Zeitgenössische Architektur in Bayern

So wird das was!

Veranstaltungen 9.–12. März: Bezahlbarer Wohnraum – wie machen wir das? Verschiedene Initiativen schlagen Lösungen vor.

„Integration beginnt beim Wohnen", sagt Reiner Nagel, Vorstandsvorsitzender der Bundesstiftung Baukultur. Und: „Am Schlimmsten ist ein dauerhaftes Provisorium." Oder in den Worten des Landesvorsitzenden des Bundes Deutscher Architekten (BDA) Karlheinz Beer: „Container-Landschaften sind kurzfristig sinnvoll, aber langfristig keine Lösung." Das Problem: Der große Flüchtlingsstrom zwingt viele Kommunen, rasch zu reagieren – meist in Form von Containerbauten. Doch parallel dazu muss ein auf Dauer ausgelegter, bezahlbarer und dabei qualitätvoller Wohnraum entstehen, der an vielen Orten benötigt wird – und zwar nicht nur für Flüchtlinge. 

Seit Herbst 2015 haben sich Experten aus Planungs- und Bauberufen sowie Wissenschaftler und Studenten in verschiedenen Initiativen auf den Weg gemacht, Lösungen für die aktuellen Herausforderungen im Bereich des Wohnens zu entwickeln. Knapp ein halbes Jahr später laden nun zentrale Architektur- und Wohnraum-Initiativen zu einer ersten gemeinsamen Bestandsaufnahme. In Vorträgen, Workshops und Ausstellungen werden vom BDA Bayern, der Bundesstiftung Baukultur, dem Deutschen Werkbund (DWB) Bayern e.V., der Hans Sauer Stiftung und der Architekturgalerie München e.V. konzeptionelle Ansätze diskutiert, konkrete Projekte vorgestellt und Wege für die rasche Umsetzung neuer Wohnraumkonzepte gesucht.

Mit dem umfassenden Blick auf das Thema - aus Theorie, Forschung und Praxis - wollen die Initiatoren helfen, schnell bezahlbaren Wohnraum - für Flüchtlinge und alle anderen, die ihn brauchen - zu schaffen. Dabei steht im Sinne der Baukultur menschenwürdiges Wohnen, Integration und hohe Nutzungs- und Gestaltungsqualität im Mittelpunkt. So kann die Chance genutzt werden, die aktuellen Herausforderungen an die Planungs-, Bau- und Immobilienbranche mit richtungsweisenden Wohnungsbauprojekten zu meistern.

Positive Beispiele gibt es: Murnau etwa hat ein ehemaliges Krankenhaus, das seit fünf Jahren leersteht, in eine Wohnanlage für Asylsuchende sowie einen Standort für Gewerbetreibende und Kreative umgewandelt. Die ersten Bewohner sollen im April einziehen. In München sind insbesondere Genossenschaften aktiv: So hat 'Bellevue di Monaco' drei bestehende Häuser an der Müllerstraße für ein integratives Projekt genutzt. „Es gibt viele gute Ansätze. Was wir jetzt brauchen, ist Flexibilität, was Baurecht und Brandschutz angeht, damit relativ kurzfristiges Bauen möglich wird", fordert Nicola Borgmann, Leiterin der Architekturgalerie München.

An dem Diskurs beteiligen sollen sich alle gesellschaftlich relevanten Gruppen: Von den Planern und Grundstücksbesitzern über die Behörden bis hin zu den „normalen" Bürgern. Denn „integrative Wohnbauprojekte müssen von der gesamten Bevölkerung akzeptiert werden, damit sie funktionieren", sagt Julia Hinderink, Kuratorin der Projektwerkstatt 'Flucht nach vorne'.

Das Programm im Überblick:

Seit 29. Februar im BDAtalk: „Flucht nach vorne – eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe?" 

Mittwoch, 9. März: Wir machen das! – 'Wohnraum für alle' meets 'Home not Shelter'
Ausstellungseröffnung in der Architekturgalerie München, Türkenstraße 30, 19.00 Uhr

Donnerstag 10. März: Flucht nach vorne
Abendempfang im Munich Center of Community Arts, Kreativquartier München, Schwere-Reiter-Straße 2, 18.00 Uhr

Freitag, 11. März: Flucht nach vorne
Werkstatt und Input-Vorträge im Museum Fünf Kontinente, Maximilianstraße 42, 9.30–17.30 Uhr

Samstag, 12. März: Wohnraum für alle
Open Space mit Präsentation, Projektbörse, Barcamp in der Aula der Hochschule München, Karlstraße 6, 11.00–17.00 Uhr

ab Mittwoch, 16. März stellen 12 weitere Baugemeinschaften und Genossenschaften ihre Projekte unter dem Motto Keine Angst vor Partizipation im Architekturmuseum der TU München aus.

 

Münchenarchitektur ist Medienpartner der Initiative WOHNRAUM FÜR ALLE