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Für die Zukunft des Architektenberufs

Das Fünfpunkteprogramm des BDA Bayern zur Kammerwahl - Im Gespräch mit Karlheinz Beer, Georg Brechensbauer, Andreas Emminger, Walter Landherr, Lydia Haack und Jörg Heiler

Der BDA Bayern geht mit besonderem Engagement in die Wahl zur Vertreterversammlung der Bayerischen Architektenkammer 2016. Bereits jetzt gibt es ein Team, das zusammen mit Karlheinz Beer als Spitzenkandidat die Positionen des BDA in die Diskussion um die Inhalte und Ziele der zukünftigen Kammerarbeit einbringt. Welche Ziele verfolgen Sie gemeinsam?

Karlheinz Beer
Das Spitzenteam soll den Dialog öffnen – vor allem auch zu anderen Verbänden und zu nicht verbandsgebundenen Architektinnen und Architekten. Denn die Themen, die Relevanz für unsere tägliche Arbeit haben, sind Themen, die den ganzen Berufsstand bewegen. Wir möchten unsere Kammer mit Landschaftsarchitekten, Innenarchitekten, Stadtplanern und anderen Verbänden wieder in Schwung bringen.

In einem Fünfpunkteprogramm fassen sie ihre Ziele und Positionen prägnant zusammen (www.bda-kammerwahl.de). Darin steht, dass Sie der Arbeit der Bayerischen Architektenkammer eine neue Richtung geben wollen. Wie sieht diese Richtung aus?

Andreas Emminger
Ich denke, dass es in der Bayerischen Architektenkammer auf eine Kultur der Transparenz und kollegialen Zusammenarbeit ankommt. Wir haben Arbeitsgruppen des Vorstandes der Kammer, die ganz hervorragende inhaltliche Grundlagen der Kammerarbeit entwickeln. Diese müssen in den entscheidenden Situationen zuverlässig Eingang in die Handlungen der verantwortlichen Gremien finden.

Georg Brechensbauer
Der Berufsstand hat nach wie vor etliche Sicherungssysteme im gesellschaftlichen Sinne. Wir haben noch eine Honorarordnung mit Beschränkung der Honorare nach oben und transparenten Leistungen im Sinne von Verbraucherschutz, ein Vergaberecht mit objektiven Bewertungskriterien, wenn sie richtig angewendet werden, und als freier Berufsstand können wir als Treuhänder für unsere Bauherrn agieren. Diese Dinge gilt es nicht nur im eigenen Interesse zu bewahren. Dazu müssen wir gemeinsam und vernetzt vorgehen, müssen Ziele formulieren und nicht erst im Zugzwang auf Probleme reagieren.

Jörg Heiler
Ich glaube, dass Architektur, Bauen, Planen grundsätzlich politisch ist. Gesellschaftspolitisch, nicht parteipolitisch. Und derzeit wird in der Kammer so getan, als wenn die Kammer, weil sie eine Körperschaft des öffentlichen Rechts ist, sich politisch neutral verhalten müsste. Das kann Architektur aber gar nicht leisten, weil der Eingriff, für den sie steht, auch politisch ist.

Karlheinz Beer
Die Architektenkammer ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts und damit eigentlich die privilegierte Institution, um die Interessen der Architektenschaft zu präzisieren und zu vertreten. Vor dem Hintergrund hat unsere Kammer auch Haltung zu beziehen. Sie muss Zielrichtungen formulieren und diese im Interesse des Berufsstandes voraus denken.

Jedes Mitglied dieses Teams hat einen speziellen Schwerpunkt, eine besondere Kompetenz. Walter Landherr und Georg Brechensbauer beispielsweise haben als Schwerpunkte Wettbewerbswesen und Vergabeverfahren. Welchen Stellenwert haben diese in dem Fünfpunkteprogramm?

Walter Landherr
Die Vergabeverfahren haben sich leider dahingehend entwickelt, dass gerade die kleinen Bürostrukturen und die jungen Büros vom Zugang zum Markt weitgehend ausgeschlossen werden. Wir haben hier in Deutschland aber eine Kultur der kleinen Büros: 95 Prozent der Büros haben weniger als 10 Mitarbeiter! Wenn wir die bei öffentlichen Aufträgen nicht mehr am Markt beteiligen, kommt es zu einer starken Konzentration der großen Büros. Das Rückgrat für unsere Kultur und auch für unsere Wertschöpfungskette sind aber nun mal die mittleren Bürogrößen.

Georg Brechensbauer
Um diesen Büros bei der Vergabe von öffentlichen Aufträgen eine Chance zu verschaffen, engagieren wir uns in Gremien, die vernetzt mit Kammern, Verbänden und Politik Einfluss nehmen können.

