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Wilhelm Schmids neues Buch „Heimat finden – vom Leben in einer ungewissen Zeit" ist ein philosophisches Buch, das anstelle von fertigen Antworten wichtige Denkanstöße und Inspiration bietet. Wir haben dem Publizisten ein paar Fragen dazu gestellt und ...

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Wilhelm Schmids neues Buch „Heimat finden – vom Leben in einer ungewissen Zeit" ist ein philosophisches Buch, das anstelle von fertigen Antworten wichtige Denkanstöße und Inspiration bietet. Bettina Model hat dem Publizisten ein paar Fragen dazu gestellt und ... kann jetzt sagen: Mit ihm zu sprechen, ist Genuss pur.

Wilhelm Schmid ist einer der erfolgreichsten philosophischen Publizisten Deutschlands. Seine Bücher werden in zahlreiche Sprachen übersetzt. Bekannt wurde er durch seine Arbeiten zu Themen wie Gelassenheit, Glück, Sinn und Liebe. Er studierte Philosophie und Geschichte in Berlin, Paris und Tübingen.

B.M.: In Ihrem neuen Buch „Heimat finden – vom Leben in einer ungewissen Zeit" findet man wunderschöne Gedanken und Fragestellungen zu diesem Thema. Sie schreiben, Heimat ist dort, wo Beziehung ist. Was ist es, was Beziehung schafft?

Prof. Dr. Wilhelm Schmid: Vertrautheit schafft Beziehung. Eine Ecke, in der wir uns angenommen und vertraut fühlen. Ein Ort an dem Beziehungen nicht gleich in Frage gestellt werden, sondern verlässlich sind.

Die meisten Philosophen haben schöne Orte, Gärten und Landschaften sehr geschätzt. Findet man den Weg zur Philosophie in einer harmonischen Umgebung leichter?

Das glaube ich nicht. Es scheint mir eher umgekehrt. Harmonische Umgebungen stellen keine Fragen mehr. Alle großen Philosophen der Geschichte waren Melancholiker, die sich mit Abgründen beschäftigt haben. Nehmen wir Epikur. Er hat seinen Garten nicht angelegt, um in harmonische Umgebung zu philosophieren. Ich denke, er hatte diesen Garten, um abgründige Gedanken, seine Krankheit und die Melancholie besser bewältigen zu können. Er hat wahrscheinlich Ruhe und Harmonie in diesem Garten finden können.

Wilhelm Schmid ist freier Philosoph und hält zahlreiche Vorträge im In- und Ausland. Er lehrt Philosophie als außerplanmäßiger Professor an der Universität Erfurt und war viele Jahre Gastdozent in Riga/Lettland und Tiflis/Georgien.

Ein Kapitel Ihres Buches heißt „Heimat im verzauberten Raum" und erzählt von Christos Kunstwerk am Iseosee. Es war die Verwandlung eines Sees, der Menschen und der Umgebung. Es klingt als wären Räume, Landschaften und Orte jederzeit wandelbar ... auch zum Guten wandelbar?

Alles ist zum Guten wandelbar - aber nicht zum Besten. Auch Menschen sind wandelbar und wir alle wünschen uns das Beste, aber das geschieht niemals. Der oder das Andere hat immer auch negative Seiten. Wir streben zu sehr nach Perfektion in Allem. Es ist eine sehr spannende Frage was passieren würde, wenn wir in einer absolut perfekten Umgebung leben würden. Wäre die Perfektion auf Dauer nicht sehr langweilig?

Viele Kommunikationsarten scheinen sehr schnelllebig und unpersönlich. Dating-Apps „wischen" Menschen bei Nichtgefallen in Sekundenschnelle weiter. Das macht mich nachdenklich in Bezug auf Vertrautheit und Beziehung. Was denken Sie über diese Entwicklung?

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Menschen immer nur aus Erfahrung lernen, nicht durch Theorie. Wenn also neue Arten der digitalen Kommunikation entstehen und „Wischen" auf Dauer nicht zum Erfolg führt, dann werden Menschen wieder zu früheren Modellen zurückkehren.

Das klingt sehr zuversichtlich ...

Ich bin zuversichtlich. Gerade in Zeiten der Pandemie haben wir gesehen, welch großes Bedürfnis wir alle danach haben, uns real zu begegnen. Wir haben gemerkt, wie wichtig uns Nähe und Freundschaft ist. Die Digitalisierung hat uns auch wieder die Begeisterung für das Normale, das Alltägliche vermittelt. Beziehungen, Handwerk, Tradition und reelles Erleben. Ich glaube, je mehr Digitalisierung es gibt, desto größer wird unser Bedürfnis nach dem Realen, dem Persönlichen werden.

Jetzt bin ich auch zuversichtlich. Vielen Dank für das Interview.

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