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Altstadt Vienna | Wien

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Im trendigen 7. Bezirk Wiens, zwischen Showrooms und Vintage-Shops, versammeln sich in diesem Boutique-Hotel die wohl schönsten Interior Design-Kompositionen der Stadt. Jedes Zimmer ein Unikat, gestaltet von verschiedenen Kreativen, unter anderen von Lilli Hollein und Matteo Thun.

Kreativität verbunden mit Wiener Lebensgefühl, so lautet das Erfolgsrezept des Altstadt Vienna. 1991 entdeckte Inhaber Otto E. Wiesenthal, der zuvor als Manager in der Computer- und Banken-Branche tätig war, das passende Objekt für seinen langgehegten Traum: Als leidenschaftlicher Kunstsammler eröffnete er im Künstlerviertel am Spittelberg ein Hotel, das zugleich gemütliche Wohnung und Galerie ist.

In dem historischen Stadthaus wohnen Gäste Tür an Tür mit Wienern - ein Teil der weitläufigen Stadtwohnungen in dem Gebäudekomplex mit Innenhof wurden peu a peu dem Hotel zugeschlagen und in einzelne Gästezimmer aufgeteilt. Was bleibt, sind die alten Wohnungseingangstüren mit breiten Fluren dahinter und mit charmant knarzendem Parkett. Bei der Eröffnung verfügte das Hotel über 24 Unterkünfte, mittlerweile sind es 61 individuell gestaltete Zimmer und Suiten, verteilt auf fünf Etagen.

Gäste wählen zwischen den Kategorien Altstadt Klassiker und Altstadt Reloaded in den Größen Regular, Medium und Large. Jedes Altstadt Klassiker ist ein Unikat und erinnert beispielsweise durch Stuck, Kronleuchter und Flügeltüren an die langjährige Geschichte des Patrizierhauses. In den Altstadt Reloaded sowie den Suiten interpretieren renommierte Künstler, Designer und Architekten das Wiener Lebensgefühl und die Kunst der Gastfreundschaft neu.

So durfte sich u.a. der Südtiroler Stararchitekt Matteo Thun im Altstadt Vienna kreativ ausleben. Beim Betreten der acht von ihm gestalteten Zimmer und der Suite begeben sich Gäste auf eine Zeitreise ins Wien des frühen 20. Jahrhundert. Parkett aus gebeizter Eiche, pompöse Kronleuchter, Tapeten mit Damastmuster und rotes Samtmobiliar spiegeln den damaligen Zeitgeist wider. Einige Möbel wie zum Beispiel der Schreibtisch wurden von der österreichischen Möbelwerkstätte Wittmann nach Zeichnungen von Matteo Thun entworfen. Mit großformatigen Aktfotografien wird an Josefine Mutzenbacher, Wiens berühmteste Dirne, erinnert. Alle Teppiche in den Matteo Thun-Zimmern wurden eigens für das Altstadt Vienna angefertigt und tragen Frauennamen, die um die Jahrhundertwende typisch waren.

Im Rahmen des 25-jährigen Jubiläums eröffnete das Altstadt Vienna im Juni 2016 eine neue Suite à la Josef Frank. In Andenken an den in Baden bei Wien gebürtigen Designpionier gestalteten die Innenarchitekten von Svenskt Tenn eine 50 Quadratmeter große Unterkunft. Seit den frühen dreißiger Jahren arbeitete Josef Frank für das schwedische Designunternehmen. Unterteilt in zwei Wohnräume, überzeugt die Suite mit den für Frank typischen mutigen Mustern und besonderen Möbeln. Blickfang ist der stoffbezogene Schrank 522 Textile Mahagony, den Josef Frank 1934 entwarf. Eine Chaise Lounge, stimmige Details und helle, harmonische Farben mit kräftigen Akzenten verleihen der Suite eine fröhliche und gemütliche Atmosphäre.

Bei ihrem ersten Interior-Design-Projekt legte Lilli Hollein Wert darauf, die österreichische Design-Szene in den Mittelpunkt zu stellen und gleichzeitig ihre persönliche Note in den Raum zu bringen. Mit ihrem Mann Markus Eiblmayr entschied sich die Direktorin der Vienna Design Week für eine graue Wolkentapete von Cole and Son. Den Kontrast dazu bildet ein bunter, eigens für das Altstadt Vienna entworfener Teppich, der gleichzeitig das persönlichste Stück des Raumes ist. Das gelb-beige gestreifte Bett und der Sessel sowie der dunkelgrüne Divan setzen weitere Farbtupfer. Zur Vergrößerung des Raumes griff Hollein auf den altbewährten Spiegeltrick von Adolf Loos zurück. Durch Elemente wie beispielsweise Stehleuchten von der Werkstätte Carl Auböck, Fliesen von Karak und Stühlen von Marco Dessi wird das Zimmer eine Bühne für österreichische Design- und Handwerkskunst.

