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Trends der Mailänder Möbelmesse

Poesie, Authentizität und werthaltige Qualität - Ein Gastbeitrag von Johanna Dumitru über die Trends der Mailänder Möbelmesse 2012.

Die zentralen Leitmotive der Einrichtungstrends der diesjährigen Mailänder Möbelmesse sind klar erkennbar: Es geht um den Wunsch nach Poesie, Authentizität und werthaltige Qualität. In diesem Jahr kommen atmosphärisch starke Raumkonzepte, Retro-Akzente, italienische Klassik gepaart mit skandinavischer Frische sowie filigrane Formen und charakterstarke Materialien zum Einsatz. Zudem gibt es einige Neuheiten, die an dieser Stelle vorgestellt werden sollen.

Ganzheitliche Raumkonzepte für Atmosphäre und Wohnlichkeit
Poetische Räume entstehen, wenn das Ganze mehr ist als die Summe seiner Teile und eine inspirierende Wirkung entfaltet. Für diesen übergeordneten Wunsch liefern die Neuheiten der Möbelmesse sehr gute Zutaten. Atmosphäre zu erzeugen steht für viele Aussteller in diesem Jahr an erster Stelle. Das drückt sich in warmen Farben, harmonisch kombinierten Materialien sowie vielen Textilien und Pflanzen aus. Im Wohnbereich bilden einladende, schlichte Sofas die Basis für diesen Trend. Sie sind weich gepolstert, locker bezogen und überzeugen durch liebevolle Details und abwechslungsreichen Materialmix. In Kombination mit ausdrucksstarken Einzelstücken oder bekannten Design-Ikonen entstehen individuelle Räume.

Optisch werden die Looks leichter und farbiger als im vergangenen Jahr. Die Flaggschiffe des klassisch-modernen italienischen Wohnens wie Minotti und Flexform zeigen sich luftiger und heller und wagen bunte Farben. Die erdigen Grundfarben Kitt, Leinen und Beige werden vielerorts akzentuiert mit warmen Rottönen oder bunten Retro-Farben. Ein gelungenes Beispiel für den Fokus auf ganzheitliche Raumkonzepte und den hohen Stellenwert von Farbe, ist die neue Präsentation "Harmony House" von Ruckstuhl: Anstatt in Kollektionen, arrangiert der Hersteller seine Teppiche in Collagen nach Raumtypen. Passend dazu bietet er Gestaltungsvorschläge in den legendären „Corbusier-Farben" der Manufaktur „kt.COLOR", welche eine unvergleichliche Wirkung und Tiefe aufweisen.

Tradition und kulturübergreifende Wohnerlebnisse
Die Wertschätzung von Tradition setzt sich einerseits in dem Trend zu Retro-Optik oder Re-Editionen alter Entwürfe andererseits in dem Wiederaufleben handwerklicher Konstruktionsweisen fort. e15 etwa präsentiert eine komplette Kollektion mit Entwürfen von Ferdinand Kramer aus den 50er Jahren. Fritz Hansen kombiniert beim Stuhl Minuscule Handarbeit mit moderner Kunststofftechnik, Classicon produziert den Bell Table in Glockengießer-Technologie. Am Ende stehen bleibende Werte in bester Qualität und Einrichtungen mit Charakterstärke.

Dabei wird die Branche auch dem Anspruch der Nachhaltigkeit gerecht: Neben sozialem Engagement, wird Wert auf Umweltfreundlichkeit gelegt. So verwendet zum Beispiel Paola Lenti anstelle der weit verbreiteten Tropenhölzer das sogenannte „Accoya" für Outdoor-Möbel. Es handelt sich dabei um ein schnell wachsendes, ungiftig behandeltes Holz von besonderer Haltbarkeit - eine große Innovation in Puncto Nachhaltigkeit, Umweltfreundlichkeit aber auch Qualität.

Italienische Hersteller wie Tecno oder Venini arbeiten zudem vermehrt mit Designern aus Nordeuropa zusammen. Das Ergebnis ist eine spannende Verbindung der Frische des Nordens mit der Klassik des italienischen Designs, die sich in Farb- und Formgebung widerspiegelt. Insgesamt wächst der Umgang mit hellen, naturbelassenen Hölzern und klaren, aber weichen, emotionalen Formen. Die Präsenz des skandinavischen Designs passt wunderbar zu den aktuellen Tendenzen.

Mix and Match: Lack, Holz und abwechslungsreiche Gewebestrukturen
Auch im Bereich der Oberflächenmaterialien lässt sich eine Vorliebe für das Mix and Match-Prinzip, erkennen: Die Kombination mit Holz verleiht cleanen Lack-Schränken mehr Wärme und Spannung. Im Bereich der Textilien prägen haptische Strukturen und Webmuster das Wohnambiente. Als Gegensatz dazu wird die Formensprache filigraner: Zierliche Lederstützen halten freistehende Kissen und ersetzen wuchtige Rückenlehnen. Mehrfarbige Bezüge lösen die Volumen der Polstermöbel auf, so gesehen bei Minotti, Cassina, oder Moroso. Generell liegt bei Sofas und Sesseln der Fokus auf Stoffbezügen. Insbesondere neue Matelassé-Stoffe mit 3D-Strukturen und natürlich wirkende, matte Gewebe wie Leinen oder Baumwolle sind sehr stark vertreten. Sie werden mit Velours und groben Strickgeweben im Accessoires-Bereich kontrastiert.

Leder in Höchstqualität
Sparsamer zum Einsatz kommt Leder. Wenn das Material allerdings verwendet wird, dann in höchster Qualität. Viele Hersteller bieten diese Lederqualität nun neu an - der Spezialist Poltrona Frau, der bereits seit Jahren Leder in dieser weichen Haptik anbietet, geht noch einen Schritt weiter mit seinem "Century"-Leder anlässlich des 100-jährigen Jubiläums: Es wird zweifach gegerbt und ist daher besonders fein und anschmiegsam.

Variable Sitzhöhen, filigrane Esstische und Regale in Steinoptik
Funktional nimmt der italienische Herstellermarkt die deutschen Bedürfnisse verstärkt auf. So präsentieren etwa B&B oder Minotti Sofas mit höheren Sitzhöhen und variablen Sitztiefen für unterschiedlich große Menschen oder Sitzpositionen. Auch bei Zanotta und Cassina tritt dieser Trend zu Tage. Paola Lenti und Tecno präsentieren niedrigere Höhen bei Stühlen, Hockern und Tischen. Sie schaffen eine loungeartige, legere Sitzatmosphäre, die sich sowohl für Besprechungen bestens eignet aber auch phantastisch im Außenbereich anwendbar ist. Bei Esstischen herrschen auffällig dünne Platten und filigrane Gestelle vor. Steinoptiken und Zement sind häufiger zu sehen. Kunstwerksteine wie Corian finden sich in Tischplatten und Regalen, wie zum Beispiel bei MDF mit seinen filigranen Wandboards.

Salone Satellite - verspielt, bunt und traditionsverbunden
Die Entwürfe der Ausstellung „Salone Satellite", einem Projekt für junge Möbeldesigner, ohne eigenen Hersteller - sind verspielter und bunter. Sie zeigen eine starke Ausrichtung auf poetische Stücke, die eine Geschichte erzählen. Durch die Verwendung besonderer Details und Ornamente spielen sie gestalterisch mit den Traditionen der Herkunftsländer und schaffen es so, in einer globalen Welt dennoch regionale DNA zu vermitteln.