Baukultur und Bewusstheit
by Regine Geibel
2004-2026 22

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Ratschen statt parken

In einem Reallabor in Haidhausen wird Austausch statt Alleinsein, brainstormen und ratschen statt parken untersucht: In der Münchner Metzstraße dient bis Ende Juli ZuHaus als gemeinschaftlicher Raum zum Mitgestalten. Dieses experimentelle Stadtlabor möchte herausfinden, wie sich Straßenräume anders nutzen lassen können.

Wohnraummangel, Nachverdichtung, Flächenknappheit: Diese Herausforderungen haben in München Hochkonjunktur – in gefragten Innenstadtvierteln noch mehr als andernorts in der bayerischen Landeshauptstadt. Eine berechtigte Frage ist daher, ob Funktionen wie gemeinsames Arbeiten oder Treffen teilweise aus den Wohnungen in gemeinschaftliche Quartiersräume ausgelagert werden können.

Temporäres Quartierszimmer aus Holz

Interesse und Bedarf in Haidhausen eruiert jetzt das Reallabor ZuHaus. Dafür wurden bestehende Fahrradständer vor der Wörthstrasse 14 mit einem temporären "Quartierszimmer" aus vorgefertigten Holzmodulen überbaut. Bis Ende Juli wird es nun gemeinsam bespielt, gestaltet und weiterentwickelt – egal ob Stammtisch, Konzert oder offener Schachtreff; über die Projekt-Webseite können Timeslots reserviert und Räume kostenlos genutzt werden. 

Promotion als Hintergrund

Hintergrund von ZuHaus ist die Promotion von Clemens Hoyer mit dem Titel: Vom generischen zum spezifischen Raum. Das Nachverdichtungspotenzial von Parkraum in dichten, städtischen Quartieren am Beispiel des Franzosenviertels in Haidhausen, München. Sie untersucht nicht nur die Frage, wie Straßenräume anders genutzt werden, sondern auch, wie Gemeinschaft, Nachbarschaft und Wohnen in der dichten Stadt von morgen neu organisiert werden könnten.

Förderung durch Stadt und Bezirksausschuss

Bezuschusst wird ZuHaus im Rahmen des Förderprogramms "Bürgerinnen und Bürger gestalten ihre Stadt - Bürgerbeteiligung in den Stadtvierteln" durch das Referat für Stadtplanung und Bauordnung; auch der örtliche Bezirksausschuss beteiligt sich finanziell. Laut Referat für Referat für Stadtplanung und Bauordnung ist ZuHaus "ein innovativer Ansatz, um mit Bürger*innen über ihren Stadtteil in den Dialog zu kommen." Als Reallabor ermögliche es eine niederschwellige und ergebnisoffene Beteiligung an der Weiterentwicklung des öffentlichen Raums im Stadtviertel. "Mit dem Projekt entsteht nicht nur ein gestalterisch anspruchsvoller Raum, den die Bewohner*innen des Quartiers flexibel nutzen können. Ergänzend bietet das Reallabor auch praktische Workshops zur Ausstattung des ZUHAUS an und bezieht Bürger*innen aktiv in die Verwaltung des temporären Werks ein."

Fotos: Clemens Hoyer