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Götzendämmerung

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Der Markt ist reif. Im Herbst 2018 wurde das erste von einer Künstlichen Intelligenz gemalte Bild für 432.500 $ versteigert. Götzendämmerung, die neue Ausstellung im Haus der Kunst, zeigt die Saints und die Soldiers der internationalen KI Szene.

Am 25.Oktober 2018 wurde bei Christie's in New York das Porträt "Edmond de Belamy" im Stile der Jahrhundertwende für 432.500 $ versteigert. An sich ein alltäglicher Vorgang in einem der größten Auktionshäusern der Welt. Nur dass das Porträt nicht aus dem 19.Jahrhundert stammte, nicht von einem humanoiden Maler gemalt worden war, sondern von einer KI, die von dem französischen Kunstkollektiv obvious benutzt wurde, aber von dem 19-jährigen Robbie Barrat als freeware ins Netz gestellt worden war.

Wer war hier der Autor? Und was suchte ein solches Werk in einem Kunstauktionshaus und warum wurde es zu diesem Überraschungspreis verkauft? Der Markt war offensichtlich reif für den ersten Sensationsverkauf eines Gemäldes des Schöpfers KI, ganz egal, wer ihn dressiert hatte.

Beide, das Kunstkollektiv und das Auktionshaus wollten Geschichte schreiben und haben es getan. Der heftige Skandalerfolg in der Presse gab ihnen recht, die schon totgeglaubte Diskussion, um Bedeutung, Wert, Ästhetik, Reichweite und Vermarktbarkeit von Kunst ging in eine völlig neue, aber längst fällige Runde. Das Ziel von obvious war erreicht. Der Kunstbetrieb geschockt, die Kunstwelt erschüttert, das Künstlertum in einzigartiger Weise in Frage gestellt: Künstlergenie oder doch eher programmierbarer artifizieller Handwerker mit Bauernschläue? Kunst als Offenbarung oder doch als frei verfügbare Ware? Und Markt als Trendsetter oder doch relevanter und dominanter Kunstbewerter?

Jetzt, fast 2 Jahre danach, schreitet in Zeiten des Zuhause-bleib-Virus Corona die Digitalisierung der humanoiden Kommunikation rasant voran. Überall wird KI als Problemlöser und Erlöser herbeigerufen.

Deshalb ist es an der Zeit zwei noch nicht gezeigte Werke aus der De Belamy Serie von obvious im Haus der Kunst im Rahmen der Ausstellung Götzendämmerung zur Diskussion zu stellen: unkommentiert im Raum der analogen Werke sich direkt mit diesen messend. Authentisches Produkt oder doch nur eine müde KI-Leiche aus der Asservatenkammer der Kunstgeschichte?

Ausstellung: 24.09.2020 - 01.10.2020

Artist Installation
MEMO AKTEN I SOUGWEN CHUNG I HAKAN GÜNDÜZ I PATRICK TRESSET I OBVIOUS

Artist Live Act (collaboration with AI)
FEDERICO DELFRATI I ELKE DREIER I MANUEL EITNER I JUDITH GOLDSCHMID I ZITA HABARTA I NICO KIESE I GÜNTER NOSCH/FLAVIO CURY I TAMIKO THIEL und /p I FELIX WEINOLD

Analoge Arbeiten zum Thema GÖTZENDÄMMERUNG
Elke Dreier, Federico Delfrati, Judith Egger, Manuel Eitner, Amit Goffer, Judith Goldschmid, Gerhard Hahn, Zita Habarta, Nico Kiese / Bernhard Slawik, Vera Lossau, Günter Nosch in Zusammenarbeit mit Mounsif Chetitah, Susanne Pittroff, Susanne Thiemann, Tamiko Thiel, Felix Weinold.

Mit einer Präsentation von Ars Electronica

Die analoge Ausstellung wird im Anschluss in ein eigenes digitales Format überführt.

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