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Soneva Fushi

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19. Juli 2017

Fernweh | Malediven – Robinson Crusoe-Feeling im nachhaltigen Luxusresort. Ein Widerspruch?

Im Soneva Fushi, einem der teuersten Hideaways der Welt, gibt man als erstes seine Schuhe ab. Bei Ankunft mit dem Wasserflugzeug erwartet der persönliche Butler den Gast mit einem Beutel, dessen Aufschrift „no shoes, no news" das Konzept des Minimal-Luxus auf den Punkt bringt. Fast alles findet unter freiem Himmel statt: kochen, essen schlafen - wer will, kann die Nacht auf einer menschenleeren Sandbank verbringen. Dresscode: barfuss, luftig und leger. Das hat einen gewissen Gleichmacher-Effekt. Da muss man schon genau hinsehen, um beim Frühstück Tilda Swinton am Nebentisch zu entdecken.

„Wir setzen nicht auf Wohlstandsklischees wie Marmor, Silberkandelaber und Champagner, sondern auf Kopferlebnisse, zum Beispiel mit Delfinen schwimmen", sagt Sonu Shivdasani, CEO und Gründer von Soneva. Entsprechend ist die Ausstattung der 57 mit Palmblättern gedeckten Strandvillen: raffiniertes Design findet man hier kaum, dafür viel Holz und Naturstein, ein Open-Air-Badezimmer mit Daybed, Hollywood-Schaukel und Hängematte neben dem von Palmen beschatteten und vor Einblicken geschützten Privatpool nur ein paar Schritte vom Meer entfernt. Kleidung und Schuhe sind hier tatsächlich überflüssig. Um den feinen Sand nicht ins Haus zu tragen stehen vor der Haustür und auf der Veranda wassergefüllte Tonkrüge mit Kokos-Schöpfkelle und ein "Bürsten-Igel" bereit. Ein Robinson Crusoe-Gefühl stellt sich alsbald ein, das dank Bose-Soundsystem in den Duschen, Klimaanlage, Minibar, Safe, Deckenventilator, Telefon, TV sowie CD- und DVD-Player jederzeit abgemildert werden kann.

Das bereits 1995 auf der Privatinsel Kunfunadhoo im Baa Atoll errichtete und vor kurzem renovierte Soneva Fushi gilt als erstes Öko-Luxus-Resort der Malediven. Ein Marketing-Gag? Das Atoll-Konglomerat im Indischen Ozean muss so ziemlich alles importieren, die Müllinsel quillt über und die berühmten Riffe haben mit Korallenblreiche aufgrund zu hoher Wassertemperaturen - El Nino lässt grüßen - zu kämpfen.

Ist Nachhaltigkeit im Luxustourismus überhaupt möglich? Auf Soneva Fushi wird dieser Anspruch ernst genommen. Das Resort operiert kohlendioxidneutral - die Summe des freigesetzten und gebundenen Kohlendioxids beträgt über alle Teilprozesse hinweg gleich Null. Konkret bedeutet das unter anderem: kein Import von Plastikflaschen, kein Holzschlag auf der Insel für Hotelbau, kein Hummer auf dem Buffet - Hummer bleiben ihr Leben lang mit einem Partner zusammen und haben keine Nachkommen mehr, wenn einer weggefischt wird – dafür Pools mit UV-gefiltertem Meereswasser, Solarenergie, ein biologisch angebauter Gemüse- und Kräutergarten, der zumindest einen Teil des Bedarfs abdeckt.

Gäste werden gebeten, möglichst wenig Müll zu produzieren sowie leere Sonnencreme-Tuben, Batterien und Plastikflaschen gegebenenfalls wieder mitzunehmen. Jeder Gast bekommt ein Fahrrad, um die Insel über die sandigen Wege zu erkunden, die kreuz und quer durch den dichten Dschungel verlaufen - auch vorbei am „Eco Centro Waste-to-Wealth", der Recyclinganlage im Zentrum der Insel, außer Sicht- und Geruchsweite der Strandvillen. Dort werden 74% des gesamten Abfalls wiederverwertet: Bioabfälle werden zu Kompost für den Gemüsegarten und das Pilzhaus, Holzabfälle werden zu Grillkohle für Barbecues, Glas- und Styroporabfälle werden zu neuem Baumaterial, alte Kabelrollen werden zu Tischen.

Anstatt Wasser zu importieren wird im Soneva Fushi resorteigenes gefiltertes Mineralwasser produziert und im Eco Centro Waste-to-Wealth in recycelte Glasflaschen abgefüllt, die sich immer wieder verwenden lassen. Die dadurch erzielten Ersparnisse fließen in die „Soneva Foundation" und die „Whole World Water Campaign". Vor allem im Rahmen der letzteren Initiative konnte bereits 752.345 Menschen Zugang zu sauberem Trinkwasser und Basissanitärversorgung ermöglicht werden.

Glasflaschen werden überdies im resorteigenen Glasstudio in Kunst und Geschirr verwandelt. In Workshops können die Gäste das Kunsthandwerk des Glasformens lernen.

Bleibt das Problem der Emissionen durch die Flugzeuganreise der Gäste. Soneva hat daher in 2008 eine Umweltabgabe in Höhe von zwei Prozent des Buchungsbetrags eingeführt. Bis heute sind es insgesamt 6,2 Millionen USD, die in zahlreiche Projekte mit positivem nachhaltigen, sozialen und wirtschaftlichen Einfluss fließen und den Kohlendioxidausstoß durch die Resort Aktivitäten und internationalen Flüge der Gäste ausgleichen. Zu den Projekten zählen unter anderem Aufforstungsprogramme in Asien oder die Myanmar Stove Campaign, durch die bis heute 388.599 Tonnen CO2 eingespart werden konnten.

Fotos 1, 2, 4, 5, 10: Soneva / Fotos 3, 6, 7, 8, 9: Gabriela Beck

Ein Beitrag von

Gabriela Beck

Als ausgebildete Architektin (ETH Zürich & TU München) schreibe ich seit 2000 über Architektur, Städtebau und Design. Als Journalistin interessiere ich mich insbesondere für Hotelbau, die Infrastruktur von Megacities und wie gebaute Umwelt die Gesellschaft beeinflusst.

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