Als offizieller Partner der ersten Münchner Langen Nacht der Architektur, waren wir zur Erföffnungsveranstaltung im vom Büro BRT geplanten Skygarden eingeladen.
Am Eingang drängten sich eine Menge Menschen, die die Besichtigung im Rahmen der Langen Nacht wahrnehmen wollten. Durchgelassen in den beheizten und bewirteten Bereich wurden hingegen nur die VIPS mit Einladung zur Eröffnungsveranstaltung. Der Arnulfpark, als einer der Hauptsponsoren, richtete diese kleine Feier aus und lud in den mit Heizlüftern und Moltonvorhängen bewaffneten Rohbau ein.
Die üblichen Festreden liess man über sich ergehen, bis unser Oberbürgermeister - zwar nie auf den Mund gefallen, aber an diesem Abend in besonderer Höchstform - sich über die Situation der modernen Architektur in München ausliess. Ude konstatierte, dass es in München in Bezug auf moderne Architektur nur zwei Lager gäbe: die einen, die der Meinung sind, dass moderne Architektur immer furchtbar ist und die anderen, die der Meinung sind, dass es in München gar keine moderne Architektur gäbe.Die Abneigung gegen moderne Bauten, die „aus der Tiefe der Volksseele kommt" so Ude, und damit auch der Argwohn gegenüber dem Kommerz, dem der Aufbau alter Bausubstanz zu teuer sei, zeige sich besonders eindrucksvoll am altbekannten Stein des Anstoßes „Kaufhof am Marienplatz". Diese Verschandelung des historischen bzw. zumindest historisch anmutenden Münchner Rathausplatzes sei das beste Beispiel hierfür. Aber genau das hat Ude höchstpersönlich durch investigatives Aktenstudium widerlegt! In den Protokollen der 60er Jahre hat er gelesen, dass das profitorientierte Warenhaus bereit gewesen wäre die Fragmente der alten Fassade - trotz Mehrkosten - zu erhalten. Die Stadtgestaltungskommision hingegen - darunter Sepp Ruf und Ernst Maria Lang - befürworteten den Neubau. Ganz nach dem Motto „form follows function" dürfe man kein Kaufhaus hinter eine falsche Fassade bauen.
„Und die anderen, die Schumanns-Stammgäste, sind der Meinung, dass in Bezug auf moderne Architektur in München tote Hose herrsche", fährt Ude fort. „Die reden ständig nur von der Elbphilharmonie! Und das wo München nicht mal einen Hafen hat! Vielleicht sollten wir uns einen gepflegten Minderwertigkeitskomplex zulegen?!"
Dabei gäbe so viele Beispiele für hervorragende moderne Architektur betonte er dann und zählte auf: die Allianz Arena, die Twilight-, äh Highlight Towers, „Denn: JA! Die Stadt geht jenseits des Siegestores weiter!", die BMW-Welt, den Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) mit seiner dynamischen Lammellenfassade, das Haus der Gegenwart und auch die Messe in Riem. Aber natürlich gäbe es auch die weniger gelungenen Beispiel, wie das Gebäude des Max Planck Institutes am Hofgarten, wo die Mitarbeiterinnen wie „die Nutten in Amsterdam im Schaufenster sitzen und sich mit scheusslichen Gummibäumen gegen Blicke schützen müssen".
Alles in Allem sei das Thema Architektur ein wichtiges, weil sie uns ja ständig umgebe - zu Hause, in der Arbeit und beim Fahren durch die Stadt. Quasi immer. Und daher hat er gern die Schirmherrschaft übernommen für die neue Lange Nacht der Architektur. Dies sei eine gute Sache und solle beim Abbauen der Vorurteile helfen.
Dann sagte er noch: man müsse sich unbedingt noch die aktuelle Ausstellung im Rathaus „reinziehen" (Zukunft findet Stadt 2011 „München: Ansichtssache? Stadtgestalt sehen, erkennen, verstehen" noch bis bis Donnerstag 24. Februar 2011), in welche u.a. über aktuelle Planungen in München informiert. Denn: Meckern ist okay! Aber, wenn dann bitte rechtzeitig...
Regine Geibel