle das deutliche Statement des BDA-Bayern-Präsidenten zur versuchten Verdrängung des Architekturmuseums der TUM veröffentlicht haben, gibt es neue kulturpolitische und strukturelle Entwicklungen. Zwar hat das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst verbal eingelenkt und betont, das Museum bleibe ein integraler Bestandteil der Pinakothek der Moderne – doch hinter den Kulissen geht der Kampf um die konkreten Quadratmeter erst richtig los.

Der Hintergrund: Das Weißbuch der „Museumsoffensive“

Wie wir (siehe unten) und das BauNetz ausführlich in seiner detaillierten Analyse zur Zukunft des Architekturmuseums im Rahmen der Museumsoffensive berichtet, sah der ursprüngliche Plan der bayerischen Reformkommission radikale Schnitte vor. Das bisherige Leitmotiv „Vier Museen unter einem Dach“ sollte aufgegeben werden. Demnach sollte das von der TUM getragene Architekturmuseum seine feste Raumzuteilung im Erdgeschoss verlieren und auf den Status eines reinen Kooperationspartners zurückgestuft werden – ohne garantierte, kontinuierliche Ausstellungsflächen.

„Keine reine Formsache“: Die Reaktion der Fachschaft

Obwohl Kunstminister Markus Blume nach massiven Protesten aus der Baukulturszene und intensiven Gesprächen mit Museumsender-Gründer Prof. Winfried Nerdinger versicherte, dass das Museum im Haus verbleibt, reagieren die Studierenden alarmiert. Auf den Kanälen der Fachschaft Architektur der TUM wird klargestellt, dass verbale Zusagen ohne konkrete Raum- und Zeitzuteilungen wertlos sind.

Für die Lehre ist das ein massives Problem: Die studentische Mitarbeit – von der Archivrecherche in der größten architektonischen Spezialsammlung Deutschlands bis zum tatsächlichen Ausstellungsaufbau – ist fest in den Studienmodulen verankert. Solche Seminare müssen über ein Jahr im Voraus geplant werden. Vage Versprechungen über künftige „flexible, fachübergreifende Flächen“ bieten keinerlei Planungssicherheit für den universitären Lehrbetrieb.

Protest geht weiter: Jetzt Petition unterzeichnen

Weil das Ministerium die exklusiven Räume im Erdgeschoss weiterhin zugunsten einer neuen, übergreifenden Hausleitung flexibilisieren will, lassen die Initiatoren nicht locker. Die Fachschaft hat die offizielle Initiative „Architektur braucht einen Ort“ gestartet. Der Protest wird von einem breiten Bündnis aus dem BDA Bayern, der Bayerischen Architektenkammer und über 150 europäischen Hochschulprofessoren getragen.

Die Kernforderung bleibt unverändert: Der Erhalt der dauerhaften, exklusiv zugewiesenen Ausstellungsräume in der Pinakothek der Moderne. Die Sammlung läuft noch bis März 2027.

Unterstützen Sie den Erhalt der Baukultur in Bayern:
Hier geht es direkt zur Online-Zeichnung der openPetition: Architektur braucht einen Ort.

 

Ursprügliche  Info vom August:

Die aktuellen Reformpläne bedrohen das Architekturmuseum der TU München in der Pinakothek der Moderne

Wie aus den Plänen einer bayerischen Reformkommission und einem vorgelegten Weißbuch hervorgeht, soll die renommierte Institution ihre festen Ausstellungsräume im Erdgeschoss der Pinakothek der Moderne verlieren. Die geplante Neuordnung... der Münchner Museumslandschaft stößt in der Baukulturszene – verständlicherweise – auf erhebliche Kritik.

