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„Baukultur braucht Mut“

© Michael Nagy / LHM © Michael Nagy / LHM
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Hingeschaut: Baukultur in München – so lautet der Titel der aktuellen Jahresausstellung in der Rathausgalerie. Wo genau soll in München denn hingeschaut werden, um gute und gelungene Baukultur zu sehen?

Prof. Dr.(I) Elisabeth Merk: Münchens Stadtbild ist geprägt von verschiedenen Baustilen, Bauformen, Gebäudetypen und Fassaden aus verschiedenen Jahrzehnten. Die Baukultur in München ist so vielseitig, wie die Stadt selbst, in der Innenstadt eine andere als am Stadtrand. Hingeschaut werden soll überall und ganz individuell. Im Kunstareal und der Innenstadt, den Quartieren wie die Messestadt Riem, Freiham oder dem Domagkpark, in der Platzgestalt oder der Infrastruktur – wer hinschaut, findet in ganz München tolle Beispiele für gelungene Baukultur.

Wie kam es zu dieser Ausstellung? Warum widmet sich Ihr Referat diesem Thema?

Baukultur, Stadtgestalt und Architektur sind in München schon immer wichtige Themen, über die ein reger Austausch stattfindet, ob zu einzelnen Gebäuden, Fassaden oder Plätzen. In der Ausstellung zeigen wir: Wie entsteht Baukultur, welche Rahmenbedingungen, Verfahren, Gremien und Akteure stehen dahinter. Der Blick für die räumliche und gestalterische Qualität soll geschärft werden. Wir möchten den Besucherinnen und Besuchern zeigen, dass die von Architektinnen und Architekten geschaffene Baukultur von vielen Akteuren geprägt wird - neben der Politik, den Investoren und der Verwaltung auch von den Bürgerinnen und Bürgern selbst. Gezeigt werden Projekte aus der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Jeder ist eingeladen sich seine Meinung über Baukultur zu bilden und sich zu fragen, wie nehme ich Baukultur wahr.

Aktuell wird die Münchner Architektur als besonders monoton, langweilig und grau beschrieben – zu Recht?

Architekturdebatten sind immer kontrovers. Die einen wünschen sich mehr spektakuläre Bauten, die anderen mögen es lieber leiser. Genehmigt wird, was baurechtlich zulässig ist. Heute versuchen wir, die Meinungen und Ideen vieler mit aufzunehmen: Stadtplanerinnen und -planer, Architektinnen und Architekten stehen gemeinsam mit der Politik, der Bürgerschaft und mit den Bauträgern in der Verantwortung für die Gestaltung unserer Stadt.

Was macht für Sie gute Baukultur aus?

Baukultur entsteht durch das Zusammenspiel vieler Akteure und Baukultur braucht Mut: Wichtig sind Architektinnen und Architekten, die bereit sind, für gute Qualität einzustehen, Bauherrn, die sich für die Umsetzung der architektonischen und städtebaulichen Ideen engagieren und ins Risiko gehen. Wesentlich sind die Bürgerinnen und Bürger. Sie kennen ihr Stadtviertel am besten und sollen bei Veränderungen mitreden und mitplanen, wie beispielsweise bei Bürgerworkshops, Informations- und Diskussionsveranstaltungen oder Online-Dialogen.

Haben Sie ein Herzensprojekt, ein Musterbeispiel gelungener Baukultur in München?

Ein besonders gelungenes Beispiel ist die Neugestaltung des Sankt-Jakobs-Platzes, weil hier mitten in der Stadt moderne Architektur harmonisch in das historische Zentrum eingebettet wurde. Ich überquere den Sankt-Jakobs-Platz seit Jahren mehrmals die Woche auf dem Weg zum Rathaus und genieße es jedes Mal wieder, die besondere Raumwirkung des Platzes, die Zeitschichten der städtebaulichen Architektur, die Gebäudematerialitäten, die Farben, das Licht - ein Platz zum Verweilen.

Was wünschen Sie sich für die Baukultur der Zukunft? Wie soll München in 20, 30 Jahren sein?

Für die Zukunft wünsche ich mir ein München, das weiterhin so lebenswert ist wie heute. Eine Stadt, die ihre Identität bewahrt hat, deren Baukultur sich über die Jahre hinweg weiterentwickelt hat und engagierte Bürgerinnen und Bürger, die ihre Stadt mitdenken und mitgestalten. Baukultur, Stadtgestalt und Architektur wird von vielfältigen Faktoren und unterschiedlichsten Akteuren geprägt, die alle ein gemeinsames Ziel haben: München soll auch 2050 eine charmante und moderne Weltstadt mit Herz sein.

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