Baukultur und Bewusstheit
by Regine Geibel
2004-2026 22

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Städte gemeinsam gestalten

Städte gemeinsam gestalten

Ökologisch, gesellschaftlich, räumlich: Städte sind Verdichtungsräume mit drei besonders prägenden Dimensionen für Transformation-Herausforderungen. Wie man sie verstehen und gemeinsam vom Denken ins Tun kommen kann, erklärt das Playbook eines Nürnberger Stadtlabors...

Klassischen Zuständigkeiten, feste Rollen, vorgefertigte Lösungen? Auf all das verzichtet das Urban Lab Nürnberg bewusst. Stattdessen experimentiert es "als Teil einer neuen Generation von Stadtmacher:innen" mit neuen Formen der Beteiligung, um urbane Transformationsprozesse zu gestalten – unabhängig, interdisziplinär und kooperativ. Auf diese Weise wurden an der Schnittstelle von Design, Facilitation, Bildung, Stadtentwicklung und Forschung seit 2015 mehrere Pilotprojekte der Nationalen Stadtentwicklungspolitik umgesetzt.

Quintessenz gemachter Erfahrungen

Als Quintessenz der gemachten Erfahrungen ist jetzt das "Urban Transformation Playbook" entstanden; seine Zielgruppe sind "Menschen, die die Stadt als Möglichkeitsraum sehen – und Lust haben, darin etwas zu bewegen" – egal ob in Planungsbüros, Stadtverwaltungen, Fachämtern, bei Initiativen, Trägern oder Genossenschaften. 

  • Teil 1 des Playbooks beschreibt den urbanen Raum als "Brennglas für soziale, ökologische und kulturelle Veränderungen", der "zum Motor für Innovationen werden kann." Sein Dreh- und Angelpunkt ist laut Urban Lab Nürnberg das Quartier. Denn hier würden die Auswirkungen globaler Herausforderungen konkret, hier seien Experimente möglich, die übertragbar wirken können – "klein genug, um Neues zu erproben, und groß genug, um Strukturen zu verändern."
  • Teil 2 zeigt konkrete Wege auf, um mit praktischen Prozessen und Formaten vom Denken ins Tun zu kommen. Und zwar in "Allianzen", weil Stadtentwicklung eine "Mammutaufgabe" ist, die "kein:e Akteur:in und keine Institution alleine bewältigen kann". Die Beteiligungs-Bandbreite reicht vom Quartierspicknick über Interviews und Immersionen bis zum Ideen-Jam, -Call oder -turm oder Prototyping. 
  • Teil 3 bündelt als "Toolbox" noch einmal alle Methoden mit Steckbriefen in einer kompakten, anwendungsnahen Form - zum einen auf der Verstehensebene, zum anderen auf der Handlungsebene, vom Wissensquiz bis zum Projektplan.

Resultat ist keine Anleitung "im Sinne von 'So muss es gehen', sondern als Einladung: zum Ausprobieren, zum Anpassen, zum Weiterdenken." Diese "soll dabei helfen, Prozesse bewusster zu gestalten, blinde Flecken zu erkennen und den Mut zu behalten, Stadt gemeinsam zu machen, auch dann, wenn es unbequem wird."

Urban Transformation Playbook, Murmann Verlag, 39 Euro