Die aktuellen Reformpläne bedrohen das Architekturmuseum der TU München in der Pinakothek der Moderne
Stellungnahme des BDA Landesvorsitzenden Karlheinz Beer
Wie der BDA Bayern die Pläne der Reformkommission im Detail bewertet und welche Gefahren für den Diskurs über unsere gebaute Umwelt gesehen werden, lesen Sie in der folgenden Stellungnahme des BDA-Landesvorsitzenden Karlheinz Beer, die MünchenArchitektur zur Veröffentlichung vorliegt:
"Die Überlegungen der Reformkommission, das Architekturmuseum der Technischen Universität München aus seiner eigenständigen Position in der Pinakothek der Moderne herauszulösen, erfüllen den BDA Bayern mit großer Sorge. Dabei geht es um weit mehr als die Zukunft eines Museums. Es geht um den Stellenwert der Baukultur in Bayern.
Umso besorgniserregender ist eine Entwicklung, die seit vielen Jahren sichtbar geworden ist: Baukultur verliert zunehmend an öffentlicher Bedeutung. Immer häufiger dominieren kurzfristige wirtschaftliche Interessen, Standardisierung und Prozessoptimierung die Gestaltung unserer gebauten Umwelt. Die Folgen sind vielerorts unübersehbar – austauschbare Orte, der Verlust regionaler Identität und Freiräume sowie eine schwindende Qualität des öffentlichen Raums.
Baukultur ist kein Luxus. Sie ist öffentliche Daseinsvorsorge. Sie entscheidet darüber, wie wir morgen leben.
Gerade deshalb braucht Bayern Orte, an denen über die Qualität unserer gebauten Umwelt öffentlich diskutiert wird.
Der BDA Bayern appelliert deshalb an die Bayerische Staatsregierung und an den Bayerischen Landtag, das Architekturmuseum dauerhaft als eigenständiges Museum in der Pinakothek der Moderne zu erhalten.
Wer das Architekturmuseum schwächt, schwächt die Baukultur."
Karlheinz Beer
Landesvorsitzender BDA Bayern
DIE HINTERGRÜNDE:
Zentralisierung statt „Vier Museen unter einem Dach“
Das prägende Slogan-Konzept „Vier Museen unter einem Dach“, welches die Pinakothek der Moderne seit ihrer Eröffnung ausmacht, ist laut des Weißbuches der Reformkommission Geschichte. Vorgeschlagen wird eine zentralisierte Museumsstruktur unter einer neuen, übergeordneten Gesamtleitung.
Künftig soll das Haus primär die Sammlungen Moderne Kunst, Die Neue Sammlung – The Design Museum, die Sammlung Goetz sowie das Deutsche Theatermuseum beherbergen. Für das Architekturmuseum der TUM ist in dieser neuen Struktur kein fester Platz mehr vorgesehen.
Verlust der Ausstellungsräume und Wechsel zur bloßen Kooperation
Der Hintergrund dieser Sonderbehandlung liegt in der Trägerschaft: Während die anderen Museen im Haus staatliche Institutionen des Freistaats Bayern sind, wird das Architekturmuseum von der Technischen Universität München (TUM) getragen.
Die Konsequenzen des vorliegenden Reformkonzepts für das Architekturmuseum sind gravierend:
- Verlust des festen Ort: Das Museum verliert seine prägnanten und wohlbekannten Ausstellungsflächen im Erdgeschoss des Hauses.
- Ende des kontinuierlichen Programms: Ohne feste Räumlichkeiten gibt es kein fortlaufendes Ausstellungs- und Vermittlungsprogramm zur Baukultur mehr an diesem zentralen Standort.
- Institutionalisierte Kooperation statt Eigenständigkeit: Mit dem Architekturmuseum (wie auch mit der Staatlichen Graphischen Sammlung München) soll künftig lediglich noch auf organisatorischer Ebene kooperiert werden.
Sorge um Baukultur und interdisziplinären Dialog
Die Pläne sorgen bei Fachverbänden für große Unruhe. Insbesondere der Bund Deutscher Architektinnen und Architekten (BDA Bayern) schlägt Alarm: Die Verdrängung des Architekturmuseums schwäche den unerlässlichen Dialog zwischen Architektur, der Öffentlichkeit und den angrenzenden Kunst- und Designdisziplinen nachhaltig.