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Duftende Wände

Edgar Deinböck, Malermeister und staatl. geprüfter Farben- und Lacktechniker Edgar Deinböck, Malermeister und staatl. geprüfter Farben- und Lacktechniker
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22. November 2016

Malermeister Edgar Deinböck verrät im Interview, wie man den Duft der Alpen an die Wand bringt.

Möglich wird dies durch einen neuartigen Naturbaustoff. Gemahlene Mineralien und ausgewählte Pflanzenstoffe verleihen Wänden eine außergewöhnliche Farbe mit Struktur und Aroma. Zu erleben sind sie auf der Heim+Handwerk vom 23. bis 27. November 2016 im Forum PLANwerk in der Halle A2. Besucher können dort 28 unterschiedliche Farben und Materialien erkunden.

Unter dem Motto "Farbwelten" haben sich Studierende der Hochschule Coburg, Fakultät Design, Studiengang Innenarchitektur kreativ mit den Themen Farbe, Material und Oberfläche auseinandergesetzt. Sie beraten die Messebesucher bei PLANwerk kostenfrei anhand des jeweiligen Wohnungsgrundrisses.

Malermeister Edgar Deinböck, Farben- und Lacktechniker aus dem Landkreis Landshut, gibt im Interview vorab Einblick in die vielseitigen Möglichkeiten der Wandgestaltung.

Herr Deinböck, bei Ihnen bekommt der Ausdruck natürliche Farben eine ganz andere Bedeutung.

Edgar Deinböck: Das stimmt. Wir bringen Kaffee, Tee, Heu und Stroh direkt an die Wand und schaffen damit ein sinnliches Raumerlebnis. So erleben sie am Morgen in der Küche Kaffeeduft noch bevor die Kaffeemaschine angestellt wurde. Die Wand hat dabei eine schöne dunkelbraune Farbe mit der Struktur von frisch gemahlenen Kaffee. Mit einer Wand aus Lavendel kommen Duft und Erinnerung an einen entspannten Urlaub in der Provence ins Wohnzimmer. Indem wir mit der Kombination von natürlichen Materialien Farbe, Duft und Struktur an die Wand bringen, holen wir die Natur und das Wohlfühlen von draußen nach drinnen.

Wie lange hält sich der Duft an der Wand?

Edgar Deinböck: Das ist von Material zu Material unterschiedlich. Zirbe beispielsweise hält sich länger im Raum als Kaffee. In der Regel hält sich ein Duft zwischen einem halben und ganzen Jahr. Aber wenn er nachlässt, kann man die Wand mit destilliertem Wasser besprühen und befeuchten. Das erneuert den Duft.

Welches Material oder welche Farbe ist für Sie die außergewöhnlichste bei der Wandgestaltung?

Edgar Deinböck: Es gibt unglaublich viele Möglichkeiten. Mineralien wie Rosenquarz oder Granit werden sehr fein gemahlen, dem Putz beigemischt und verleihen Räumen einen individuellen Charakter. Aber auch die Mineralien in Gold und Platinoptik sind sehr spannende Materialien. Ich persönlich finde Bergkristall besonders interessant. Er ist an der Wand hell und glitzert und bringt eine sehr edle Optik in die Wohnung. Zudem hat Bergkristall eine abschirmende Wirkung gegen Strahlungen wie zum Bespiel Handystrahlung und Elektrosmog.

Was ist die Herausforderung bei der Arbeit mit Bergkristall oder generell mit Naturmaterialien?

Edgar Deinböck: Die größte Schwierigkeit besteht in der Kombination aus Material und Untergrund. Das Material muss sehr gleichmäßig aufgetragen werden. Dabei spielt der richtige Unterputz eine große Rolle. Ganz wichtig ist auch, dass die Gestaltung zu den gegebenen Räumlichkeiten und natürlich auch zu den Menschen passt, die in der Wohnung leben.

Wie finden Sie heraus welche Farbe passt?

Edgar Deinböck: Es gibt unterschiedliche Wege. Zum einen im Gespräch mit dem Kunden, in dem er Wünsche und konkrete Vorstellungen formuliert. Zum anderen in Zusammenarbeit mit Innenarchitekten und Psychologen. Wir arbeiten sehr eng mit Dr. Ines Klemm von der Latrace GmbH zusammen. Sie hat eine wissenschaftliche Methode entwickelt, bei der sie Farbe, Energie und Wohlbefinden mit Mensch und Raum harmonisch in Verbindung bringt. Nach diesem Prinzip entwirft sie einen Gestaltungsplan, der exakt auf die individuellen Bedürfnisse abgestimmt ist. Wir sorgen dann für die perfekte Umsetzung. Gemeinsam haben wir schon einige sehr spannende Projekte realisiert.

Welche zum Beispiel?

Edgar Deinböck: Wir haben ein Altstadthaus in Landshut, genau genommen eine Maisonettewohnung mit Schlafzimmer, zwei Kinderzimmern, zwei Bädern, zwei Fluren, Wohn-Essbereich, Küche und Büro über zwei Etagen mit 42 verschiedenen Farben gestaltet.

Ist das nicht zu bunt?

Edgar Deinböck: Überhaupt nicht. Es ist vielfarbig, aber in sich stimmig und sehr interessant. Mir persönlich hat das Schlafzimmer besonders gut gefallen. Hier haben wir sechs verschiedene Farben verwendet. Eine Wand ist in einem fast schwarzen Blau gestrichen, dazu kommt eine champagnerfarbene Wand, außerdem wurden Dunkelgrün, Blaugrün und Ockerfarben eingesetzt. Ich fand es so toll, dass ich mich am liebsten selbst zum Schlafen hingelegt hätte.

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