Flaniermeile mit Aufenthaltsqualität statt Transitraum für viel Verkehr: Das soll eine Neugestaltung der Ludwigstraße bewirken. In einem Gestaltungswettbewerb wurden jetzt die besten Entwürfe gekürt. Sie setzen auch auf Klimaanpassung durch Entsiegelung und Begrünung.
Einerseits Qualität und Bedeutung eines denkmalgeschützten Ensembles berücksichtigen, andererseits den Erfordernissen der Klimaanpassung gerecht werden – also entsiegeln, begrünen und damit kühlen – sowie "zur Aneignung durch die Bürgerschaft" einladen: Das waren die Anforderungen eines Gestaltungswettbewerbs für die Ludwigstraße, den das Baureferat im Auftrag des Münchner Stadtrats durchgeführt hat.
Aufenthaltsbereich und Flaniermeile
Gewünscht waren ein Aufenthaltsbereich zwischen repräsentativen, historischen Gebäuden sowie "eine Flaniermeile von höchster Qualität und Attraktivität für die Stadtgesellschaft und Gäste aus aller Welt". Dafür hatte der Wettbewerb einen Realisierungsteil für den Abschnitt vom Odeonsplatz bis zur Von-der-Tann-Straße, weil ab 2028 der Umbau des Sperrengeschosses der U-Bahnhaltestelle Odeonsplatz durch die SWM/MVG und die im Anschluss erforderliche Wiederherstellung der Oberfläche geplant ist. Der Ideenteil betrifft den Bereich Von-der-Tann-Straße bis Geschwister-Scholl- und Professor-Huber-Platz am Hauptgebäude der Ludwig-Maximilians-Universität.
Wichtige Nord-Süd-Verbindung
Beide Bereiche, die Anfang des 19. Jahrhunderts nach Entwürfen von Leo von Klenze und Friedrich von Gärtner entstanden, säumen denkmalgeschützte Prachtbauten im Stil der italienischen Neurenaissance und Neuromantik. Dazwischen verläuft als wichtige Nord-Süd-Verbindung mit bis zu sechs Spuren die Ludwigstraße. Entsprechend hoch ist das Verkehrsaufkommen – zumindest bislang. Wie es anders gehen könnte, zeigt der Sieger-Entwurf eines Pariser Büros.
1. Platz für MDP Michel Desvigne Paysagiste mit PCA-STREAM
Als 1. Platz zielt MDP Michel Desvigne Paysagiste mit PCA-STREAM laut Jury auf die "Ludwigstraße als großzügigen Raum und städtischen ‚Saalplatz'" ab, "der durch einen weitgehend durchgängigen Belag und kulissenartig gesetzte Baumhaine akzentuiert werden soll". Trittsteinartig angeordnet und artenreich würden durch diese "inselartige, schattige und überwiegend unversiegelte Aufenthaltsbereiche" geschaffen. Laut der Jury-Vorsitzenden Andrea Gebhard würde das die Transformation "von einem Transitraum in einen Aufenthaltsraum von höchster stadtgestalterischer Qualität" ermöglichen.
Entwürfe von zwölf renommierten Büros
Insgesamt hatten zwölf renommierte nationale und internationale Büros an dem Gestaltungswettbewerb teilgenommen und Entwürfe eingereicht. Drei davon wählte die Jury am 13. Februar aus und bat um Überarbeitung. Preise bekamen Ende April außer MDP Michel Desvigne Paysagiste, Paris, mit PCA-STREAM, Paris, TOPOTEK 1, Berlin, (2. Platz) und IMI Levin Monsigny, Landschaftsarchitekten, PartGmbB, Berlin, (3. Platz), eine Anerkennung jeweils studioB Landschaftsarchitektur, München, und raum + zeit Landschaftsarchitektur Stadtplanung, Landshut. Alle eingereichten Entwürfe sind vom 26. Mai bis 7. Juni im Oskar von Miller Forum und von 9. bis 19. Juni in der Halle des Technischen Rathauses zu sehen.
Visualisierungen: ©Michel Desvigne Paysagiste