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Produkte können kopiert werden, aber eine Philosophie bleibt originär...

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Februar 2013 | "Produkte können kopiert werden, aber eine Philosophie bleibt originär." Regine Geibel im Gespräch mit Herrn Occhio: Axel Meise

Regine Geibel: Wie viele Glühbirnen - eigentlich muss man ja Glühlampen sagen - hast Du zu Hause heimlich im Einsatz?
Axel Meise: Der Glühbirne haftet ja ein gewisses anachronistisches Image an: „Die gute alte Glühbirne". Für mich ist jedoch vielmehr die Glühwendel wichtig und das, was ich weiterhin als beste Lichtquelle empfinde. Eine Halogenleuchte funktioniert übrigens auch nach dem Prinzip einer Glühwendel. Und natürlich habe ich diesen neben unseren neuesten LED-Leuchten auch im Einsatz.

Kannst Du das genauer erklären?
Eine Glühwendel glüht eigentlich wie die Sonne. Sie erzeugt ein sehr natürliches Licht und hat eine sehr hohe Qualität hinsichtlich ihres Lichtspektrums, d.h. sie umfasst das gesamte Farbkontinuum. Die Farbtemperatur dieses Lichts kann man dimmen und variieren, bis zur Farbqualität von Kerzenlicht. Das ist immer noch unübertroffen! Keine künstliche Lichtquelle - „künstlich" im Sinne von Leuchtstoff, LED et cetera - kann dieses Licht erzeugen.

Basieren Deine Entwürfe nicht alle auf LED?
Keineswegs! Die klassische Occhio-Kollektion, also die Urkollektion, ist mit Halogen bestückt. Es gibt dazu allerdings auch Alternativen. Damals, vor 13 Jahren, gab's ja noch gar keine LED. Erst recht nicht vor 17 Jahren, als die Konzeption von Occhio begann. Erst nachdem LED in der von uns benötigten hohen Lichtqualität erhältlich war, entstand mit der Più Serie ein Produkt, das mit verschiedenen Lichtquellen funktioniert. Wir nennen das „Smart Source". Hier kann man die Lichtquelle frei wählen - von Halogen, über Entladungslampen bis LED. Unsere neueste Kollektion, die io 3d ist nun komplett in LED.

Bei der Più kann man sich also aussuchen, welche Lichtquelle man am liebsten haben möchte?
Ganz genau. Für den Anwender ist das sensationell! Form, Gestalt und Funktionalität bleiben immer gleich, nur die Lichtquelle variiert je nach Präferenz des Nutzers. Für die Planer ist das ebenfalls toll, denn es gibt immer noch Bereiche, in denen LED-Licht nicht sinnvoll ist, oder aber eine Kombination aus LED und Halogen spannend ist.

Verstehen Laien diese Wahlmöglichkeit? Oder brauchen diese einen Planer, der Sie berät?
Unser Hauptvertrieb geschieht über den Fachhandel. Dieser berät Endverbraucher sowie Planer und Architekten. Gleichzeitig haben wir eine Planungsabteilung und ein wachsendes Team von project consultants, das Architekten und Planer und Bauherren direkt betreut. Endverbraucher verfügen zwar über ein Grundwissen zu den verschiedenen Lichtquellen, aber es ist in der Regel doch oberflächlich. Das ist aber auch das Besondere an Occhio: man muss vermitteln, was wirklich dahinter steckt. Die Tiefe des Produkts und der Ideen erschließt sich nicht auf den ersten Blick.

Das stimmt, Occhio ist nicht gerade die dekorative Lampe mit dem plissierten roten Lampenschirm - im Grunde ist es eine sehr technische, komplexe, zusammensetzbare Angelegenheit, oder?
Auf den ersten Blick sehe ich eine schöne Leuchte, die Gestaltung und vielleicht das gute Licht. Auf dem zweiten Blick entdecke ich die Möglichkeiten, die dahinter stecken. Aber dazu muss man begleitet werden. Es ist schwer, sich das selbst zu erschließen. Am Ende geht es natürlich ums Licht und um den Mehrwert des Ganzen. Die äußere Hülle steht eigentlich nicht im Vordergrund, sondern der Inhalt: das Licht und was ich damit im Raum erzielen kann, also der Nutzen für den Anwender.

