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Wohn – und Geschäftshaus Westendstraße 240

Erich Gassmann Architekten

Architekt

Erich Gassmann Architekten

Landschaftsarchitektur

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Städtebau

Unmittelbar auf dem zu bebauenden Grundstück am Pfaffenhofener Platz liegt der Übergang zweier stark unterschiedlicher städtebaulicher Situationen: Nordöstlich befindet sich eine sehr inhomogene Bebauungstruktur mit Kleingartenanlage, Straßenbahndepot, Baumarkt, KFZ – Zulassungsstelle usw. Südwestlich hingegen ist ab dem Pfaffenhofener Platz die Bebauung ausschließlich geschlossen und straßenbegleitend. Der neue zeilenförmige Baukörper bildet den Auftakt der straßenbegleitenden Bebauung und unterstreicht die Veränderung der städtebaulichen Situation mit einem Turmgebäude.

Fassade

Die Außenhaut des Baukörpers wird von zwei Fassadentypen dominiert : Der verkehrsbelasteten Westendstraße sind jeweils Lochfassaden zugewendet, die Gartenseite ist komplett aufgeglast. Die Lochfassade besteht aus “verschmolzenen” Fensterelementen, welche mit ihrer spielerischen Anordnung eine eindeutige Ablesbarkeit der einzelnen Geschoße bewußt verhindern. Die zum Garten orientierten Fassaden der Wohnungen bestehen aus verglasten, raumhohen Schiebeelementen aus Lärchenholz. Das völlig gläserne Erdgeschoß läßt das Haus schweben und macht den Blick frei für die dahinter gelegenen grünen Gärten mit altem Obstbaumbestand.

Wohnungstypologie

6 Geschosswohnungen im 1.Obergeschoß werden nicht über das Treppenhaus, sondern von der Gartenseite aus erschlossen. Der Zugang zu jeweils zwei Wohnungen erfolgt über eine gemeinsame Freitreppe und eine vorgelagerte Terrasse, unter der sich –als Holzboxen ausgebildet- die Fahrrad- und Müllräume befinden. Die individuelle Erschließung und die direkte Nähe zum Garten geben diesen Wohnungen beinahe Reihenhauscharakter.

Das 3.Obergeschoß der Zeile ist zur Einhaltung der Abstandsflächen als Staffelgeschoß ausgebildet, dadurch entsteht auf der Seite der Westendstraße ein Laubengang sowie auf der Seite des ruhigen Gartens eine Dachterrasse. Durch die Konstellation Laubengang – Dachterrasse lag es nahe, das 3. und 2. Obergeschoß zu Maisonettewohnungen zusammenfassen. Diese stehen “Kopf”: die Zugangsebene liegt oben - mit durchgestecktem Wohnraum, Küche und Dachterrasse. In der unteren Ebene mit der größeren Haustiefe befinden sich die Zimmer und das Bad. Im Turm sind wegen des vom Bauherrn gewünschten Wohnungsschlüssels und der direkten Anbindung an das Haupttreppenhaus überwiegend Zweizimmerappartments organisiert.

Die besondere Erschließungstypologie mit Laubengang beziehungsweise direkten Zugängen von der Gartenseite erspart in der Gesamtkonzeption ein komplettes Treppenhaus inklusive Aufzug und führt wegen der sehr geringen Verkehrsfläche zu einem überdurchschnittlich guten Verhältnis von Bruttogeschoßfläche zu Wohnfläche.

Freianlagen

Die auf sehr knappen Raum organisierten Außenanlagen reihen in ruhigem Rhythmus verschiedene Flächen aneinander, auf denen Obstbäume wachsen.

