Zeitgenössische Architektur, Design und Kunst in Bayern

 
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Check in statt Burn out | Nr. 3

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12. Juli 2017

Arbeiten Sie auch zuviel? Wie man sich durch kurze Auszeiten vor dauerhafter tiefer Erschöpfung schützen kann. Eine Reihe über Hotels, die für eine kurze intensive Auszeit, um den Akku wieder aufzuladen, mehr bieten, als gewöhnliches Wellness.

Badet man in warmem Thermalwasser, stellen sich schon nach 25 Minuten positive Effekte ein: Wissenschaftlich erwiesen sinkt der Kortisolgehalt, der als Stressindikator gilt, Schmerzen an Gelenken und Wirbelsäule nehmen spürbar ab, Körper und Geist entspannen sich effizienter als bei anderen Techniken. Aus diesem Grund kommen die Gäste aller sechs Thermen der Kannewischer Collection an fünf Standorten in Deutschland in den Genuss dieses natürlichen und uralten Heilmittels.

Antoinette Schmelter-Kaiser hat für uns die Therme im Spreewald besucht:

Die typische Fortbewegungsart im Spreewald ist gemächliches Kahn- oder Kanufahren. „Fließe" genannte Kanäle durchziehen das UNESCO Biosphärenreservat als weit verzweigtes, von Schilf gesäumtes Netz aus schmalen Wasserstraßen, das durch sanfte Auenlandschaften, lichte Wälder und kleine brandenburgische Orte führt. Ähnlich entschleunigt ist das Tempo in der Spreewald Therme. Mit acht Prozent Salzgehalt verleiht das Wasser im Intensivsolebecken so viel Auftrieb, dass man darin schwebt und diesen Zustand dank 36 °C Wärme wohlig lang auskosten kann. Spreewälder Thermalsole, die hundert Millionen Jahre alt ist und direkt vor Ort gefördert wird, füllt als Wellnesselement Nummer Eins aber auch alle anderen sieben Innen- und Außenbecken in unterschiedlich hoher Konzentration und Temperatur; ein Dampfbad sowie die Sole-Inhalation sorgen in stilisierten Gurkenfässern für noch mehr Entspannung. Runter auf Null fährt man im angeschlossenen SaunaGarten – egal ob im schonenden Caldarium bei 40 °C, der 90 °C heißen Feuersauna mit flackerndem Kamin oder dem Ruhebereich mit Wintergarten und Wohnzimmer-Ambiente.

Gestaltet wurde die SpreewaldTherme vom Stuttgarter Architekturbüro 4a. Schräg stehende Stützen erinnern an Schilf und Bäume, die sich im Wind neigen. Mit Ziegelwänden, hellem Holz und Reet wurden Materialien aus der Region verwendet. Bodentiefe Fenster sorgen für fließende Übergänge zwischen innen und außen. Bequemerweise eröffnete 2012 in direkter Nachbarschaft ein dazu gehöriges, ebenfalls von 4a geplantes Viersterne-Thermenhotel. Seither kommen außer Tagesbesuchern auch Kurzurlauber, die die Therme jeden Morgen ab acht Uhr eine Stunde lang exklusiv für sich haben. 83 moderne Doppelzimmer stehen hinter der anthrazitfarbenen Fassade als Rückzugsorte zur Verfügung, wo großformatige Fotos in Schwarz-Weiß schlichte Spreewald-Motive zeigen. Im transparent gehaltenen Erdgeschoss gehen öffentliche Bereiche von der Rezeption über die Lobby mit integrierter Bar und Bibliothek bis hin zum Restaurant ineinander über; Holzterrassen vor raumhohen Glasflächen schaffen eine Verbindung zur umgebenden Landschaft.

In kurzer Zeit, nämlich ab einem Besuch von zwei Stunden, kann man auch andernorts ein neuer Mensch werden. Außer der Spreewald Therme nebst Hotel besitzt oder betreibt die Kannewischer Collection fünf weitere Anlagen in Bad Ems, Bad Salzuflen, Baden-Baden und Bad Kissingen. Ihre Bandbreite reicht vom historischen Friedrichsbad in Baden-Baden, das 1877 im Stil der Neurenaissance fertig gestellt wurde und dessen 17 Stationen bis heute hohe Kuppeln, handbemalte Majolika-Kacheln und Stuck zieren, bis zur 2012 eröffneten Emser Therme. Wegen ihrer Lage am Ufer der Lahn wählte das Stuttgarter Architekturbüro 4a hier die organische Form von Kieseln als durchgehendes Gestaltungs-Element vom Fenster bis zur Beckenform; wie an Bord eines Bootes fühlt man sich in Deutschlands erster Fluss-Sauna, die im Wasser schwimmt.

Roter Faden aller Thermen sind wechselwarme Bäder, bei denen man sich einerseits entspannt fallen lassen kann, Kreislauf und Durchblutung aber auch wieder angeregt werden. Für Bewegung sorgen außer Schwimmen Angebote wie Wassergymnastik oder Fitness-Studios. Ausreichend Platz für körperliche und mentale Ruhephasen rundet die Philosophie ab.

