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Hooligansicher und Regenfest

Hooligansicher und Regenfest
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Bohn Architekten wurden 1987 in München von Julia Mang-Bohn und Peter Bohn gegründet. Ihr erster Auftrag war die Planung des deutschen Pavillons für das Kulturprogramm der Olympischen Spiele 1988 in Seoul, Korea. Seit 2003 führt Julia Mang-Bohn das Büro mit 4-6 Mitarbeitern alleine. Bohn Architekten arbeiten an anspruchsvollen öffentlichen und privaten, großen und kleinen Projekten wie U-Bahnhöfen, Parkhäusern, Wohnungsbauten und Einfamilienhäusern. Aktuell haben Sie das Projekt „Erweiterung des U-Bahnhofes Fröttmaning zum Stadionbahnhof für das neue Münchner Fußballstadion" abgeschlossen.

MUENCHENARCHITEKTUR.DE: Kompliment und herzlichen Glückwunsch Frau Mang-Bohn. Nächste Woche wird Ihr aktuelles Bauvorhaben - der U-Bahnhof Fröttmaning - erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Wie fühlen Sie sich?

Julia Mang-Bohn: Wir freuen uns natürlich, dass der Bahnhof so geworden ist, wie wir ihn geplant haben und sind auch ein bisschen stolz darauf unseren Entwurf durchgesetzt zu haben. Aber traurig sind wir auch, weil die insgesamt schöne Planungszeit von immerhin fast vier Jahren mit der Eröffnung endgültig vorbei ist.

MUENCHENARCHITEKTUR.DE: Haben Sie als kleines Mädchen schon davon geträumt Architektin zu werden?

Julia Mang-Bohn: Nein, ich wollte eigentlich Künstlerin werden, aber an der Akademie haben sie mich nicht genommen..

MUENCHENARCHITEKTUR.DE: Bedauern Sie, dass sich Ihr ursprünglichen Berufswunsch nicht erfüllt hat, oder sind Sie heute gerne Architektin?

Julia Mang-Bohn: Es war gut, dass ich an der TU München gelandet bin – heute bin ich mit Leib und Seele Architektin. Bis jetzt haben wir immer wieder tolle Bauaufgaben gehabt und hoffen, dass es in Zukunft weiter solche für uns gibt.

MUENCHENARCHITEKTUR.DE: Der Bauwirtschaft geht es bekanntlich schlecht, obwohl doch eine Menge gebaut wird, also Bedarf besteht. Architekten sind im Bewusstsein der Bevölkerung nicht sehr präsent, weiterhin haftet das Vorurteil an, dass sie nicht kostenbewusst agieren. Ihr Büro war in den letzten Jahren sehr erfolgreich. Was heißt also für Sie wirtschaftlich denken und handeln?

Julia Mang-Bohn: Wirtschaftliche Planung ist sowohl für den Bauherrn als auch für die Architekten sehr wichtig. Wenn in den Leistungsphasen 2 und 3 akribisch gearbeitet und zusammen mit dem Bauherrn der Standard festgelegt wird, ist eine Kostenberechnung zum Entwurf eine sehr verlässliche Grundlage für das Projekt. Wir jedenfalls haben unsere Kosten meistens sogar noch etwas unterschreiten können. Besonders wichtig für den Bauherrn ist natürlich, dass der Architekt bei Änderungswünschen während der Ausführungsplanung immer gleich auch deren Folgen für die Kosten beziffert und der Bauherr dann noch Zeit hat, sich doch anders zu entscheiden. Auch für uns im Büro ist der effiziente Planungsablauf bei dennoch hoher Gestaltqualität entscheidend, da sonst die Honorare nicht annähernd auskömmlich sind. Ein kleines Büro mit geringem Verwaltungsaufwand hat da gewisse Vorteile, weil die Arbeitszeit in die „Architektur“ investiert werden kann.

MUENCHENARCHITEKTUR.DE: In vielen Ländern wie Österreich, der Schweiz etc. ist Baukultur ein selbstverständlicher Teil des allgemeinen Interesses. Dort ist man stolz auf die Menschen - sprich die Architekten, welche helfen die Umwelt zu gestalten und zu formen. In Deutschland gab es diese Zeiten auch, da hingen z.B. Tafeln an den Gebäuden mit den Namen der „Baumeister“. Was glauben Sie, was ist da passiert und wie schaffen wir es wieder an diesen Punkt zu kommen?