Wie kommt der Architekt zu Euch, wie verläuft die Betreuung?
Architekten und Innenarchitekten kontaktieren uns und werden dann von unseren project consultants betreut. Nach dem ersten Kennenlernen der Philosophie, der Produkte und der Anwendungsmöglichkeiten von Occhio bieten wir 'on demand' an, was der Architekt an Unterstützung braucht - von der Bereitstellung von lichttechnischen Daten bis zur Planungsunterstützung, von der Lichtplanung bis zur kompletten Projektbegleitung. Einige Architekten sind da schon ziemlich autark, insbesondere, wenn sie schon Erfahrungen mit Occhio gemacht haben.

Hilft dabei auch Eure Akademie, in die Ihr regelmäßig zu Schulungen und Fortbildungen einladet?
Ja, die Akademie ist extrem wichtig für uns, vor allem im Moment. Denn durch den Technologiewandel herrscht doch eine große Verunsicherung. Man hört hier was und sieht dort was; bekommt irgendwelche Einzelprodukte vorgestellt, hat aber kein Gesamtbild über die LED-Technologie, wie sie funktioniert, welchen Mehrwert sie hat und wo ihre Grenzen liegen. Vor zwei Jahren haben wir die ersten LEDs eingesetzt, die damals über die höchstmögliche Lichtqualität verfügten und den Halogenlampen vom Spektrum her sehr nahe kamen. Wir haben damit erst angefangen, als diese Qualität verfügbar war, etwas anderes kam für uns nicht in Frage. Seitdem hat sich die Technologie so rasant entwickelt, dass wir sie heute in unserer gesamten Palette einsetzen können, und zwar mit einer Lichtleistung, die doppelt so hoch ist als die der ersten LED-Produkte! Und das in nur zwei Jahren! Das sind ziemlich schnelle Schritte, und Nutzer und Planer hierüber auf dem Laufenden zu halten ist gar nicht ohne!

Wie kamst Du denn auf die Idee, eine Leuchtenfirma zu gründen?
Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht. Schon als Jugendlicher habe ich Leuchten entworfen und gebaut und mir damit das Maschinenbau-Studium finanziert. Nach dem Vordiplom habe ich mir dann gedacht: „So, nun musst du dich entscheiden." Damals, das war in den 80er Jahren, als die Halogen-Seilsysteme entwickelt wurden. Das war eine wahnsinnig spannende Zeit, eine Art Gründerzeit, Erfinderzeit. Damit war dann die Entscheidung sehr schnell gefallen.

Du arbeitest seit über 20 Jahren mit Christoph Kügler zusammen. Wie habt Ihr euch kennengelernt, gab es eine Art Probephase?
Das ist schon sehr lange her. Christoph Kügler war damals im Rahmen eines früheren Projekts dazu gestoßen, das wir nach und nach weiter entwickelt haben. Nach einer längeren Pause in den 90ern, in der er sein Physik Studium beendete, habe ich ihn dann für Occhio wieder gewinnen können.

Ist er dann der Techniker und Du der Designer?
Könnte man so sagen. Natürlich gibt es viele Überschneidungen, doch sein Schwerpunkt liegt eher in der Umsetzung - aber mit viel Gefühl für das Design - und mein Terrain ist eher das Konzeptionelle und Gestalterische - mit einer gewissen Kenntnis der Technik.

Wie würdest Du denn jemanden eine Occhio Leuchte beschreiben, der noch nie davon gehört hat...
Ich versuche zu vermitteln, dass Occhio Teil einer großen Philosophie ist: es ist eine Idee. Occhio ist mehr als das, was ich sehe. Es ist ein multifunktionales System für alle Lebens- und Arbeitsbereiche. Es hat einen übergreifenden Gestaltungsansatz: Eben nicht für jede Situation unterschiedliche Leuchten kombinieren zu müssen, sondern aus einem Guss arbeiten zu können. Das hat uns bisher noch keiner nachgemacht. Occhio ist EIN Lichtkonzept, mit dem du ALLES lösen kannst - das ist die Grundidee.

Hat dieses umfassende Prinzip denn auch Nachteile? Zum Beispiel, dass Euch das Konzept einengt? Oder ist das nach wie vor der einzig gangbare Weg für Dich?
Schauen wir mal, was die Zukunft bringt. Im Moment finde ich, dass gerade diese Grundidee Ausdruck der Besonderheit ist. Nochmals: die Besonderheit liegt nicht in der äußeren Hülle, sondern in den inneren Werten.