Einer der fünf Punkte in Ihrem Wahlprogramm bezieht sich auf den Status und die Arbeitsbedingungen der angestellten Architektinnen und Architekten. Warum ist es aus Ihrer Sicht wichtig, dass die Kammer sich entschlossener für deren Interessen einsetzt?

Andreas Emminger
Ein Großteil der von unserem Berufsstand erbrachten Leistungen entsteht im Team. Wir müssen dafür sorgen, dass unsere Angestellten eine Position bekommen, die sie hinsichtlich der Leistungsfähigkeit, der Fort-, Ausbildungs- und vor allen Dingen Entwicklungsmöglichkeiten besser stellt, als es aktuell der Fall ist. Gerade auch den angestellten Architekten, die häufig als Vertreter öffentlicher und institutioneller Bauherren agieren, kommt eine zunehmend große Verantwortung zu. Wir haben bislang viele Steuerungsaufgaben an juristisch ausgebildete Bauherrenvertreter abgegeben und da ist viel zu wenig Sachkenntnis für die Komplexität der Bau- und Planungsprozesse vorhanden.

Das klingt nach großen Aufgaben, dafür braucht man auch einen engagierten Nachwuchs. Frau Haack, Ausbildung und Förderung des Nachwuchses sind ihre Kernkompetenzen im Wahlteam – was sind Ihre diesbezüglichen Forderungen?

Lydia Haack
Eine fundierte Ausbildung ist wichtiger denn je. Nur durch ein ausgewogenes Studium und ausreichend Praxiserfahrung werden Architektinnen und Architekten befähigt, ihren Beruf auf dem erforderlichen hohen Niveau auszuüben um auch so den gesellschaftlichen Herausforderungen wie bspw. Migration, Wohnungsknappheit und anderen gesellschaftlichen Veränderungen begegnen zu können.

Die Position des berufsständischen Nachwuchses und die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Architektinnen und Architekten muss insgesamt und besonders auf dem europäischen Markt gestärkt und nicht durch die Senkung von Ausbildungsstandards im internationalen Vergleich geschwächt werden.
 Einen deutschen Sonderweg mit verkürzter Ausbildung, wie er derzeit diskutiert wird, halte ich daher nicht für zielführend.

Zum anderen ist da das Thema der Fortbildung. Da haben wir auch im Berufsstand große Diskussionen, weil man versucht, uns in die Richtung von Fach-Architekten zu drängen. Das lehnen wir ab und sind der Meinung, dass das generalistische Denken das Fundament jeder Baukultur ist.

Jörg Heiler
Wir sind eigentlich der einzige Berufsstand, der diese ganzen energetischen, rechtlichen, konstruktiven Fragen am Ende zu einem Lebensraum zusammenfügen kann. Ein Lebensraum, der eben nicht aufgespaltet ist in zig einzelne, in sich gut funktionierende Einzelaspekte, die aber als Lebensraum nicht mehr funktionieren.

Zum Schluss ein Blick in die Zukunft: Wir schreiben das Jahr 2020 und der BDA hat der Architektenkammer wie angekündigt eine neue Richtung gegeben. Woran merken die 21.000 Mitglieder der Bayerischen Architektenkammer das?

Jörg Heiler
Sie merken, dass die Kammer nicht so sehr durch wöchentliche Veranstaltungen präsent ist, sondern weil sie auf der politischen Ebene für uns streitet – und wir gehört werden.

Lydia Haack
Architektur ist ein Beruf mit Zukunftsperspektive und unsere jungen Architekten und Architektinnen sind im EU-weiten Vergleich hervorragend ausgebildet. Architektur/Baukultur ist in der öffentlichen Wahrnehmung präsent.

Andreas Emminger
Es ist für alle Angehörigen unseres Berufsstandes nicht nur aus Gründen der Bauvorlageberechtigung erstrebenswert, Mitglied der Bayerischen Architektenkammer zu sein.

Georg Brechensbauer
2020 sagen alle Mitglieder der Bayerischen Architektenkammer: Für mich wird hier etwas getan!

Walter Landherr
Die Architekten führen über spezifische Verbandsinteressen hinaus einen kollegialen und wachen Dialog miteinander. Mit gemeinsam erarbeiteten Positionen sind sie in Politik und Gesellschaft gut vernetzt.

Karlheinz Beer
2020 hat Bayern ein für ganz Deutschland exemplarisches faires Vergabeverfahren. Und: Die Sicherung der Vertrags- und Honorarrechtlichen Grundlagen unseres Berufsstandes stehen in der Bayerischen Architektenkammer ganz oben auf der Agenda.

Das Interview in der Geschäftsstelle des BDA Bayern führten Nicolette Baumeister und Judith Hartmann

Weitere Informationen zur Kammerwahl unter www.bda-kammerwahl.de

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