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Zwischenbilanz in Dachau

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01. August 2013

Vor einem Jahr, am 25. Juli 2012, nahm die Dachau Entwicklungsgesellschaft mbH (DEG) offiziell ihre Arbeit auf. Anlässlich dieses Jubiläums zog das Unternehmen nun im Rahmen eines Pressegesprächs eine positive Zwischenbilanz.

„Wir sind vorsichtig optimistisch, dass die Umwandlung des MD-Geländes in ein lebendiges Stadtquartier, das auch zur Belebung der Dachauer Altstadt beitragen wird, gelingen kann", so Herbert R. Ullmann, Geschäftsführer des Joint Ventures, das vor einem Jahr von den Alteigentümern der Myllykoski Oy und dem Dachauer Bauträger ‚Ihr Eigenheimprofi' gegründet wurde, um die ca. 17 ha große Industriebrache im Zentrum Dachaus zu entwickeln. Zwar sei die wichtigste Frage, ob sich dieses „Jahrhundertprojekt" tatsächlich wirtschaftlich realisieren lasse, nach wie vor nicht geklärt, „aber wir sind immerhin auf einem guten Weg", so Ullmann.

Keinen Zweifel lassen die Initiatoren der DEG daran, dass innerhalb des Joint Ventures alle Beteiligten an einem Strang ziehen. „Die finnischen Grundstückseigentümer stehen ebenso wie ‚Ihr Eigenheimprofi' als erfahrener Projektentwickler mit lokalem Know how geschlossen hinter den Planungen," so Dr. Benjamin Waitz, juristischer Berater der Eigentümerfamilie. Die Gespräche mit der Stadt Dachau, die inzwischen im Bebauungsplanverfahren die weiteren Planungen auf Basis des Siegerentwurfs aus dem städtebaulichen Ideenwettbewerb übernommen hat, verlaufen konstruktiv. Nach wie vor fehlen allerdings klare Aussagen zu wichtigen Planungsdetails. Zu den erfreulichen Begleitumständen des ersten Jahres zählt man innerhalb der DEG die überwiegend positiven Rückmeldungen aus der Dachauer Bevölkerung: „Ich denke es gibt kaum einen Dachauer, der nicht will, dass diese hässliche Brache im Zentrum unserer Stadt endlich verschwindet", so Ullmann. „Und es besteht offensichtlich Konsens darüber, dass wir in der jetzigen Konstellation eine einmalige Chance haben, diese Mammutaufgabe auch tatsächlich zu bewältigen.

"Mehr als 50 Spezialisten, darunter Fachplaner, Architekten, Landschaftsplaner, Gutachter, Zeichner, Marketing- und Finanzexperten, arbeiten mittlerweile an der Realisierung des neuen Mühlbachviertels, das auf dem MD-Gelände entstehen soll. Allein in den ersten zwölf Monaten investierte die DEG einen hohen sechsstelligen Betrag in das Projekt. Hier die wichtigsten Ergebnisse und Meilensteine des ersten Jahres im Überblick:

Städtebauliches Rahmenkonzept
Im November 2012 reicht die DEG ein städtebauliches Rahmenkonzept als Beschlussvorlage für den Dachauer Stadtrat ein. Der Entwurf wurde vom Darmstädter Architekturbüro Trojan Trojan + Partner erarbeitet und basiert auf dem Siegerentwurf aus dem städtebaulichen und landschaftsplanerischen Ideenwettbewerb aus dem Jahr 2007. Herausragende Merkmale des Konzepts sind unter anderem die Öffnung des Geländes zur Altstadt über das Mühlenforum, die Offenlegung des Mühlbachs, die Schaffung ausgedehnter Grünflächen, die Verwendung von unterschiedlichen Gebäudetypologien zur Auflockerung der Wohngebiete sowie eine große Flexibilität hinsichtlich der künftigen Nutzung. Außerdem werden verschiedene Varianten zur Erschließung und Verkehrsführung vorgestellt.