Ich erinnere mich an die bunten Filter, die bei den Occhios bei der Preisverleihung von „Jung, schön und noch zu haben" im Kaufmanns Casino zum Einsatz kamen. Der Effekt auf der Wand war grandios.
Wenn man möchte, kann man es auch richtig krachen lassen. Aber es ist in dem Fall wieder das Licht und nicht das Produkt, das die Aufmerksamkeit schafft. Das Produkt ist eigentlich nur Mittel zum Zweck.

Das bedeutet, dass Du auf sehr gute Fotos für die Kataloge und die Homepage angewiesen bist, denn es muss viel mehr erklärt werden, als bei dekorativen Leuchten, die man mit einem Blick erfassen kann.
Ja, das stimmt. Aber im ersten Schritt möchten wir nicht gleich mit dem Baukasten-Prinzip erschrecken, sondern zunächst das Produkt mit seiner Ästhetik und seiner Lichtwirkung in den Vordergrund stellen. Im zweiten Schritt geht's dann in die Tiefe der Möglichkeiten.

Was ist denn der nächste Step? Arbeitet Ihr an einer komplett neuen Kollektion in der gleichen Grundart? Wie wird mit neuen Leuchtmitteln umgegangen? OLEDs beispielsweise?
Die Frage nach der Zukunft ist nie leicht zu beantworten. Natürlich arbeiten wir an der Umsetzung neuer Ideen. Interessant ist dabei, dass wir das in deutlich kürzerer Zeit machen als in der Vergangenheit. In den ersten 12 Jahren haben wir 3 Produktversionen, also 3 verschiedene Köpfe gehabt. Aktuell bringen wir fast jedes Jahr etwas Neues heraus. Kürzlich war es die Più Serie, dann kam die io 3d, nun kommen wieder Erweiterungen der Più Serie. Und natürlich denken wir auch über ganz neue Dinge, neue Konzepte nach. Das heißt, der Rhythmus der Produktentwicklungen wird immer schneller, aber es werden auch in Zukunft übergreifende Konzeptideen dahinter stehen. Jede Leuchte wird immer zu einer Familie ausgebaut. Ich denke immer in Konzepten und damit in Mehrfachnutzungen. Damit kann ich mit derselben Leuchte mehrere Zielgruppen bedienen. Wir nennen das Konvergenz: unsere Produkte können sowohl im Privaten als auch in Beleuchtungsprojekten eingesetzt werden.

Ist das Deine Erklärung für Euren Erfolg?
Unser Ansatz ist besonders. Wir gehen andere Wege... Ich hatte Erfahrung aus der Praxis und verfügte über die Marktkenntnis, um die entsprechende Lücke zu finden. Aber dass die Lücke so groß werden würde, war nicht absehbar. Produkte können kopiert werden, aber eine Philosophie bleibt originär.

In wie vielen Ländern gibt es Occhios inzwischen zu kaufen?
Occhio ist hauptsächlich in Zentraleuropa vertreten. Jüngst haben wir Projekte in Indien umgesetzt, im Gandhi Museum mit der Più LED, und auch in Australien...

Welcher Raum ist deiner Meinung nach der lichttechnisch am meisten unterschätze?
Ich glaube, erstmal, dass sich in der Wahrnehmung viel getan hat. Gerade im privaten Umfeld hat man inzwischen verstanden, was mit gutem Licht erreichbar ist, oder was man mit schlechtem Licht kaputt machen kann. Ich denke, die meisten Fehler werden dort gemacht, wo gespart wird. Da, wo es vermeintlich um den letzen Cent geht und das Sparen im Vordergrund steht, wird die Lichtqualität oft vernachlässigt. In Restaurants, Hotels, Büros... - überall dort, wo der Rechenschieber entschieden hat - sogar in Verkaufsräumen! Oft wird die ganze Atmosphäre dadurch zerstört. Und dort können wir gut ansetzen, denn unsere Philosophie lautet: Es geht beides. Sehr gute Lichtqualität trotz effizienter, sparsamer Leuchtmittel. Unsere Produkte sind hoch wirtschaftlich und bieten trotzdem höchste Licht- und Gestaltungs-Qualität.

Letztendlich dreht sich ja alles um das Wohlfühlen des Menschen im jeweiligen Raum... Und inzwischen kann man hohe Lichtqualität, Effizienz und Wirtschaftlichkeit unter einen Hut bringen. Das wird uns insbesondere in Zukunft begleiten... und beschäftigen.

Vielen Dank für das Gespräch!

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