Julia Mang-Bohn: Es gibt natürlich auch in Deutschland Leute, die Architekturqualität schätzen , z.B. hat sich unser Bauherr eines Einfamilienhauses sehr über die Zuerkennung des BDA Preises Schwaben gefreut und hat die Plakette gut sichtbar im Eingangsbereich des Hauses befestigt, allerdings steht nicht der Architektenname drauf.
Leider sind es viel zu wenige, die Sinn dafür haben, geschweige denn für sich selber Architektur in Anspruch nehmen wollen. Vielleicht hat das auch mit einem gewissen elitären Gebaren der Architekten zu tun und mit der allgemeinen Tendenz zum Mittelmaß bei gleichzeitiger Fokussierung auf so genannte Stararchitekten in den Medien?

MUENCHENARCHITEKTUR.DE: Wo sehen Sie die Aufgaben der Hochschulen im Hinblick auf die oben genannten Tatsachen. Wie würden Sie demnach heute Architektur und die Aufgabe des Architekten definieren?

Julia Mang-Bohn: Die Hochschulen müssen weniger und dafür noch bessere Architekten ausbilden. Bessere heißt: Persönlichkeiten, die eigenständig denken können und mit einem soliden technischen und gestalterischen Grundwissen jede Bauaufgabe ihrer besten Lösung zuführen. Das ist natürlich nicht mit der Schmalspurausbildung eines Bachelor zu erreichen.

MUENCHENARCHITEKTUR.DE: Was kann man Ihrer Meinung nach generell tun, um den Status Quo zu verbessern und bei wem liegen die Verantwortungen, die Bedeutung der Baukultur der Öffentlichkeit und damit potentiellen Bauherren näher zu bringen?

Julia Mang-Bohn: Zunächst einmal gutes bauen und dann darüber auch reden, insbesondere mit Nichtarchitekten, also mit möglichen Bauherrn. Öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen, wie die Architektouren der Architektenkammer und die Architekturwochen des BDA sind da ein sehr guter Weg.

Nun noch ein paar unserer persönlichen Fragen:

MUENCHENARCHITEKTUR.DE: Was bedeutet für Sie "Heimat" und wo fühlen Sie sich Zuhause?

Julia Mang-Bohn: Heimat ist für mich „Greater Munich“( die Augsburger mögen mir verzeihen)

MUENCHENARCHITEKTUR.DE: Wie ist Ihre Küche eingerichtet?

Julia Mang-Bohn: Mit einem großen Tisch, um den sich alle versammeln können.

MUENCHENARCHITEKTUR.DE: Was ist das überflüssigste Gebäude der Stadt München?

Julia Mang-Bohn: Zurzeit anscheinend viele der neuen Bürobauten.

MUENCHENARCHITEKTUR.DE: Was und wo würden Sie in München gerne Bauen?

Julia Mang-Bohn: Gerne würde ich mal eine Schule oder wieder Wohnungen bauen, wo ist eigentlich egal.

MUENCHENARCHITEKTUR.DE: Welches bekannte Münchner Gebäude würden Sie verändern? Und wie?

Julia Mang-Bohn: Ob unser Parkhaus in Fröttmaning bekannt ist, weiß ich zwar nicht, aber hier möchte ich dringend die nachträglich draufgesetzte Antenne wieder entfernen, besonders bei der Zufahrt zum neuen Stadion und wenn man von der Esplanade zurückblickt, sieht das nämlich grauenvoll aus.

MUENCHENARCHITEKTUR.DE: Von wem würden Sie sich am liebsten Ihr Haus bauen lassen?

Julia Mang-Bohn: Es ist zwar sehr schwierig für sich selbst zu bauen, aber ich kann mir auch nicht vorstellen, einen meiner Kollegen damit zu beauftragen.

MUENCHENARCHITEKTUR.DE: Wir danken Ihnen für dieses Gespräch und wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg!

 

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