Baukultur und Bewusstheit
by Regine Geibel
2004-2026 22

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Check in statt Burn out | Nr. 8

Deep Insights in Balderschwang: Wenn der Körper selbst die Antwort gibt

Wer im urbanen Hamsterrad zwischen Terminen, Verkehr, Kunden und Deadlines die Verbindung zu sich selbst verliert, sucht oft Rettung in der Abgeschiedenheit der Alpen. Doch was, wenn die Stille allein nicht reicht? Im HUBERTUS Mountain Refugio im Allgäu trifft architektonisches Upcycling auf eine Diagnoseform, die keine Ausreden zulässt. Ein Check-in gegen das Stadt-Burnout – und eine Begegnung mit einem „Magier".

Architektur als achtsame Hülle: Upcycling im „Mountain NEST"

Manchmal ist es klüger, das Bestehende zu bewahren, statt alles neu zu erfinden. Ein Prinzip, das ich als Architektin und Interior Designerin nicht nur schätze, sondern als zukunftsweisend betrachte. Im HUBERTUS in Balderschwang hat man sich genau diesem Gedanken verschrieben. Unter der Ägide der Innenarchitektin Sarah Stapelfeld erfuhren fünfzig Gästezimmer und die Flure des „Mountain NEST" eine Transformation, die man als „Silent Refurbishment" bezeichnen könnte.

Anstatt hochwertige Vollholzböden oder Möbel aus Lärchen- und Fichtenholz zu entsorgen, wurden diese abgeschliffen, von den „Verschnörkelungen der letzten 40 Jahre" befreit und neu lasiert. Es ist ein ehrlicher Umgang mit Materialität. Kombiniert mit Lehmputz in soften Tönen für ein optimales Raumklima und handfesten Details wie Beistelltischen aus Ton oder handgestrickten Woll-Lampenschirmen, entsteht ein „Look-and-Feel", das den Gast erden soll. Mein Tipp: Frag bei der Buchung nach einem renovierten Zimmer!

Die Suche nach der Ursache: K.O.R.E. Therapy mit John Brazier

Doch auch wenn die Architektur – insbesondere die des neu gebauten SPA-Gebäudes – den Rahmen für Erholung bietet, lag das eigentliche Herzstück meiner Reise in einer unscheinbaren Behandlungsliege. Wenn man wie ich hochsensibel ist und die Spuren eines Burnouts kennt, sucht man nach Heilmethoden, die tiefer ansetzen als eine klassische Wellness-Massage. Hier kommt Dr. John Brazier ins Spiel.

Brazier, ein international renommierter Experte für funktionelle Medizin, praktiziert im HUBERTUS regelmäßig das von ihm entwickelte K.O.R.E. System. Sein Ansatz ist so radikal wie faszinierend: Er nutzt Muskeltests, um die unmittelbare Antwort des Körpers auf Belastungen zu prüfen. Es ist ein Bio-Hacking der besonderen Art. Wo andere Therapeuten am Symptom – dem Schmerz – arbeiten, sucht Brazier nach der „Root Cause", der Wurzel des Übels, die oft ganz woanders liegt.

Vom Spielfeldrand auf die Behandlungsliege: Ein pragmatischer Ansatz

Wer bei ganzheitlichen Methoden skeptisch an „Esoterik" denkt, wird von Braziers Vita eines Besseren belehrt. Bevor er sein K.O.R.E. System entwickelte, war er jahrelang als Coach und Berater im Profifußball tätig – unter anderem für Vereine der englischen Premier League und der Bundesliga sowie für Nationalmannschaften. In einer Welt, in der nur messbare Leistung und schnelle Regeneration zählen, gibt es keinen Platz für bloße Vermutungen. Brazier nutzte seine Expertise, um die Karrieren von Profisportlern zu verlängern und Verletzungen vorzubeugen, indem er Schwachstellen im System korrigierte, bevor sie zum Problem wurden. Dieser pragmatische Fokus auf funktionale Stärke und neurologische Effizienz ist es, was seine Arbeit heute so wertvoll für Menschen macht, die durch chronischen Stress körperlich „ausgebrannt" sind.

Wenn der Tensor den Weg weist

Ich selbst nutze häufig einen Tensor, um Lebensmittel oder Entscheidungen auf ihre Resonanz mit meinem Körper zu prüfen. Bei John Brazier erlebt man eine klinische, hocheffiziente Form dieser Resonanzprüfung. Durch gezielte Widerstandstests stellt er fest, wo das Nervensystem blockiert ist, oder die Energie nicht fließt. Es ist dieser Moment der totalen Transparenz: Man kann sich und ihn nicht belügen. Wenn ein Muskel unter leichtem Druck nachgibt, ist das ein unbestechliches Signal für ein tieferliegendes Ungleichgewicht – sei es organisch, neurologisch oder emotional.
Seine „Deep Insights" Retreats sind keine sanften Streicheleinheiten, sondern eine systemische Neuausrichtung. Brazier kombiniert westliche Erkenntnisse des Bewegungsapparates mit östlicher Medizin. Das Ziel: Den natürlichen Biorhythmus wiederherstellen und die Resilienz stärken – ein entscheidender Faktor für Stadtmenschen, die wir oft weniger widerstandsfähig auf Stress reagieren.

