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Wohnen am Candidplatz

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04. Mai 2017

Referenzprojekt für gelungene Nachverdichtung - alle drei Preisträger des Architektenwettbewerbs in der engeren Wahl für die Realisierung.

Die Candid Immobilien Projekt GmbH & Co. KG ist Eigentümerin einer Wohnanlage am Candidplatz in München. Die Wohnanlage wurde 1952 errichtet und seitdem den Anforderungen an zeitgemäßes Wohnen nicht mehr angepasst. Zur Beseitigung des dadurch bedingten Sanierungsstaus wird die Kammbebauung im nördlichen Bereich des Quartiers umfassend instandgesetzt und zugleich nachverdichtet, indem jeweils ein Geschoss aufgestockt wird.

Im Süden sollen die Randbebauungen an der Candidstraße und die östliche Eckbebauung (Hans-Mielich-Straße 38 und 40) abgebrochen und höher als bisher neu errichtet werden. Bestehende Lücken in der Bebauung sollen geschlossen werden. Ziel der Baumaßnahme ist vor allem auch, entlang des stark befahrenden Mittleren Rings durch eine höhere Bebauung als bisher für einen spürbar verbesserten Immissionsschutz für das Quartier selbst und das gesamte nördlich angrenzende Viertel zu sorgen. Außerdem sollen eine Kinderkrippe und eine Tiefgarage in die Anlage integriert werden. Mit dem Neubau an der Candidstraße und dem angrenzenden Eckgebäude an der Hans-Mielich-Straße sollen ca. 170 neue Wohnungen realisiert werden. "Wir freuen uns, dass durch diese Maßnahme neue Mietwohnungen mit EOF-Anteil entstehen, die wir in unserer rasant wachsenden Stadt so dringend benötigen", sagte Stadtdirektorin Susanne Ritter bei der Eröffnung der Ausstellung der Wettbewerbsergebnisse letzten Donnerstag im Planungsreferat.

Wohnung wechseln statt wegziehen
Aufgrund der seit Jahrzehnten gewachsenen Mieterstruktur ist eine vollständige Neugestaltung des Quartiers unter sozialgerechten Aspekten nicht denkbar. Die beabsichtigten Maßnahmen ermöglichen, dass die Mietverhältnisse beibehalten und die Mieter während der Bauphase überwiegend innerhalb der Mietwohnanlage bleiben können. So sollen die heutigen Bewohner der zum Abbruch vorgesehenen Gebäudezeile an der Candidstraße während der Bauzeit in die Bestandshäuser ausweichen können. Der Sanierungsablauf der bestehenden Wohnanlage soll dergestalt umgesetzt werden, dass die vorhandenen Mieter innerhalb der Siedlung umziehen können, sodass sie ihr gewohntes Wohnumfeld nicht zwangsläufig verlassen müssen.

"Es gab in den Beiträgen des Wettbewerbs viele gute Konzepte für attraktiven Wohnraum, gemeinschaftliche Freiflächen und bestmöglichen Schallschutz für die Wohnanlage und das dahinterliegende Quartier", erklärte Kunz, Geschäftsführer der Candid Immobilien Projekt GmbH & Co. KG. Die Entscheidung sei daher sehr eng gewesen. "Es werden aktuell mit allen drei Preisträgern Gespräche geführt, um das denkbar beste Ergebnis zu finden."

Die Jury des Realisierungswettbewerbs hatte das Konzept der Büros nbundm architekten und OK LANDSCHAFT Andreas Kicherer in der Preisgerichtssitzung vom 21. März 2017 mit dem ersten Preis ausgezeichnet, gefolgt von den Entwürfen der Büros Grassinger Emrich Architekten GmbH mit liebald+aufermann landschaftsarchitekten (2. Platz) sowie ASTOC GmbH & Co.KG mit lohrer.hochrein landschaftsarchitekten und stadtplaner gmbh (3. Platz).

Drei Konzepte mit individuellen Stärken
Das Konzept des Münchner Büros nbundm architekten und OK LANDSCHAFT Andreas Kicherer überzeugte die Jurymitglieder unter anderem durch eine gestaffelte Fassade, die trotz der nördlichen Ausrichtung des Gebäudes im Wohnbereich direktes Sonnenlicht aus Westen und Osten hereinlässt. Dies schafft auf der Seite des Innenhofes zugleich ein wirkungsvolles Zusammenspiel mit den vier Bestandsgebäuden.

Die Arbeit von Grassinger Emrich Architekten schlägt einen Typus vor, der trotz der Lärmbelastung vom Mittleren Ring eine Südorientierung der Wohnungen ermöglicht. Hierzu werden entlang der Candidstraße ab dem ersten Obergeschoss vier nach Süden verglaste schallisolierte Atrien entwickelt, zu denen sich die Wohnungen orientieren. Das achte Geschoss wird in Verlängerung der Atrien nach Norden geöffnet und bietet Dachterrassen zur gemeinschaftlichen Nutzung an.

Schwungvoll führt das Büro ASTOC die Bebauung entlang der Candidstraße, ohne dabei langweilig zu wirken. Mit wenigen, fein ausbalancierten Abstufungen und einem geschickten Fassadenbild glückt der Versuch, die lange Straßenabwicklung wirksam zu gliedern. Hier werden gekonnt die einzelnen Hauszugänge akzentuiert und die Fassade mit geringem baulichem Aufwand sowohl horizontal als auch vertikal aufgeteilt.

Hochpunkt am Candidplatz
In allen eingereichten Entwürfen wurde die Platzsituation im Norden an der Hans-Mielich-Straße genutzt, um einen quartiersprägenden Hochpunkt zu setzen. Die besondere Situation, die sich durch die stark befahrene Candidstraße ergibt, wird bei der künftigen Bebauung besonders berücksichtigt. Im Erdgeschoss des Neubaus soll es keine Wohnungen geben, stattdessen entsteht auf 560 qm viel Raum für eine dringend im Quartier benötigten Kinderkrippe. Zusätzlich stehen 360 qm für Gewerbefläche zu Verfügung. Die bisher im Innenhof geparkten Autos sollen in die Tiefgarage verlagert werden, in der es Platz für 147 Stellplätze geben soll.

Bis Freitag, den 5. Mai 2017, können im Referat für Stadtplanung und Bauordnung die Modelle und Entwürfe der neun im Wettbewerb eingereichten Architektenentwürfe begutachtet werden.

Ein Beitrag von

Gabriela Beck

Als ausgebildete Architektin (ETH Zürich & TU München) schreibe ich seit 2000 über Architektur, Städtebau und Design. Als Journalistin interessiere ich mich insbesondere für Hotelbau, die Infrastruktur von Megacities und wie gebaute Umwelt die Gesellschaft beeinflusst.

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