Zeitgenössische Architektur in Bayern

Krachers neue Doppelzwiebel

Projekt mit meinem Profil verknüpfen oder Felder ausfüllen

Dieses prächtige denkmalgeschützte Wohn- und Geschäftshaus im Stil der Neorenaissance von 1890-91, Architekt Ludwig Kracher, ist Bestandteil des Ensembles „Wiesnviertel" in München. Es steht in Bahnhofsnähe, direkt an der Theresienwiese, und blieb im 2. Weltkrieg vollkommen unbeschädigt.

Schon zuvor jedoch, in der Zwischenkriegszeit, wurde die ursprüngliche Doppelzwiebel von kräftigen Westwinden, die über die Theresienwiese und die trichterförmige Straßenmündung der Pettenkoferstraße frontal auf das Eckgebäude gelenkt werden, umgestoßen. Man reduzierte den Helm dann auf eine einfache Zwiebelhaube, bei einer späteren Dachsanierung dann noch einmal nur auf einen plumpen Kegel. Der Zahn der Zeit nagte überall am Gebäude, so dass bis 2020 unzählige Details verloren gegangen waren...

Nach einer intensiven Planungsphase mit zehn divergenten Instanzen, wurde schließlich entschieden, den originalen Dachstuhl aus Holz komplett abzubrechen, um das Dach anschließend neu zu errichten, einschließlich der Rekonstruktion des ursprünglichen Eckturmhelms als Doppelzwiebel. Da das Haus bis unters Dach durchgängig vermietet ist, war es eine große organisatorische und technische Herausforderung, das Tragwerk des mehr als zehn Meter hohen Turmhelms so zu ertüchtigen, dass der Helm von nun an den Windkräften an dieser Stelle standhält.

Auch die beiden Ziergiebel, die Stuckgesimse und die Jalousiebleche über den Fenstern, wurden an den Prunkfassaden anhand historischer Pläne und Fotos rekonstruiert. Viele Fenster und die Eingangstüren wurden denkmalgerecht neu geplant und ausgetauscht. Für die Gastronomie im Erdgeschoss wurde ein neuer Kellerzugang über eine beheizte Freitreppe aus Beton in der engen Durchfahrt angebaut. Und im Auge des großen Treppenhauses wurde ein hydraulischer Aufzug freistehend aufgebaut, der an die genietete Stahlkonstruktion der zeitgleich zum Haus entstandenen Hackerbrücke erinnert.

Die beiden im Dach neu entstandenen Wohnungen sind sehr weitläufig und hell. Die größere der beiden verfügt über eine zweigeschossige Wohnhalle, mit Kamin, Galerie, Dachterrasse, Turmstube und einer atemberaubenden Aussicht über das Häusermeer der Stadt bis zur Frauenkirche bzw. über die Theresienwiese bis zu den Bergen.

Der Bau in prominenter Lage bereichert diesen städtebaulich wichtigen Ort des Wiesnviertels nun umso mehr durch sein stimmiges Gesamtbild nach altem Vorbild.

  • Auszeichnungen

    Fassadenpreis der Landeshauptstadt München 2025

  • Standort

    Pettenkoferstr. 48
    80336 München
    Kartenansicht (Google Maps)

  • Bauherr

    Rieber Vermögensverwaltung GmbH & Co. KG

  • Fertigstellung

    2025

  • Baukosten

    3 Mio

  • Baumaßnahme

    Neubau, Sanierung | Revitalisierung, Umbau

  • Bauweise

    Stahlbeton, Ziegelmauerwerk, Holz, Stahl, Leichtbau, Massivbau

  • Energiekonzept

    Das neu errichtete Dach wurde entsprechend den sich aus den verarbeiteten großen Sparrenquerschnitten vollständig ausgedämmt, zusätzlich wurde ein Aufsparrendämmung verarbeitet.

  • Kennzahlen

    Bruttogeschossfläche (BGF)
    Bestand: 6 x 365 m² = 2.190 m²
    Neu: 7 x 365 m² = 2.555 m²

    Grundstücksfläche = 670 m²

    Grundflächenzahl (GRZ)
    Bestand: 1
    Neu: 1

    Geschossflächenzahl (GFZ)
    Bestand: 1825 m² / 670 m² = 2,72
    Neu: 2.190 m² / 670 m² = 3,27

    Nutzfläche “Neubau“
    Whg 1, klein: 108,08 m²
    Whg 2, groß: 192,21 m²
    Gesamt: 300,30 m²

    Geschossfläche “Neubau“
    Wohnungen + Treppenhaus/Aufzug = 365 m²

    Wohnfläche
    Whg 1, klein: 96,9 m² / 3 Pax = 32,3 m² pro Person
    Whg 2, groß: 162 m² / 4 Pax = 40,5 m² pro Person
    Gesamt: 259 m²

  • Andere Fakten

    Es handelt sich um ein prominet gelegenes Einzeldenkmal als Teil eines Ensembles, das in diesem Bereich die Stadtsilouhette prägt.

    Das Gebäude wurde im vollständig bewohnten Zustand umgebaut und saniert bzw. das gesamte Dach ausgetauscht.

    Da es sich um ein Einzeldenkmal und die Gebäudeklasse 5 und einen Sondernbau handelt, waren vom Architekten die denkbar höchsten baurechtlichen bzw. verfahrenstechnischen und planerischen Anforderungen zu leisten.