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ARRI-Gelände München

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08. Oktober 2013

Der Einladungswettbewerb zum ehemaligen ARRI Gelände in der Theresienstraße wurde entschieden...

Bis vor kurzem wurden im Hof des Wettbewerbsgrundstücks Theresienstraße 71a/75 in München noch die weltberühmten und vielfach preisgekrönten Filmkameras von ARRI gefertigt. Mit der Verlagerung der Produktion steht das Gelände nun für eine neue Nutzung zur Verfügung.

In bester Lage in der Maxvorstadt, in der Nähe der Münchner Altstadt, sollen hier in einer gut durchgrünten Anlage hochwertige Wohnungen mit ausgezeichneter Wohnqualität entstehen. Zudem soll die Möglichkeit einer Kindertageseinrichtung mit Außenspielbereich geprüft werden. „Qualifizierte Verdichtung" lautet das Thema, mit dem dieser neue Baustein in die historische Blockstruktur der Maxvorstadt integriert werden soll.

Zusammen mit dem Hofgelände sollen auch die beiden Vorderhäuser an der Theresienstraße überplant werden. Alte Wohnhäuser sollen durch neue Gebäude ersetzt werden. Die Stellplätze für Hof- und Straßenbebauung sollen in einer gemeinsamen Tiefgarage untergebracht werden.

Gesetzte Teilnehmer des Wettbewerbs waren:

- Allmann Sattler Wappner Architekten, München
- BKLS Architekten und Stadtplaner, München
- delaossaarchitekten, München
- Maisch Wolf Architekten, München
- Palais Mai Architekten, München

Wettbewerbsergebnis:

1. Preis
- PALAIS MAI , Architekten BDA, München
- grabner + huber landschaftsarchitekten partnerschaft, Freising

2. Preis
- Allmann Sattler Wappner Architekten, München
- realgrün Landschaftsarchitekten, München
- Knippers Helbig Advanced Engineering, Stuttgart, New York City
- Transsolar Energietechnik GmbH, Stuttgart, München, New York, NY, Paris

3. Preis
- Maisch Wolf Architekten, München
- Rainer Schmidt Landschaftsarchitekten, München, Berlin


Beurteilung durch das Preisgericht
(Marko Goetz, Prof. Dr. Thomas Jocher, Peter Kupferschmidt, Heiner Luz , Prof. Dr. Elisabeth Merk)

Die städtebauliche Grundidee von verschränkten Höfen und Passagen, die zum einen durch den Anbau an bestehende Brandwände und zum anderen durch den solitären Schlußstein mit seiner polymorphen Ausbildung erfolgt, erscheint zwangsläufig und zielführend. Die Höhenentwicklung mit 3 bis 5 Geschossen ist angemessen und im Quartier verträglich. Die Anordnung der Gebäude mit ihren Öffnungen schafft Blickbeziehungen. Trotz punktueller Unterschreitung der Abstandsflächen bietet der Entwurf Durchblicke im eigenen Grundstück und zu den Nachbarn, die die Enge erträglich erscheinen lassen.

In der Verlängerung der Schwindstraße könnte der Entwurf beim Haus Theresienstraße 75 zur Adressbildung des neuen Wohnquartiers eine deutlicher akzentuierte Gestaltung vertragen. Die Planung der straßenseitigen Fassaden berücksichtigt das Baudenkmal mit seiner Neorenaissance- Stuckfassade aus dem Jahr 1870 – 80 durch die Aufnahme der Trauf- und Firsthöhen, der Mansardendachform, der ruhigen Lochfassade und der relativ zurückhaltenden Dachgauben.

Die Orientierbarkeit und Auffindbarkeit der Zugänge zu den Wohngebäuden ist mit den zwei Erschließungssträngen und dem Durchgang durch den Solitär gut gelöst.

Lage und Anordnung der Räume der Kindertagesstätte erscheinen sinnvoll. Die Belichtung ist gut, und es wird eine für die innerstädtische Lage gut nutzbare Außenspielfläche angeboten.

Die vorgeschlagenen Grundrisse als Mehrspänner bieten ein vielfältiges Wohnungsangebot mit jeweils zugeordneten kleinen Freibereichen an. Kritisch wird in manchen Teilbereichen des Erdgeschosses die Anordnung von Schlafräumen in unmittelbarer Nähe der Hauptzugänge gesehen.

Der Vorschlag des Balkonsaums mit einer Tiefe von ca. 60 cm sowie die Ausbildung der Fassade mit einheitlichen Lisenen und Faschen bilden für das Wohngebiet einen eleganten Gesamtzusammenhang. Mit der vorgeschlagenen Farbnuancierung wird aber erreicht, dass Einzelhäuser ablesbar bleiben.

Die Tiefgarage funktioniert, sie korrespondiert aber nicht zwangsläufig mit den Hochbauten.

Die Bebauung im östlichen Grundstücksbereich wirft erhebliche Probleme hinsichtlich der Abstandsflächen zu den Nachbargrundstücken auf.

Insgesamt erscheint der Wettbewerbsbeitrag hinsichtlich seiner Wirtschaftlichkeit und Realisierbarkeit gut durchdacht.

Durch die Bebauung entstehen mit Passagen und Höfen spannungsvolle Raumabfolgen. Auf „harte" Abgrenzungen zwischen privaten und gemeinschaftlich nutzbaren Flächen wird bewusst verzichtet. Diese fließenden Übergänge zwischen privaten und gemeinschaftlich nutzbaren Freiflächen stellen einen bemerkenswert wertvollen Beitrag für die Aneignung und Ausgestaltung von Freiflächen im dicht bebauten Stadtquartier dar. 

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