An Architectural Life

Unser neues Online-Magazin für Hotelvorstellungen und architektonischen Lifestyle


Zum Magazin


Diesen Banner für immer verbergen

Der kuratierte Community-Blog für Architektur und Lifestyle  •  seit 2004

Wie wird ein Neubau vor Radon geschützt?

Photo by R ARCHITECTURE on Unsplash Photo by R ARCHITECTURE on Unsplash

Radonschutz bei Neubauten

Radon ist laut Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) die größte radioaktive Belastung für den Menschen. Das natürlich vorkommende Edelgas führt nach Nikotin am häufigsten zu Lungenkrebs. So sind in Deutschland zwischen fünf und sieben Prozent all dieser Krankheitsfälle auf das natürlich vorkommende Edelgas zurückzuführen, die Radon-Gefahr ist also hochakut. Der Süden der Bundesrepublik ist aufgrund seiner Zugehörigkeit zu den Voralpen besonders stark vom radioaktiven Edelgas betroffen.

So wird in Bayern der von der WHO empfohlene Referenzwert von 100 Becquerel pro Kubikmeter leicht überschritten. Ab einer Radonbelastung von 300 Bq/m³ sind die Architekten zu besonderen Maßnahmen zur Vorbeugung einer Radonbelastung verpflichtet. Wie lässt sich der Radonschutz in Neubauten bewerkstelligen? Wir zeigen, wie Prävention gegen Radon Strahlung funktioniert.

Weiße und Schwarze Wanne

Radon ist im Inneren der Erde verborgen und dringt meist über Risse, Spalten und Klüfte an die Oberfläche. Der Keller ist aus diesen Gründen das typische Einfallstor, durch den Keller dringt das Radon Gas ins Haus. In älteren Gebäuden ist die Radonbelastung meist höher als in Neubauten, weil das Problem Radon früher unbekannt war, sodass sich bei der Gebäudeisolierung auf einen Schutz vor Witterung und Feuchtigkeit beschränkt wurde, der zur Verhinderung der Einsickerung von Radon nicht ausreichend ist.

Die wichtigste Maßnahme zum Schutz vor Radon ist folglich die fachgerechte Abdichtung des Gebäudefundaments. Die gängigen Verfahren dafür sind die Weiße und die Schwarze Wanne. Beide Schutzverfahren sind nach der Farbe des Materials benannt. So wird bei der Weißen Wanne wasserundurchlässiger Beton (WU-Beton) und bei der Schwarzen Wanne Bitumen verwendet.

Vorschläge der Strahlenschutzverordnung zur Prävention der Strahlenbelastung

Die bei der Weißen und Schwarzen Wanne zum Einsatz kommenden Materialien entsprechen den Hinweisen der Strahlenschutzverordnung nach § 154, bei der die „Verwendung diffusionshemmender Betonsorten und anderer geeigneter Dämmmaterialien“ angeraten wird. Weitere Vorschläge betreffen die „Begrenzung der Rissbildung in Wänden und Böden mit Kontakt zum Erdboden“, das „Absaugen von Radon an Randfugen oder unter Abdichtungen“ sowie die „gezielte Beeinflussung des Luftdruckunterschieds zwischen dem Gebäudeinneren und der Bodenluft“.

Abdichtung typischer Eintrittsstellen

Radon dringt am ehesten über Kabel, Leitungen, Rohre, Kamine und Versorgungsschächte ins Haus. Diese Eintrittsstellen sollten daher abgedichtet werden. Wegen seiner Resistenz bietet sich als Material hierfür Silikon an. Aber auch spezielle Radonfolien erfüllen die Anforderungen für den Radonschutz sehr gut und lassen sich leicht in die gewünschte Form bringen. Die Abschirmung des Kellers erfolgt dabei auf zweifache Weise: Ebenso wichtig wie die Abschirmung von der Grunderde ist nämlich die Abschirmung des Kellers vom übrigen Haus, damit so wenig Radon wie möglich in die bewohnten Bereiche des Hauses eindringen kann.

Lüftungsanlage und Kamineffekt

Der Kamineffekt ist ein plastischer Begriff, der die Vorgänge rund um die Wärmeströmung beschreibt. Der Kamin eignet sich in seinen extremen Ausmaßen gut zur Veranschaulichung der Phänomene, die in der Natur ständig, wenn auch meistens in moderaterer Ausführung, zu beobachten sind. In Bezug auf Radon hat der Kamineffekt die Bedeutung, dass er dafür sorgt, dass das Edelgas, das sich zunächst im Keller ansammelt, in die oberen Etagen gelangen kann. Ohne Konvektion wäre dies nicht möglich, denn Radon ist siebenmal schwerer als Luft.

Der Kamineffekt geschieht regelmäßig durch die Temperaturunterschiede in der Luft, weil warme Luft leichter ist als kühlere Luftschichten. Die wärmeren Luftschichten werden nach oben gesogen. Zugleich entsteht ein Unterdruck, der wiederum die kühleren Luftschichten an sich zieht. Diese führen dem Sog neuen Sauerstoff zu und heizen den Kamineffekt weiter an. Die typische Jahreszeit für den Kamineffekt in Häusern ist der Winter aufgrund der beträchtlichen Temperaturunterschiede zwischen der kalten Außenluft und der beheizten, warmen Innenluft.

Generell sollte in einem Haus viel gelüftet werden, damit sich die radonhaltige Luft mit der Außenluft verdünnen kann. Eine Lüftungsanlage kann dabei helfen und sichert eine regelmäßige und gleichmäßige Vermischung. Sie ist vor allem im Winter für die Bewohner eine angenehmere Alternative als das Stoßlüften. Damit die Lüftungsanlage aber nicht zum Kamineffekt beiträgt, sollte sie so eingebaut werden, dass ein Unterdruck im Gebäude vermieden wird. Das Mittel der Wahl für die Herstellung des Überdrucks ist die Installation einer Überdruckanlage.

Beitrag teilen:
Sie mögen MünchenArchitektur? 14-tägig versendet die Redaktion handverlesene News.