Zeitgenössische Architektur in Bayern

Buchtipps Heinsdorff

mobile spaces, Markus Heinsdorff (Hrsg.) – jovis Verlag

Transportabel, robust, schnell auf- und abzubauen, leicht zu reparieren und zu recyceln, dazu in verschiedenen Klimazonen einsetzbar – das waren die Anforderungen an die Pavillons, die Markus Heinsdorff für die Präsentation Deutschlands in Indien 2011-2013 und China 2007-2010 entworfen hat. „Mobile Spaces" präsentiert schwerpunktmäßig die unterschiedlichen Pavillontypen in Fotografien und Plänen, ergänzt durch Textbeiträge prominenter Autoren wie dem Kulturjournalisten und Architekturkritiker Dr. Gottfried Knapp oder Prof. Klaus-Dieter Lehmann, Präsident des Goethe-Instituts, in dessen Auftrag die Pavillons entstanden. Im Interview mit Christian Schittich, Chefredakteur der Architekturzeitschrift DETAIL, sagt Heinsdorff, sein Leitgedanke sei es gewesen, mit den Möglichkeiten des jeweiligen Landes zu arbeiten. Er meint damit nicht nur die äußeren Bedingungen wie Infrastruktur, Ausstattung und technische Gegebenheiten, sondern wirft vor allem einen genauen Blick auf den kulturellen Kontext. So hat er für die Indien-Pavillons den Brauch aufgegriffen, Zelte für alle möglichen Festivitäten aufzuschlagen, und sie entsprechend textil gestaltet. Für die China-Pavillons griff Heinsdorff auf den vor Ort in Vergessenheit geratenen Traditionsbaustoff Bambus zurück. Dipl. Ing. Knut Göppert, Partner und Gesellschafter des an der Umsetzung maßgeblich beteiligten Ingenieurbüros schlaich bergermann und partner gibt einen Einblick in die anspruchsvolle Pavillon-Tragwerksplanung und die speziellen Herausforderungen bei Fertigung und Montage im Ausland. Im Hinblick auf die zunehmende Urbanisierung aber auch als Lösungsansatz für schnell zu errichtende Unterkünfte nach Umweltkatastrophen sieht Heinsdorff das Thema ‚mobiler Raum' als ein spannendes Thema in der Architektur. Mobile Spaces gibt dementsprechend einen Ausblick auf weitere Bau-Experimente des Münchner Installationskünstlers und Konstruktionsdesigners. Zum Beispiel ein Falthaus, das sich als in den Bäumen aufgehängte Beobachtungsstation im Regenwald ebenso eignet wie für Wanderarbeiter, die ihre Unterkunft auf dem Rücken mit sich tragen können. Oder ein low-cost Hauskonzept, bei dem Gabionen – Drahtkörbe – zu Mauern aufeinandergeschichtet und mit gereinigtem Müll – etwa Plastikflaschen – befüllt werden können.

 

Die Bambusbauten, Markus Heinsdorff (Hrsg) – Hirmer Verlag

Wer mehr über Bauen mit Bambus wissen möchte, kann in „Die Bambusbauten" von Markus Heinsdorffs Erfahrungen bei der Umsetzung des von ihm entworfenen Deutsch-Chinesischen Hauses auf der Expo 2010 in Shanghai profitieren. Das Projekt sorgte damals für Aufsehen, denn zum ersten Mal wurden dort Bambus-Naturrohr und Bambus-Laminat zu einer modernen Konstruktion kombiniert. Bambus erinnerte nicht mehr an traditionelle Bauweisen, sondern stand im Kontext einer organischen Architektur von Baumeistern wie Santiago Calatrava oder Dominique Perrault. Ausführlich dokumentiert der Band in Bild und Text die Planung und Realisierung des Pavillons und zeigt die Ideologie, die in dessen Architektur steckt. Weitere Beiträge behandeln sowohl allgemein den Rohstoff Bambus als auch Architektur und Design mittels Bambus. Vorgestellt werden in dem Buch aber auch weitere Kunstbauten und begehbare Installationen aus Bambus von Markus Heinsdorff – unter anderen das Skyplace, ein Luftschiff gebaut in Bali, ein Baumhaus in der Krone eines Urwaldbaums und ein selbstnachwachsender Dome, beides in Chiang Mai Thailand.