Zeitgenössische Architektur, Design und Kunst in Bayern

 
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Phase 0

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05. Oktober 2017

Bei der Präsentation seiner Projekte in der Architekturgalerie sprach Architekt Murat Tabanlıoğlu mit muenchenarchitektur über Inspiration durch Reisen, seine Lieblingshotels und warum er München mag.

Ein Wohnturm in New York, das Stadion in Astana, das Kongresszentrum in Dakar – Tabanlıoğlu Architects bauen weltweit. Das Architekturbüro mit Stammsitz in Istanbul, 200 Angestellten und Dependancen in New York, London, Dubai und Doha gehört zu den bekanntesten in der Türkei. Büroinhaber Murat Tabanlıoğlu ist ständig unterwegs – und nutzt seine weltweit gesammelten Reise-Eindrücke für Phase 0, der Inspiration, die den klassischen Planungs- und Bauphasen eines Projekts vorausgeht.

Was inspiriert Sie auf Ihren Reisen am meisten?

Ich bin meist geschäftlich unterwegs, versuche aber, auch immer persönliche Eindrücke aus einer Stadt mitzunehmen, von der Atmosphäre und den Leuten. Es gibt Städte wie Astana, die sind modern, aber leblos. Und es gibt Städte wie Kairo oder New York. Dort kenne ich Leute, dadurch fühle ich mich weniger als Tourist und bekomme interessante Einblicke in das städtische Leben.

Wie bauen Sie Ihre Eindrücke in Ihre Architektur ein?

Ich mache viele Fotos als Gedächtnisstütze und archiviere sie. Diese Dokumentation ist meinen Mitarbeitern zugänglich. Sie wissen dann, was ich meine, wenn ich von diesem schönen Treppenhaus in London rede oder von jenem Haus in der Altstadt von Kairo, wo mich der Umgang mit Schatten fasziniert hat.

Dann speichern Sie eher architektonische Eindrücke ab?

Architektur ist Ambiente ist Leben. Ich achte darauf, ob ich mich an einem Ort wohl fühle, weniger wer ihn gestaltet hat. Oft kenne ich den Architekten eines Bauwerks, das mir gefällt, gar nicht. Ich lasse mich vom Raumgefühl, von Duft und Farben inspirieren.

Sie fotografieren häufig durch Sprossen- oder Gitterfenster.

Den ersten Eindruck einer neuen Stadt gewinne ich meist beim Blick aus dem Hotelzimmerfenster. Das ist ein wichtiges Element für mich. In Barcelona war ich zum Beispiel in einem Hotel, wo man das Stadtbild durch ein katalanisches Gitter betrachten konnte. Das hatte etwas Reizvolles. London ist wieder ganz anders. In Wien steige ich immer im Do & Co Hotel am Stephansplatz ab, der Besitzer ist ein Freund von mir. Es wurde von Hans Hollein entworfen und später auch von ihm saniert. Hotels sind sehr wichtig für mich. Wenn ich eine Stadt noch nicht kenne, suche ich mir immer zuerst das Hotel aus. Es muss so gelegen sein, dass ich alle Orte, die ich gerne sehen möchte, schnell erreiche. Damit beginne ich meine Reiseplanung.

Welche Kriterien muss ein Hotel für Sie erfüllen?

Es muss gemütlich sein und die Bar muss schön sein. Ich mag es, wenn die Lobby wie eine Stadt-Bar funktioniert, wo sich auch die Einheimischen treffen. Das Hotel New York in Rotterdam ist ein gutes Beispiel dafür.

Welche Stadt finden Sie architektonisch am interessantesten?

Istanbul, weil man dort verschiedene Layer sehen kann, von der byzantinischen Zeit bis heute und die Stadt trotzdem lebendig ist. Städte wie Venedig und Florenz dagegen gleichen inzwischen Museen. In Venedig gibt es ja keine Venezianer mehr. Die wohnen alle außerhalb.

Wie fühlen Sie sich in München?

München erinnert mich an Wien, wo ich studiert habe. Ich kann hier Tafelspitz und Kaiserschmarrn essen. Und die Leute sind anders als im Norden. Gemütlicher irgendwie. Wobei Berlin ja im Trend liegt. Aber in Berlin finde ich es schade, dass sich Ost und West vermischt haben. Der Osten ist sehr kitschig geworden, leider.

Die Ausstellung Stage_0 Travelogue ist noch bis 11. November in der Architekturgalerie  zu sehen.

Alle Fotos: Saskia Wehler

Ein Beitrag von

Gabriela Beck

Als ausgebildete Architektin (ETH Zürich & TU München) schreibe ich seit 2000 über Architektur, Städtebau und Design. Als Journalistin interessiere ich mich insbesondere für Hotelbau, die Infrastruktur von Megacities und wie gebaute Umwelt die Gesellschaft beeinflusst.

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