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2. Tutzinger Erklärung

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19. Januar 2017

Noch mehr Platz für Alle – 150 Münchnerinnen und Münchner verhandelten am Wochenende... in der ausgebuchten Ev. Akademie Tutzing die „2. Tutzinger Erklärung" zum Thema „mehr bezahlbarer Wohnraum und gute Zwischenraumnutzungen für die große Stadt München”.

Protagonisten aus Wissenschaft, Kulturbetrieb und Stadtpolitik, Vereinsvertreter, Künstler und engagierte Bürger dachten, redeten und (be)schrieben in Workshops, während des Mittagessens und bei abendlichen Salongesprächen, wie sich München in den kommenden Jahren weiterentwickeln soll. Es entsteht ein „bürgerschaftlicher Stadtentwicklungsplan”, an dem schon seit Monaten vorbereitend gearbeitet wurde und der nun fertigverhandelt wird. In etwa zwei Monaten sollen die Ergebnisse in Form der „2. Tutzinger Erklärung” dem Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter, Bürgermeister Josef Schmid sowie an die Fraktionsvorsitzenden des Münchner Stadtrats überreicht werden.

In München fehlt ein klarer Wille, nicht das Geld

„Nachdem große Teile der „1. Tutzinger Erklärung” zum Thema Öffentlicher Raum 2014 Eingang in das Konzeptgutachten „Freiraum 2030" des Planungsreferats gefunden haben, sind wir zuversichtlich, auch dieses Mal mit unseren Zielvorgaben, Strategievorschlägen und Projektideen zu den Themen bezahlbarer Wohnraum, Stadtfinanzen und Kulturwirtschaft bei den Politikern auf offene Ohren zu stoßen”, sagt Benjamin David von den urbanauten, Mitinitinitiator der Veranstaltung. Es fehle in München nämlich nicht an Geld oder Flächen, sondern an einem klar definierten Willen – auch seitens der Bürger. „Deshalb machen wir diese Veranstaltung, um den Politikern einen Orientierungsleitfaden an die Hand zu geben.”

Er gibt ein Beispiel: „Wenn der Bund Naturschutz fordert, die Grünflächen zu schützen und die Architekten mehr bezahlbaren Wohnraum anmahnen, wird das in der Politik als widersprüchlich wahrgenommen. Das ist es aber nicht. Man muss allerdings gemeinsam nach Lösungen suchen, sonst klappt das nicht.”

Impulsgeber und Politiker im kreativen Dialog

„Es gibt sonst keine Veranstaltung, bei der so viele hochkarätige Teilnehmer aus den unterschiedlichsten Bereichen im Dialog zusammenkommen, nicht einmal bei der Wohnbaukonferenz”, sagt Dr.-Ing. Agnes Förster, Architektin vom Studio | Stadt | Region und Referentin eines der sechs Workshops. Mit von der Partie sind tatsächlich mit die spannendsten zivilgesellschaftlichen Akteure, die München gerade aufbringt: Max Heisler vom Bündnis bezahlbares Wohnen, Christian Stupka, Vorstandsmitglied WOGENO München eG, Rauno Andreas Fuchs von Green City, einer der spannendsten Münchner Konzeptkünstler Konstantin Landuris, Thorsten Kellermann vom Bund Naturschutz oder Markus Sowa und Christian Hadaller von der Kooperative Großstadt, die zunehmend die Diskurse um die Zukunft der großen Stadt München prägen.

Gleich auf dem Auftakt-Podium kamen am Freitag die Protagonisten mit den beiden entscheidenden Stadtministern ins Gespräch: Stadtbaurätin Prof. Elisabeth Merk und Stadtkämmerer Dr. Ernst Wolowicz. Am Sonntag vormittag trafen die Tagungsteilnehmer dann auf die stellvertretenden Fraktionsführungen der Stadtratsparteien: Katrin Habenschaden (Die Grünen-rosa liste), Gabriele Neff (FTB). Ebenfalls auf dem Schlusspodium fanden sich Wolfgang Wittmann von der Metropolregion München, Gemeinderatsmitglied aus Oberschleißheim Dr. Markus Büchler (Grüne) und Frau Lenz-Aktas (SPD) vom Kreistag München.

Erste Ergebnisse mit spannenden Ansätzen

Bei der abschließenden Präsentation aus den Denk- und Schreibrunden wurden erste spannende Projektideen und Strategieansätze vorgestellt, die jetzt weiter ausformuliert und in Form gebracht werden. Darunter ein Wunsch an die Stadt: die Akzeptanz für das „Handeln auf Probe”. So könnte zum Beispiel ein „genehmigungsfreier Tag für Aktionen im öffentlichen Raum” initiiert werden oder ein „Stuhlfest”, bei dem ein öffentlicher Raum bestuhl wird und dann schaut man einfach, was passiert – nach dem Motto „Stadt auf Zeit” statt „Raum auf Zeit”. Weiter wird die Reduzierung des motorisierten Individualverkehrs auf 20% angeregt, mit einer Verteilung von Mobilitätsstationen über den gesamten Stadtraum, die dann als Quartierstreffpunkt dienen können – inkl. Kaffeeautomat, Infopoint und Mietmöglichkeit von Lastenrädern. Auch das Parkraummanagement könnte verbessert werden, mit einer gezielteren Parkhausnutzung durch Mehrfachbelegung zu unterschiedlichen Zeiten. Der gewonnene Straßenraum sollte dann für Fußgänger attraktiver gemacht werden mit breiteren Wegen, mehr Grün und Bänken. Mittels solcher Maßnahmen werde nicht zuletzt eine „Kultur des Miteinander” gefördert.

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