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Kunst in Architektur

24. Februar 2015

Richtig High

Der Granit war in den ältesten Zeiten schon eine merkwürdige Steinart und ist es zu
den unsrigen noch mehr geworden. [...] Die ungeheuren Massen dieses Steins flößen
Gedanken zu ungeheuren Werken der Ägypter ein. Ihre Könige errichteten der Sonne
zu Ehren Spitzsäulen aus ihm, und von seiner rotgesprengten Farbe erhielt er in der
Folge den Namen des Feurigbunten. Noch sind die Sphinxe, die Memnonsbilder, die
ungeheuren Säulen die Bewunderung der Reisenden, und noch am heutigen Tage hebt
der ohnmächtige Herr von Rom die Trümmer eines alten Obelisken in die Höhe, die
seine allgewaltigen Vorfahren aus einem fremden Weltteile ganz herüberbrachten.


Eine denkwürdige Verbindung, stellt man die pyramidenförmige Spitze des Frankfurter Messeturms, dessen Fassade heute noch an den roten Mainsandstein erinnern soll, als zeitgemäße Entsprechung den ägyptischen Spitzsäulen gegenüber. J.W. von Goethe, der sich Zeit seines Lebens für Fossilien und Steine interessierte, reflektiert in seinem oben zitierten Text „Über den Granit" (1784) über die Beobachtungen, die er bei seinen ausgiebigen Bergwanderungen anstellt. Der Dichter sieht sich dabei auf „einem hohen nackten Gipfel sitzend und eine weite Gegend überschauend" in der alten Erfahrung bestätigt, dass zugleich „das Höchste und das Tiefste Granit sei".

Betrachtet man die aktuellen Arbeiten von Michael Rösch, die noch bis zum 23. März 2015 im 59th floor des Messeturms ausgestellt sind, so scheinen auch sie sich um die plötzliche Relativierung bzw. Angleichung der beiden Erfahrungsqualitäten des Höchsten und des Tiefsten zu beschäftigen. Eine wichtige Rolle mag hier sicherlich auch
spielen, dass Michael Rösch ausgiebig Zeit in den Bergen verbringt und den Blick auf ein tiefliegendes Flussdelta kennt. Ausgangsmaterial seiner künstlerischen Reflexion ist dabei weniger eine Gesteinsart. Vielmehr sind es die drei Träger Pappelholz, Leinwand und Ton. Ob es nun die Gemälde sind, auf denen sich schemenhaft die Figur Reinhold Messners oder des Künstlers Giovanni Anselmo auf dem Vulkan Stromboli abzeichnen, oder die plastischen Arbeiten, auf denen Miniaturschädel aus Keramik aufliegen: Es bleibt ungewiss, ob sich die Figuren auf ihrem Ab- oder Aufstieg befinden, ob die Holzarchitekturen das Ausstellungsobjekt oder vielmehr den Sockel darstellen. Es ist ein stetes Spiel mit der
Verdoppelung und Betrachtungsweise.

Die für diesen Ausstellungskontext hergestellten Werke werden zudem durch Arbeiten ergänzt, die aus einer langjährigen Beschäftigung des Künstlers hervorgehen. Es sind die Kopf- und Schädelstudien, die immer wieder den Blick auf das Selbst lenken, das Individuelle im Auf- und Untergehen im Seriellen untersuchen. Sei es in den Gemälden der isolierte
Hinterkopf, abgetrennt von dem Rest des Körpers, oder die gruppierten Tonköpfe in Miniaturansicht: Das Motiv der „Kopfgeburt" knüpft an Fragen der Selbstwahrnehmung an, löst den „höchsten Punkt" des menschlichen Körpers heraus und bestimmt damit stets aufs Neue die Koordinaten der räumlichen Seins-Bestimmung. Nicht zuletzt spielt der Ausstellungstitel „Richtig High" in ironischer Distanzierung auf den (Höhen)Rausch an – eine wirkungsvolle Droge, die nur auf der leichten Verschiebung von Wahrnehmungsperspektiven beruht. Denn was ist wirklich high: Bin ich es oder nur der
Gipfel?

Patricia Vidović

Michael Rösch über "Richtig High"

Der Turm, ein alles überragendes und scheinbar unverwüstliches Symbol von Macht und Stabilität.
Der Platz ganz oben, in der höchsten Etage, ist gerade auf Grund seines Entrücktseins ein Ort, der herausfordert und zum Betrachten einlädt.
Die Ausstellung in der 59ten Etage ermöglicht es mir, sowohl neue, durch den fantastischen Ort angeregte Arbeiten als auch über Jahre gewachsene Werkstränge zusammenzuführen.
So treffen aktuelle, Wolkenkratzern ähnelnde Pappelholzbauten (die Spitzen der Gesellschaft) auf schwergewichtige Steingutplastiken (Studien für einen Kopf), die seit Jahren Teil meines künstlerischen Schaffens sind. Die Malerei, zentraler Baustein der Ausstellung, beschäftigt sich mit dem menschlichen Maß. Was bedeutet es oben anzukommen, muss ich dort bleiben oder warte ich lieber unten?
Der runde Raum bietet die aufregende Möglichkeit, unterschiedliche Kunstwerke miteinander zu konfrontieren, aber seltsam losgelöst von der uns sonst so fordernden Schwerkraft.

Kontakt
Führungen und Öffnungszeiten auf Anfrage bei Michael Rösch unter:
mobil 0174.4532507
derroesch@t-online.de
www.michaelroesch-atelier.de

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