Fazit: Kraftort mit Tiefenwirkung

Das HUBERTUS versteht sich als „Ort der Kraft". Während das Hotel durch sein noch recht neues 4.500 m² großes Mountain Spring Spa und die Slow-Food-Küche die Sinne bedient, sorgt die Arbeit von John Brazier für die notwendige innere Architektur. Wer bereit ist, den Business-Stress und die oft daraus resultierenden Rücken- oder Hüftschmerzen nicht nur mit Ruhe, sondern mit einer präzisen Ursachenforschung zu bekämpfen, findet hier im Allgäu eine außergewöhnliche Synergie aus traditionellem Handwerk und moderner Heilkunst.

Informationen
Adresse: HUBERTUS Mountain Refugio Allgäu, Dorf 5, 87538 Balderschwang
Konzept: Bekannt für seine Retreats, die das HUBERTUS seit Jahren erfolgreich durchführt: Von Women's Specials über Healing-Programme bis hin zu exklusiven Workshops mit internationalen Expert:innen – das Haus hält für seine Gäste ganzjährig ein sorgfältig kuratiertes Programm bereit. Und bekannt für sein hervorragendes und sehr gesundes Essen.
John Braziers Ansatz: Von HolisticLife – Verbindung von Körper, Geist und Seele durch TCM, Ayurveda und Coaching | Mehr Infos
Dr. John Brazier ist an folgenden Terminen im HUBERTUS:

- 07.05. bis 11.05.2026

- 23.07. bis 27.07.2026

- 12.11. bis 16.11.2026

- 15.04. bis 19.04.2027

- 08.07. bis 12.07.2027

- 25.11. bis 29.11.2027

Mein besonderer Tipp: Wer nicht nur heilen, sondern auch Spaß haben und mal wieder richtig feiern möchte (was aus meiner Sicht zu jedem Heilungsprozess dazugehört), der sollte darauf achten, dass er seinen Aufenthalt so wählt, dass er eine der legendären Kitchen-Partys mitbekommt. Wie auf jeder guten Party wird hier in der Küche gefeiert. Sogar mit Livemusik!

Weitere Artikel aus der Reihe Check in statt Burn out:

Nr. 1 Das Kranzbach
Nr. 2 Giardino Marling
Nr. 3 Tannerhof, Bayerisch Zell
Nr. 4 Kamalya: Spirtual Paradise auf Koh Samui
Nr. 5 Ayurveda im Barberyn Waves
Nr. 6 Jungbrunn
Nr. 7 Das Central, Sölden

Wir danken dem HUBERTUS für die freundliche Unterstützung! Dabei wurden die Standards der journalistischen Unabhängigkeit gewahrt.

Über Erschöpfung

‍Lange Zeit war ich der Meinung, dass man sich nachts und am Wochenende, oder spätestens im Jahresurlaub erholt und dazwischen reinpowern kann ohne Unterlass. Wenn mir die Energie ausgeht, wird einmal im Jahr eine Ayurveda-Kur gemacht; die wird es schon wieder richten, davor und danach kann ich an meine Grenzen gehen... Leider stimmt das so nicht, denn der Körper und unsere Psyche sind keine Maschine, sondern ein komplexes System, welches unbedingt zwischendrin immer wieder runtergefahren werden möchte. Und das kann bereits an einem verlängerten Wochenende gelingen!

Immer mehr anspruchsvolle Hotel richten sich auf die gesteigerten Bedürfnisse nach tiefer Entspannung ein und bieten, neben Massagen und dem klassischen Wellnessanwendungen, zunehmend spezielle Angebote.

Es muss ja nicht gleich eine Burn Out-Gefahr vorliegen. Schon chronisch mangelnde Bewegung bei zu viel (und zu simpler) Energiezufuhr können Körper und Psyche aus dem Lot bringen. Wussten Sie, dass heutzutage mehr Übergewichtige, als Untergewichtige auf der Erde leben? Und wussten Sie, dass 60% der Weltbevölkerung es nicht schafft, am Tag die empfohlenen 30 Minuten moderater körperlicher Aktivität nachzukommen? „Sitting is the new smoking." heißt es bereits...