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Interview: Ein Holzbau im Herzen der Metropole

Interview: Ein Holzbau im Herzen der Metropole
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14. Januar 2015

Sechs Antworten zum Wohnprojekt an der Rheinstraße 14 in München.

Herr Ziller, welche Bedeutung hat Holz?
Es ist ein lebendiges Material, das dem Menschen sehr nah ist. In Form eines Baumes sowieso, aber seit jeher auch als Baustoff für Boote, für Möbel oder eben in der Architektur. Holz ist etwas, dass wir gerne anfassen. Ein Material, dass man auf viele Weisen einsetzen kann. Glatt oder rau. Gerade oder gebogen.

Im direkten Vergleich mit Beton schneidet Holz besser ab. Hat Sie das überrascht?
Nein, ich habe eine Schreinerlehre absolviert und kenne die Stärken dieses Werkstoffs. Und was noch wichtiger ist: Holz hat emotional einen ganz anderen Wert als ein Ziegelstein.
Aber Holz ist nicht immer überlegen, es hat auch Grenzen, wenn es beispielsweise um Höhe und Tiefe geht. Für einen Wolkenkratzer oder eine Tiefgarage bleibt vorerst Beton der Werkstoff der Wahl. Aber für mich gilt in der Architektur nicht das entweder oder, sondern das sowohl als auch.

Hätten Sie dieses Gebäude auch so entworfen, wenn die Entscheidung nicht auf Holz als Werkstoff gefallen wäre?
Zum Glück ist die Ideologie vorbei, dass etwas anders aussehen muss, wenn es aus Holz gebaut wird. Ja, ich hätte dieses Haus mit Mauerwerk fast genau so gestaltet.

Was hat Sie an diesem Projekt besonders gereizt?
Die Möglichkeit, urban zu arbeiten. Es ist ja kein Bau auf der grünen Wiese, sondern es ging darum, sich in eine bestehende Situation einzugliedern, etwas zu verbessern. Früher standen in dem Innenhof Autos, nun ist es ein bewohnbarer Raum geworden. Und ich sehe Holz als Werkstoff der Zukunft. Holz ist sicher nicht für jedes Haus geeignet, aber als Teil des Ganzen wird es zukünftig ein größeres Gewicht bekommen.

Es handelt sich bei diesem Projekt um das erste innerstädtische Passivhaus aus Holz in Deutschland. Was ist anders als bei einem klassischen Bau?
Man muss sehr viel akribischer planen, weil viele Elemente in der Werkstatt vorgefertigt werden. Da kann man nicht später noch einmal Beton aufgießen, wenn etwas schief gelaufen ist. Spannend dabei ist: Als wir vor Ort an der Baustelle begonnen haben, lag der Großteil der Arbeit bereits hinter uns, da die Elemente nur noch zusammengesetzt werden mussten. Es ist einfach schön, da man mit vielen Handwerkern zusammenarbeitet. Das sind ja Zimmerer, die etwas von ihrem Fach verstehen.

Für wen ist dieses Haus?
Es ist sicher eine emotionale Entscheidung. Ich bin ja der Meinung, dass zukünftig nicht mehr das Auto oder das Handy ein Statussymbole sind, sondern auch die Art des Wohnens. Dass man in einem Haus leben möchte, das sich vom Standard abhebt. Ein Haus, das weniger Energie verbraucht, aus einem regionalen Werkstoff besteht, der recycelbar ist. Es ist vergleichbar mit der Entwicklung bei Lebensmitteln. Wir haben die Wahl, daher stellt sich doch die Frage: Was ist es mir wert, meiner Persönlichkeit Ausdruck zu verleihen?

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