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Drei Fragen an...

Drei Fragen an...
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09. Dezember 2015

...über den Entwurfsprozess bei Diener & Diener und was den schweizer Architekten verloren gegangen ist.

Letzten Donnerstag demonstrierte Roger Diener im vollbesetzten Saal des Oskar von Miller Forums anhand ausgewählter Projekte aus seinem Büro wie der Schweizerischen Botschaft oder dem Ostflügel des Naturkundemuseums – beide in Berlin – seine Auffassung vom Umgang mit Baubestand.

Durch die umfangreiche Analyse des Kontextes entsteht eine Architektur, die auf den historischen Hintergrund eingeht. Dieser Bestandteil des Entwurfsprozesses verbindet die zahlreichen Arbeiten des Architekturbüros.

Die Gebäude des Basler Büros zeichnen sich insbesondere durch ihren stringenten architektonischen Ausdruck aus. „Mit seinen Bauten stellt Diener dem auf schnellen Konsum und Verbrauch zielenden Bauen eine Architektur mit sparsam verwendeten einfachen Mustern, Typologien und Mitteln gegenüber", so die Jury in ihrer Begründung zur Verleihung der Heinrich-Tessenow-Medaille im Jahr 2011.

Ich wollte von Roger Diener wissen: Steckt dahinter eine spezielle Art des Entwerfens?

Wie kommt man innerhalb des Entwurfsprozesses zur Reduktion?
Über Kommunikation. Das ist ein schwieriger, langwieriger Vorgang. Weil aber die Kerntruppe in unserem Büro lange zusammen arbeitet, verstehen wir schon sehr gut, was der andere in seinen Ausführungen meint... Dann läuft es folgendermaßen ab: Ich schreibe einen kurzen Text, der die Richtung vorgibt. Von unseren jungen Mitarbeitern werden Untersuchungen dazu angestellt, wobei jeder seine individuellen Stärken einbringt. Ich bin zum Beispiel wie ein Komponist, der selbst nicht Klavier spielt – ich kann zwar skizzieren, die Dinge aber nicht wirklich grafisch darstellen.

Wie beeinflusst das CAD den Entwurfsprozess?
Wenn der Entwurf feststeht, also nach der Skizzenphase, zeichnen wir ganz traditionell mit Reißschiene und Maßstab einen maßhaltigen Plan, in dem wir die wichtigen strukturellen Elemente festlegen. Erst danach kommt das CAD ins Spiel. Nachteil: Früher konnten wir immer ganz genau verfolgen, wie weit die einzelnen Kollegen mit ihren Zeichnungen waren. Das geht jetzt nicht mehr auf einen Blick, denn selbst, wenn die Bildschirme an sind, sieht man ja oft nur einzelne Layer. Die Kommunikation innerhalb des Projekts wird durch CAD also erschwert. Dazu kommt: im CAD ist jeder Punkt über Koordinaten genau festgelegt. Mir fehlt die Mischung aus Konstruieren und Skizzieren. Das ist aber vielleicht auch einfach eine Generationenfrage...

Wie schaffen Sie es, in Zusammenarbeit mit den Auftraggebern architektonisch konsequent zu bleiben?
Die Qualität der Architektur in der Schweiz basierte bis vor etwa 15 Jahren darauf, dass die Architekten ihre Projekte bis in die Fügung der Fensterprofile hinein entwerfen konnten. Die Schweizer Ausbildung war darauf ausgelegt, Architekten zu Meistern der Konstruktion zu machen, allen voran Mario Botta. In den letzten 20 Jahren hat allerdings eine Anpassung an Europa stattgefunden: alles ist zertifiziert, normiert, reglementiert. Wenn wir heute zum Beispiel in Frankreich bauen, müssen wir darauf bestehen, dass wenigstens die Kunststoffrahmen der Fenster noch mit Metall verkleidet sind. Innerhalb der Möglichkeiten kämpfen wir natürlich immer noch um jedes Detail.

Roger Diener ist 1950 in Basel geboren und studierte an der ETH in Zürich und Lausanne u.a. bei Aldo Rossi und Luigi Snozzi, die ihn stark beeinflussten. 1980 übernahm er das Büro seines Vaters, Marcus Diener, das er seither erfolgreich weiterführt.

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