Kannewischer-Collection


Über Erschöpfung:

Ich habe lange Zeit gedacht, dass man sich nachts und am Wochenende oder halt im Urlaub erholt und dazwischen reinpowern kann ohne Unterlass. Wenn mir die Energie ausgeht, wird eine Ayurveda-Kur im Jahr es schon wieder richten, davor und danach kann ich an meine Grenzen gehen... Leider stimmt das so nicht, denn der Körper ist keine Maschine, sondern ein komplexes System, welches unbedingt zwischendrin immer wieder runtergefahren werden muss. Und das kann bereits an einem verlängerten Wochenende ganz in der Nähe gelingen!

Immer mehr anspruchsvolle Hotel richten sich auf die gesteigerten Bedürfnisse nach tiefer Entspannung ein und bieten neben Massagen und dem klassischen Wellnessen zunehmend spezielle Wanderungen wie etwa das „Waldbaden", Beratung durch ausgebildete Coaches, tiefenentspannendes Thermalwasser, oder Messungen des „Lebensfeuers" an.

Es muss ja nicht gleich eine Burn Out-Gefahr vorliegen. Schon chronisch mangelnde Bewegung bei zu viel Energiezufuhr können Körper und Psyche aus dem Lot bringen. Wussten Sie, dass heutzutage mehr Übergewichtige, als Untergewichtige auf der Erde leben? Und wussten Sie, dass 60% der Weltbevölkerung es nicht schafft, am Tag die empfohlenen 30 Minuten moderater körperlicher Aktivität nachzukommen? „Sitting is the new smoking." heißt es bereits...

Was bedeutet eigentlich Burn out oder Erschöpfungssyndom?

Ein ganz wesentliches Indiz ist die Aktivität des Gehirns, welches sich für zu lange Zeit in einer Frequenz befindet, die eigentlich Notfällen vorbehalten sein sollte. Die Gehirnfrequenzen lassen sich genau einteilen und gibt es solche, die im Schlaf, bei Entspannung, bei Konzentration und so weiter auftreten und eben jene Frequenz, die bei akutem Stress und damit einhergehender Angst entsprechende Hormone ausschüttet, die uns kurzfristig entsprechend einer akuten Gefahr reaktions- und leistungsfähig machen. Danach muss das Gehirn jedoch wieder runterfahren, um sich zu erholen. Passiert das nicht, weil wir uns in einen Dauerzustand der Anspannung befördert haben, vergiften wir uns mit den körpereigenen Stresshormonen regelrecht selbst. Sie sind ebenso giftig wie fremde Substanzen es sein können und schaden unserem Organismus auf Dauer massiv. Das schlechte an dieser Nachricht? Wir werden süchtig nach Ihnen! Wie bei von Außen zugeführten Drogen, entsteht in der Zelle ein Milieu, welches süchtig macht.

Fährt nun ein Burn Out-Betroffener in den Urlaub und glaubt, er könne sich drei Wochen an den Strand legen und nichts tun, hat er sich getäuscht. Er kommt quasi auf Entzug und muss den Level der körpereigenen Hormone durch mutwillig herbeigeführten Stress auf Niveau halten. Das sind dann die Menschen, die man manchmal beobachten kann, wie sie mit einem Kellner einen Streit über die falsche Weintemperatur vom Zaun brechen oder ihr Smartphone mit den Businessmails partout nicht weglegen können.

Um eine Sucht nach Stress zu vermeiden, müssen wir also zwischendrin immer wieder komplett runterfahren. Das geht natürlich zu Hause durch regelmäßigen Sport und Meditation oder die Beschäftigung mit sogenannten Hobbys. Besser noch, man plant zwischen den längeren Urlauben zusätzlich ein paar Tage am Stück in einem nicht nur schönen, sondern auch klugen Hotel ein.

Ein Beitrag von

Regine Geibel

Herausgeberin von muenchenarchitektur und Systemischer Organisationsberater i.Z. MISW

Neben meiner Tätigkeit für muenchenarchitektur berate ich im Bereich:

  • Innenraum-Psychologie: Untersuchung und Optimierung der Raum-Atmosphäre in Bezug auf Beleuchtung, Akustik, Farbe und Stimmung
  • Eventkonzeption
  • Strategisches Marketing und Architekten-Ansprache

Kurzvita
2004 Onlinestart muenchenarchitektur, Gründung BE URBAN GmbH
2002 Idee, Konzeption, Realisierung muenchenarchitektur
1997 bis 2004 freiberuflich tätig als (Innen-)Architektin
1993 Architekturstudium mit Diplom
Vor langer Zeit: einige Semester an der Kunstakademie Düsseldorf

Und sonst: Wahlmünchnerin (die lieben die Stadt besonders) und bekennende Kunstliebhaberin (Künstlerin, Sammlerin und manchmal Kuratorin) und davon überzeugt, dass die bildenden und angewandten Künste wieder enger zusammen rücken müssen...

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