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Bauen im Bestand

Eine alte Scheune für Bücher, buntgemischte Mieter statt Kartoffelknödel-Produktion: Umnutzung statt Abriss ein wichtiger Beitrag für mehr Nachhaltigkeit. Die Bayerische Architektenkammer hat erneut besonders gelungene Beispiele mit einer Auszeichnung belohnt und ein Buch dazu herausgegeben.

Die Baubranche ist für 55 Prozent des Abfallaufkommens und 40 Prozent des Rohstoffverbrauchs in Deutschland verantwortlich. Außerdem hat der Gebäudebereich einen Anteil von 39 Prozent an den Treibhausgasemissionen hierzulande. Entsprechend groß ist die Notwendigkeit, im Kampf gegen die Klimakrise Position zu beziehen.

Eine Möglichkeit mit großem Potenzial ist das Bauen im Bestand. Denn statt noch mehr Ressourcen zu verbrauchen und zusätzliche Flächen zu versiegeln, werden vorhandene Gebäude maßgeschneidert für neue Nutzungen umgestaltet. Aktuell fließen bereits rund zwei Drittel des Bauinvestitionsvolumens in diesen Bereich. Für die BayAK in Kooperation mit der Bundesstiftung Baukultur ist das ein Grund, 2021 erneut den „Preis Bauen im Bestand" zu verleihen.

Beispiele für gelebte Nachhaltigkeit

Verteilt auf drei Kategorien (vor 1900, von 1900 bis 1945 und zwischen 1945 und 1985 errichtete Bauten) wurden 147 Projekte eingereicht. 56 davon schafften es auf die Longlist, 27 kamen in die engere Auswahl und wurden von der Jury bereist, je ein Bewerber pro Kategorie wurde schließlich ausgewählt, weitere neun bekamen eine Anerkennung. Alle sind Beispiele für „gelebte Nachhaltigkeit". Denn „sie respektieren nicht nur den Ursprung und die Geschichte der Bauten, sie überführen sie auch außergewöhnlich ideenreich und innovativ in die Zukunft", so der Bayerische Staatsminister für Wissenschaft und Kunst Bernd Sibler im Vorwort der bei Dölling und Galitz erschienenen Publikation zum „Preis Bauen im Bestand 2021. Deren I-Tüpfelchen sind die informativ-anschaulichen Texte von Ira Mazzoni.

Haus im Haus Konzept

Im oberfränkischen Gundelsheim stellten Schlicht Lamprecht Architekten aus Schweinfurt einem historischen Anwesen aus dem späten 18. Jahrhundert wieder eine Scheune zur Seite, um dort die Gemeindebücherei unterzubringen. Der vorhandene Stall wurden durch ein Haus im Haus Konzept einbezogen. Nach außen gibt die Beplankung aller Wände mit Latten aus Eschenholz dem Ensemble eine identitätsstiftende, ländliche Erscheinung.

Positiver Ort der Begegnung

Ein ehemaliges SS-Casino in der KZ Gedenkstätte Flossenbürg wurde laut Jury „zu einem positiven Ort der Begegnung". Dafür ergänzten JURETZKA ARCHITEKTEN PartG aus Weiden es um aus dem massiven Sockel herausgeschobene, großflächig verglaste Seminarräume. Außerdem entstand ein hell möbliertes Besuchercafé.

Flaggschiff für ein Viertel

Eine ehemalige Stockwerksfabrik für Kartoffelknödel im Münchner Osten verwandelten steidle architekten in WERK3. 100 Meter lang, 30 Meter tief und 22 Meter hoch bietet es heute mit bewusst industriellem Charakter Platz für 70 verschiedene Mieter von Lokalen über Agenturen bis zu einem Geschäft für Künstlerbedarf. Im Westen wurde der Gebäuderiegel um rund 20 Meter erweitert, im Erdgeschoss wurden drei Raumachsen geöffnet. Auf dem begrünten Dach weiden Schafe, nebenan kann ein Riesenstudio mit Panoramablick für Events gebucht werden. Laut Jury wurde mit WERK3 der „Motor angeworfen, der das Viertel auf Hochtouren bringt". Zusätzlich wurde dieses „Flaggschiff" mit dem Bayerischen Staatspreis für „Bauen im Bestand 2021" ausgezeichnet.