Von Retrochic inspiriert, verlieh die steirische Modedesignerin Lena Hoschek einer 75 Quadratmeter großen Suite ihre persönliche Note. Dunkle Tapeten, opulente Vorhänge und rund 70 liebevoll arrangierte Bilder erfüllen die Räume mit Nostalgie. Hingucker ist das erste Interiordesignstück Hoscheks: Eine handgefertigte Bettenlandschaft mit Samtbezug im Chesterfield-Stil und Baldachin-Drapierung. An der eigenen Bar lassen Gäste die besondere Atmosphäre bei einem Drink wirken.

Mit der im Mai 2019 eröffneten United Nations Suite möchte das Boutiquehotel anlässlich des 40-jährigen Bestehens des UNO Hauptquartiers in Wien ein Zeichen für Toleranz und Weltoffenheit setzen. Inspiration für die Gestaltung holte sich das Team von Le Corbusier - als Mastermind hinter dem UN Hauptquartier in New York - und Roland Rainer als Juryvorsitzenden des Architekturwettbewerbs für die UNO City in Wien. Das Interieur soll den verbindenden Charakter der Vereinten Nationen widerspiegeln. Neben kräftigen Farbkomposition mit Grün-, Orange- und hölzernen Brauntönen flossen viele Elemente des Bauhausstils ins Design ein. Zeitlich liegt der Schwerpunkt auf den 1950er bis 1960er Jahren: So befindet sich unter anderem ein Modell des ikonischen Egg-Chairs von Arne Jacobsen und eine Whiskey Bar im Salon.

Weitere Zimmer und Suiten wurden u.a. vom Wiener Designerduo POLKA, vom österreichischen Starstylist Andi Lackner, vom Architekturexperten Adolf Krischanitz und vom Wiener Architektenteam rund um Gabriel Kacerovsky gestaltet. Die Atmosphäre eines Theatersaals erlebt der Gast im Zimmer von Roland Nemetz, der auch die Josef Hoffmann Suite, die Library Suite und die Opera Suite gestaltete. Der perfekte Wohnraum für Cineasten ist das Zimmer des Architekten Gregor Eichinger. Und in der Bösendorfer Suite können Gäste dank des Bösendorfer-Flügels zum Konzertpianisten auf Zeit werden.

Über 300 Kunstwerke verteilen sich auf die Räume und Flure des Altstadt Vienna. Darunter befinden sich Arbeiten von Niki de Saint Phalle, Markus Prachensky und Alex Ruthner.

Boutique-Hotel Altstadt Vienna

Sighseeing-Tipps: Kunst in Wien

+ Ein Besuch im Kunstmuseum Schloss Belvedere - dort hängt Der Kuss von Gustav Klimt im überwältigenden Original
+ Galerienbummel mit avantgardistischen Inhalten in der Schleifmühlgasse im 4. Bezirk
+ Entdeckungen in den Interior-Showrooms der Kreativszene in der Gumpendorfer Straße im 4. Bezirk
+ Schnäppchenjagd in den originellen Design- und Vintage-Läden entlang der Burggasse im Künstlerviertel 7. Bezirk
+ Kunst- und Architektur-Stadtführung mit Kunsthistorikerin Jeannette Koller, jeanblue@gmx.at

... natürlich mit vielen Pausen in den prachtvollen Kaffeehäusern, zum Beispiel im Traditionshaus Cafe Sperl, wo die Wiener Secession gegründet wurde.

Dinner in stilvollem Ambiente

+ Zur Herknerin, kleine aber sehr gute Speisekarte mit Wiener Klassikern und vergessenen Gerichten. Unbedingt probieren: Die Presswurst mit Kernöl. Gäste sitzen auf Austria-Stühlen von Wiesner-Hagner.

+ Das kleine Paradies, wunderschön gestaltete Speisekarte mit Mut zum Ungewöhnlichen. Gäste tafeln in einem ehemaligen Schreibmaschinengeschäft in denkmalgeschütztem Haus aus der Kaiserzeit.

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