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13. September 2017

Nachbericht | Werner Frosch, Hans Nickl und Andrea Gebhardt plaudern über die Wendepunkte in ihrem Leben.

Bei der Edition 02. des Formats „Architects, not Architecture" gestern im beinahe voll besetzten Carl-Orff-Saal hielten sich alle drei Bühnenredner eisern an die Vorgabe: keine Projektpräsentation. Stattdessen ließen sie das Publikum an ihren Erinnerungen teilhaben und gaben einen Einblick in ihre Motivation und die Weichenstellungen in ihrem Leben. Ein Mini-Kurzauszug.


Werner Frosch: „Ich habe gelernt auf den Tisch zu hauen."

Schlüsselmomente: Nachdem er auf dem Oktoberfest eine Dänin – und seine spätere Freundin – kennengelernt hatte, besuchte er 1994 ihre Eltern in Kopenhagen – und verliebte sich in die Stadt. Gerade rechtzeitig, um bei Henning Larsen als Architekt anzufangen und ein Projekt in Rostock zu betreuen. Nachdem das Büro 2011 den Wettbewerb für den Neubau der Siemens-Konzernzentrale am Wittelsbacherplatz gewonnen hatte, kam er zurück nach München, wo er studiert hatte.

Fazit: „Die Rückkehr nach Deutschland war ein Schock. Deutsche und Dänen haben ein wirklich unterschiedliches Geschäftsgebaren. Dänemark ist ein kleines Land, da rechnet man immer damit, dass man beim nächsten Projekt wieder miteinander arbeiten muss. Entsprechend kollegial und freundlich gehen die Leute miteinander um. In Deutschland musste ich mich erstmal wieder daran gewöhnen, die Ellbogen auszufahren."

Zur Person: Werner Frosch, geborener Münchner, studierte an der TU München Architektur und arbeitet seither bei dem renommierten dänischen Büro Henning Larsen, zunächst in Kopenhagen. 2011 gründete er die deutsche Tochtergesellschaft in München, deren Geschäftsführer er ist. 2014 wurde er Partner.


Andrea Gebhardt: „New York ist wie Dinkelsbühl: eng, dicht, man geht raus und ist unter Leuten."

Schlüsselmomente: Mit 14 stellte sie für sich fest, dass Leben bedeutet, Entscheidungen für sich selbst zu treffen, über Grenzen zu gehen. Zum Studium ging sie nach Marburg, weil sie unbedingt weg wollte aus Dinkelsbühl. Sie wollte nie einfach nur Hausfrau sein, wie viele ihrer Mitschülerinnen. Deshalb war sie häufig die erste Frau. Um ihr Praktikum in einem Landschaftsbaubetrieb machen zu können, schrieb sie an die Behörden einen Brief für die Sondernutzung des Männerklos. Denn in dem Unternehmen gab es nur dieses eine.

Fazit: „Ich sehe Städtebau als Grammatik und Häuser als Worte. Dinkelsbühl ist für mich immer noch ein Sehnsuchtsort. Das Thema Stadt-Land(schaft) als Begegnungsraum begleitet mich bei allen Projekten."

Zur Person: Andrea Gebhard studierte Landschaftsarchitektur und arbeitet im Planungsreferat ihrer Heimatstadt München, dort wurde sie zur Leiterin der Abteilung Grünplanung berufen. 2006 gründete sie das Büro gebhard-konzepte (München), seit 2009 ist sie Partnerin im Büro mahl·gebhard·konzepte. Seit 2012 gehört sie auch dem Kuratorium Nationale Stadtentwicklung an und 2015 bekam sie das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen für ihre Verdienste um die Landschafts- und Freiraumplanung sowie ihre ehrenamtlichen Tätigkeiten.


Hans Nickl: „Fahren Sie 20 Minuten mit dem Traktor im Kreis. Das ist die beste Anti-Stress-Therapie."

Schlüsselmomente: Während des Studiums war seine Hauptbeschäftigung das Demonstrieren. Um was es dabei ging war egal. Seinen ersten Job in einem Büro, das auf Krankenhausbau spezialisiert war, nahm er an, weil er genug Geld zum Reisen haben wollte. Dann baute er Kirchen, weil er Krankenhäuser nicht mehr sehen konnte. Heute baut er Krankenhäuser mit der gewissen Nickl-Note, weil er beweisen will, dass Architektur mehr ist, als bloße Funktion und Krankenhäuser mehr als lange Flure und Desinfektionsmittelgeruch.

Fazit: „Seitdem ich mein Handwerkerhäuschen in Schwabing beinahe zum Einsturz gebracht habe, neige ich mehr zum Planen als zur praktischen Ausführung. Ich bin aber immer noch neugierig. Die Leidenschaft ist die beste Beobachtung."

Zur Person: Hans Nickl, geboren in Marktrewitz, studierte Architektur an der TU München und gründete mit seiner Frau 1979 das Büro Nickl & Partner, ein international tätiges Büro, das sich der Planung und Durchführung von Bauten des Gesundheitswesens, der Forschung, des sozialen Wohnungs- sowie Städtebaus widmet.


Konzept und Organisation: Fermín Tribaldos. Mittlerweile findet die Veranstaltung in zahlreichen deutschen Städten statt und mischt die Architektenwelt auf erfrischende Weise auf.

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