Stellungnahme des BDA Landesvorsitzenden Karlheinz Beer

Wie der BDA Bayern die Pläne der Reformkommission im Detail bewertet und welche Gefahren für den Diskurs über unsere gebaute Umwelt gesehen werden, lesen Sie in der folgenden Stellungnahme des BDA-Landesvorsitzenden Karlheinz Beer, die MünchenArchitektur zur Veröffentlichung vorliegt:

"Die Überlegungen der Reformkommission, das Architekturmuseum der Technischen Universität München aus seiner eigenständigen Position in der Pinakothek der Moderne herauszulösen, erfüllen den BDA Bayern mit großer Sorge. Dabei geht es um weit mehr als die Zukunft eines Museums. Es geht um den Stellenwert der Baukultur in Bayern.

Umso besorgniserregender ist eine Entwicklung, die seit vielen Jahren sichtbar geworden ist: Baukultur verliert zunehmend an öffentlicher Bedeutung. Immer häufiger dominieren kurzfristige wirtschaftliche Interessen, Standardisierung und Prozessoptimierung die Gestaltung unserer gebauten Umwelt. Die Folgen sind vielerorts unübersehbar – austauschbare Orte, der Verlust regionaler Identität und Freiräume sowie eine schwindende Qualität des öffentlichen Raums.
Baukultur ist kein Luxus. Sie ist öffentliche Daseinsvorsorge. Sie entscheidet darüber, wie wir morgen leben.

Gerade deshalb braucht Bayern Orte, an denen über die Qualität unserer gebauten Umwelt öffentlich diskutiert wird.

Der BDA Bayern appelliert deshalb an die Bayerische Staatsregierung und an den Bayerischen Landtag, das Architekturmuseum dauerhaft als eigenständiges Museum in der Pinakothek der Moderne zu erhalten.

Wer das Architekturmuseum schwächt, schwächt die Baukultur."

Karlheinz Beer
Landesvorsitzender BDA Bayern

DIE HINTERGRÜNDE:
Zentralisierung statt „Vier Museen unter einem Dach“

Das prägende Slogan-Konzept „Vier Museen unter einem Dach“, welches die Pinakothek der Moderne seit ihrer Eröffnung ausmacht, ist laut des Weißbuches der Reformkommission Geschichte. Vorgeschlagen wird eine zentralisierte Museumsstruktur unter einer neuen, übergeordneten Gesamtleitung.

Künftig soll das Haus primär die Sammlungen Moderne Kunst, Die Neue Sammlung – The Design Museum, die Sammlung Goetz sowie das Deutsche Theatermuseum beherbergen. Für das Architekturmuseum der TUM ist in dieser neuen Struktur kein fester Platz mehr vorgesehen.

Verlust der Ausstellungsräume und Wechsel zur bloßen Kooperation

Der Hintergrund dieser Sonderbehandlung liegt in der Trägerschaft: Während die anderen Museen im Haus staatliche Institutionen des Freistaats Bayern sind, wird das Architekturmuseum von der Technischen Universität München (TUM) getragen.

Die Konsequenzen des vorliegenden Reformkonzepts für das Architekturmuseum sind gravierend:

  • Verlust des festen Ort: Das Museum verliert seine prägnanten und wohlbekannten Ausstellungsflächen im Erdgeschoss des Hauses.
  • Ende des kontinuierlichen Programms: Ohne feste Räumlichkeiten gibt es kein fortlaufendes Ausstellungs- und Vermittlungsprogramm zur Baukultur mehr an diesem zentralen Standort.
  • Institutionalisierte Kooperation statt Eigenständigkeit: Mit dem Architekturmuseum (wie auch mit der Staatlichen Graphischen Sammlung München) soll künftig lediglich noch auf organisatorischer Ebene kooperiert werden.

Sorge um Baukultur und interdisziplinären Dialog

Die Pläne sorgen bei Fachverbänden für große Unruhe. Insbesondere der Bund Deutscher Architektinnen und Architekten (BDA Bayern) schlägt Alarm: Die Verdrängung des Architekturmuseums schwäche den unerlässlichen Dialog zwischen Architektur, der Öffentlichkeit und den angrenzenden Kunst- und Designdisziplinen nachhaltig.