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Otl Aicher – Design Olympia 72

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27. Juli 2012

Während in London ca. 10.500 Athleten aus 205 Nationen noch bis zum 12. August in 31 Disziplinen um Gold, Silber und Bronze kämpfen, erinnert sich München seiner „eigenen“ Olympischen Spiele von 1972.

Dass die trotz der tragischen Ereignisse des 5. Septembers, bei denen elf Mitglieder der israelischen Mannschaft von der palästinensischen Terrorgruppe „Schwarzer September“ getötet wurden, als „Regenbogenspiele“ in Erinnerung blieben, ist neben Günter Behnisch, Frei Otto und Günther Grzimek maßgeblich das Verdienst von Otl Aicher: Der Gründer der HfG Ulm entwickelte mit einem rund vierzigköpfigen Team das visuelle Erscheinungsbild der Spiele – als Angestellter des Organisationskomitees, nachdem an seiner Direktbeauftragung Kritik laut geworden war.

Dabei ging es Aicher ebenso wie seinem Auftraggeber, NOK-Präsident Willi Daume darum, die Bundesrepublik in Abgrenzung zu den Olympischen Spielen von 1936 gegenüber der Weltöffentlichkeit als demokratisches, weltoffenes Land zu positionieren. Deshalb betraf eine seiner ersten Entscheidungen, noch vor der Auftragserteilung, den Verzicht auf Gold und das Spektrum zwischen Rot, Purpur und Violett, die für ihn als Farben weltlicher oder kirchlicher Macht kontaminiert waren (Aicher sprach von den „Farben der Diktatoren“), und deshalb sollten die Spiele so „süddeutsch“, unpolitisch und wenige nationalstaatlich wie möglich werden. Ersteres wurden sie: Die Topografie des Olympiageländes war ebenso wie die Blau- und Grüntöne der Spiele von der voralpinen Landschaft des Allgäus inspiriert.

Sein Design entwickelte Otl Aicher aus einem System variabler, untereinander verwandter Elemente – sechs Farben (hellblau, hellgrün, gelb, dunkelblau, dunkelgrün und orange), Adrian Frutigers 1957 entwickelte „Univers“ in unterschiedlichen Schriftschnitten und -graden, dem olympischen Emblem und dem Logo der Münchner Spiele (der Strahlenkranz mit überlagerter Spirale stammt von Coordt von Mannstein) und den Piktogrammen –, die sich in einer Vielzahl von Varianten kombinieren ließen: Von den offiziellen Berichten des Organisationskomitees über Eintrittskarten, Broschüren und Programmhefte bis hin zur Signaletik in den öffentlichen Verkehrsmitteln. Selbst die Uniformen des Personals der Olympischen Spiele folgten (bis auf die Bundeswehr) der Corporate Identity.

So komplett durchgestaltet die Spiele auch waren: Das Zusammenspiel ihrer Elemente wirkte nicht rasterhaft, sondern ließ im Gegenteil eine Atmosphäre der Leichtigkeit und Heiterkeit entstehen. Die vermittelt sich auch nach 40 Jahren noch in der Ausstellung: Über die Plakate der olympischen Sportarten, von denen aus dem Bestand der Galerie Brandt allein 20 im Gasteig zu sehen sind, ebenso wie über Elena Winschermanns Maskottchen „Waldi“. Ergänzend dazu dokumentieren die Fotos des offiziellen Olympiafotografen von 1972, Karsten de Riese, die Entstehungsgeschichte des „Design Olympia 72.“

Im Gegensatz zu vielen anderen Austragungsorten waren die Spiele für München ein Katalysator der Stadtentwicklung und Infrastruktur, die Piktogramme werden von ERCO in über 900 Varianten vertrieben, und, wie die Süddeutsche Zeitung schrieb, erzählen die XX. Olympischen Spiele im Gegensatz zur gescheiterten Bewerbung für 2018 bis heute „von einem Land, dessen Dynamik, Technikbegeisterung wie Zukunftslust wie mit den Händen zu greifen war.“

Jochen Paul

Zum 40. Jahrestag der Olympischen Spiele1972 in München zeigt die Aspekte Galerie der Münchner Volkshochschule (MVHS) eine umfangreiche Ausstellung zu Otl Aicher. München reflektiert in der Ausstellung mit eindrucksvollen Bildserien Arbeitsprozesse sowie die Realisierung des Designkonzepts von Otl Aicher für die Olympiade 1972. Zur Ausstellung...

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