Semiotik

Zwei unterschiedliche Fassadentypologien bestimmen die Oberfläche und Außenhaut des Baukörpers. Der verkehrsreichen Westendstraße ist eine Lochfassade mit “verschmolzenen” Fensterelementen zugewendet. Die spielerische Anordnung der Fenster folgt nicht den gängigen Regeln der Lastabtragung, sie verhindert bewußt eine eindeutige Ablesbarkeit der Geschosse. Die Fassadengestaltung folgt einem bildhaft - graphischen Ansatz mit einer fast zweidimensionalen Behandlung der Fassadenelemente : Putzoberfläche, Fensterrahmen und Fensterflügel befinden sich präzise in einer Ebene. Die Lochfassade tritt mit dem Betrachter weniger auf einer konkret - sinnlichen, sondern vielmehr auf auf einer abstrakten Ebene in Beziehung. Zusammenhänge und semiotische Bedeutung lassen sich nur assoziativ erschließen und sind vom Betrachter frei interpretierbar: Der lineare Rhythmus der Fenster erinnert in seiner Zeichenhaftigkeit an eine Notation von Musik oder eine chiffrierte Schrift. In den linear fließenden Elementen spiegelt sich gleichzeitig die Verkehrsbewegung auf der zu Stoßzeiten stark befahrenen Ausfallstraße wieder.

Die monochrome Farbgebung unterstreicht die graphisch - zeichenhafte Wirkung und wird verstärkt durch die Positiv – Negativ - Umkehr der Turmfassade. Was vorher die Farbe der weißen Wand war, entspricht jetzt der Farbe der Fensterrahmen. Was vorher die Farbe der grauen Fensterrahmen war, ist jetzt die Farbe der Wand. Im „Schatten“ leuchten helle Fenster. Durch die dunklere Oberfläche gewinnt der Turm als Auftakt einer veränderten städtebaulichen Situation an Gewicht. 

Material

Im Gegensatz zur Lochfassade werden an der Gartenseite Materialen mit sinnlich wahrnehmbarer Qualität eingesetzt: Weich federnder Gummibelag auf den Aussentreppen, unbehandelte Holzbohlen als Terrassenbelag,verzinkte Stahlgeländer, Lärchenholzrahmen der raumhohen Schiebeelemente an der Fassade, lasiertes Lärchenholz als Verkleidung der Fahrradboxen, knirschender Kies bei den Sitzplätzen im Garten. Nicht die Farbgebung steht im Vordergrund, sondern die natürliche Oberfläche der Materialien.

Farbe

Der zurückhaltenden Farbgebung der Außenfassade steht die intensive Farbenergie in den Treppenräumen entgegen. Der Übergang zwischen öffentlichem Straßenraum und privater Wohnung wirkt als reinigende Schleuse, in der die visuelle Wahrnehmung verdichtet und gleichzeitig minimiert wird. Die einzelnen Bauelemente Wand, Geländer, Türen, Aufzug verschmelzen in einem einzigen Farbklang, die Oberflächen dienen nurmehr als Farbträger.

Ein Bewohner kann sich der Farb - Aufladung in der kurzen Spanne zwischen Wohnung und Straßenraum nicht entziehen. Der in Blau beziehungsweise Grün gefärbte Treppenraum wird über das von den Oberflächen reflektierte Licht selbst zu einem Farb - Leuchtkörper. Durch Farbmischung erscheinen Gesichter und farbige Kleidung andersfarbig. Im grünen Treppenraum verwandelt sich ein rosa Hemd in ein weißes, rote Schuhe werden grau. Nach Verlassen des Treppenraums ist die Farbwahrnehmung intensiviert und die Wahrnehmung der Farbtöne selbst verändert. Das Auge ergänzt in einem simultanen Impuls die Komplementärfarben des Treppenhauses (Simultankontrast) : Die weißen Wände der Wohnung oder das neutrale Grau der Aussenfassade bekommen einen rötlichen, warmen Farbton, der kurzzeitig vom Betrachter selbst erzeugt wird.

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  • Standort

    Westendstraße 240
    80686 München
    Kartenansicht

  • Bauherr

    SOFINA GmbH

  • Baubeginn

    1999

  • Fertigstellung

    2003

  • Kennzahlen

    20 Wohneinheiten 2.300m² BGF
    Geschäftsfläche im EG 650m² BGF
    Tiefgarage mit 29 Stellplätzen

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