Fragenkatalog DEG
Mit dem sogenannten Masterplan legte die DEG auch einen Katalog mit 25 Fragen an die Stadt Dachau vor, deren Beantwortung für die weitere Entwicklung entscheidend ist. Zu einer ganzen Reihe dieser Fragen hat sich die Stadt Dachau bislang nicht oder nur ganz allgemein geäußert. Eine umfassende Beantwortung soll aber demnächst erfolgen.

Altlasten
Anders als frühere Investoren, die nach einer ersten Prüfung Abstand von dem Projekt nahmen, strebt die DEG eine vollständige Dekontamination des Geländes und die Beseitigung sämtlicher Altlasten an. Im Januar 2013 erklärt das zuständige Ingenieurbüro ACI im Rahmen eines Pressegesprächs im Detail, was das bedeutet: Zwischen 300.000 bis 450.000 Kubikmeter Boden müssen abgetragen werden. Dazu kommen tausende Kubikmeter an Bausubstanz aus dem Rückbau. Die Experten stellen fest: Eine Entwicklung des Areals ist nur von Süd nach Nord sinnvoll.

Wasserturm
Die DEG beauftragt im Januar 2013 das Münchner Sachverständigenbüro Bulicek + Ingenieure damit, den Zustand des 33 Meter hohen Wasserturms zu untersuchen. Ergebnis: Das seit 2007 nicht mehr genutzte Gebäude ist nicht mehr verkehrssicher, die Standfestigkeit erheblich beeinträchtigt. Daraufhin veranlasst die DEG umfangreiche Maßnahmen zur temporären Sicherung und Gefahrenabwehr. Der Bauausschuss der Stadt Dachau spricht sich in der Sitzung vom 18. Juni 2013 mehrheitlich für den Erhalt des Wasserturms aus.

Papiermuseum
Die DEG setzt sich für den Erhalt des Papiermuseums auf dem Gelände ein. Sie lädt im April zu einer Führung durch die bestehenden Räume ein, an der auch Vertreter der Stadt Dachau teilnehmen. Im Juni 2013 gründet sich auf Anregung der DEG eine Initiative, die sich für dafür einsetzt, dass die 150-Jährige Geschichte der MD-Papierfabrik erhalten bleibt. Sprecher der Initiative sind Fritz Thoma, Josef Baur und Dr. Helmut Leyerer.

Finanzierung
Im März 2013 stellt die DEG ihr Finanzierungskonzept für Abriss, Dekontamination und Erschließung des alten MD-Geländes vor. Mehrere Banken hatten der DEG dazu schriftliche Zusagen gegeben, dass sie die Finanzierung der Kosten übernehmen würden. Voraussetzung dafür ist allein, dass rechtskräftiges Baurecht auf der Basis des vorliegenden Konzepts von Trojan Trojan + Partner geschaffen wird und ein Nachweis über die Kostensicherheit von Abriss, Altlastenbeseitigung und Erschließung vorliegt. Die Banken erklären sich zudem bereit, alle Verpflichtungen, die sich für die DEG aus dem städtebaulichen Vertrag ergeben, über eine verlässliche Bankbürgschaft abzusichern.

Führungen über das MD-Gelände
Im Herbst 2012 lädt die DEG die Dachauer Bevölkerung dazu ein, sich selbst einen Eindruck vom Zustand des MD-Geländes zu verschaffen, das für die Öffentlichkeit seit Jahren gesperrt ist. Die Nachfrage nach den angebotenen Führungen ist groß. Und der Tenor angesichts der enormen Altlasten und Baumassen eindeutig: „Da habt ihr euch was angetan." Der Dialog mit der Bevölkerung wird fortgesetzt: Für den Herbst 2013 plant die Stadt Dachau eine öffentliche Informationsveranstaltung zum aktuellen Stand der Planungen.

Website
Seit Mai 2013 ist das Mühlbachviertel auch im Internet zu finden. Die im Auftrag der DEG erstellte Website www.muehlbachviertel.com enthält alle wichtigen Informationen über das Gelände, den aktuellen Stand der Planungen und die Historie des Standorts.

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